Samstag, 9.5.2026

Der Flug zum Windhoek International Airport hat knapp über eine Stunde gedauert und hat wieder tolle, letzte Ausblicke auf die herrliche Landschaft geboten. Am Flughafen angekommen, hat uns ein Flughafenmitarbeiter die Taschen auf einen Kofferwagen aufgeladen und uns nach draußen ins Terminalgebäude begleitet. Dort hat Wilderness Air eine Lounge in der wir auf unseren Fahrer warten konnten. In der Lounge hat ein amerikanisches Pärchen gewartet. Diese waren auch aus San Francisco, kamen gerade aus Kapstadt und wollten weiter nach Sossusvlei. Vermutlich dann wieder mit Collin.

Unser Fahrer verspätete sich ein wenig, da Windhoek zwei Flughäfen hatte und seine Agentur ihn zum falschen geschickt hat. Da wir seine letzten zwei Fahrgäste für heute waren, hat er einen kleinen Umweg durch die Stadt gedreht, um uns wenigstens kurz Windhoek-Downtown zu zeigen.

Im Galton House angekommen, haben wir das Zimmer bezogen und uns schnell frisch gemacht.

Heute Nachmittag waren wir mit Barbara verabredet, eine Künstlerin, die als Kind deutscher Eltern in Namibia geboren wurde. Barbara und ihre Mutter haben wir 2006, auf einer Reise nach Ägypten kennen gelernt. Wir hatten schon mehrfach darüber nachgedacht nach Namibia zu fliegen, um sie zu treffen, aber sie war dann immer unterwegs oder bei uns kam wieder was dazwischen. Auch heute hatte sie nur kurz Zeit, da sie (eigentlich mit ihrer Schwester, der namibischen Botschafterin in Frankreich) nach Paris fliegen wollte. Sie hatte ihren Flug, ihre Schwester musste aber erst noch zum Arbeiten nach Kenia. Aber ein paar Stunden blieben und Barbara hat uns von unserem Hotel abgeholt und zu sich nach Hause mitgenommen. Lag zum Glück nicht weit auseinander. Dort gab es einen Gin Tonic, kleine Snacks (Biltong, Salzbrezeln, namibische Datteln, alles ganz hervorragend!). Die Snacks mussten wir vor ihren beiden Hunden sichern, die versucht haben an das Biltong zu kommen. Die Hunde waren beide aus dem Tierheim und sehr nett und anhänglich. Barbara hat uns ein paar von ihren Bilder gezeigt, die in ihrem Atelier hängen und uns ihre Maltechnik erklärt. Sehr interessant und nur von ihr genutzt und gemeistert. Das war ein sehr netter Nachmittag. Hoffentlich sehen wir sie mal wieder und wenn es in Paris sein sollte.

Kurz vor 18 Uhr hat uns Barbara dann zu einem Restaurant gefahren, dass sie für uns gebucht hatte, um den Sonnenuntergang nicht zu verpassen. Das Windhoek Sky Restaurant ist oben auf dem Independence Museum untergebracht, hoch oben über der Stadt mit einem guten Rundumblick und zwei Außenterrassen. Wir haben einen Tisch am Fester zur Terrasse mit Blick auf den Sonnenuntergang zugewiesen bekommen. Wir haben die Bedienung gefragt, ob wir kurz rausgehen dürfen und sie meinte ja, sie könnte uns einen Sundowner servieren, draußen und anschließend könnten wir uns dann um die Essensbestellung kümmern. Die nette Dame hat uns ihren Special-Sundowner-Cocktail empfohlen. Er kam leuchtend blau und mit Bubbles (genau wie im Bubbletea). Schmeckte sehr gut, sehr alkoholisch und süß. Beim Beobachten des Sonnenuntergangs haben wir dann noch Deutsche getroffen aus Essen, die gerade heute Vormittag angekommen sind und morgen mit dem Mietwagen selber auf Tour gehen wollten.

Nachdem es dunkel wurde haben wir uns hinein zum Essen begeben. Die Karte war einfach zu groß, um schnelle Entscheidungen zuzulassen. Wir haben uns dann für eine Vorspeise, Pulled Lamb Mini Pita Bites und Garnelen mit Spinat und einer Creamsoße entschieden und als Hauptgang Wagyu-Burger (so preisgünstig bekommt man den kein zweites Mal, obwohl das Restaurant sicher teuer ist für lokale Verhältnisse) und ein Oryx-Gulasch. Alles wirklich sehr gut. Eine Nachspeise haben wir uns dann noch geteilt. Die Aussicht über die Stadt bei Nacht mit all ihren funkelnden Lichtern ist schön von hier oben aus anzusehen.

Der Fußweg zurück zum Hotel wäre über eine Stunde gewesen, aber man sollte das wohl aus Sicherheitsgründen sowieso nicht machen. Das Hotel hatte uns eine Visitenkarte gegeben von einem Fahrer „Benny“, den wir anrufen (lassen) sollten. Unsere Bedienung hat das dankenswerter Weise für uns erledigt (schon in Ermangelung einer hiesigen Telefonkarte) und Benny hat erst noch zwei weitere Gäste von einem Restaurant und dann uns abgeholt. Die beiden anderen waren auch frisch angekommen, im gleichen Hotel wie wir untergebracht und wollten morgen auf Selbstfahrsafari gehen. Nach kurzem Austausch in Englisch, haben wir festgestellt, dass sie Schweizer und wir Deutsche sind und uns einfacher auf deutsch unterhalten können.

Zurück im Hotel sind wir eigentlich dann auch gleich ins Bett gefallen, schließlich stand morgen schon wieder packen und die Fahrt zum Flughafen, Abfahrt 10:40 Uhr, an.

Sonntag, 10.5.2026 – Muttertag

Es gab ein reichhaltiges Frühstück. Toast durfte man sich selber nehmen, ansonsten standen Konfitüre und Joghurt+Müsli auf dem Tisch. Wurst, Käse, frisches Obst wurde auf einer Etagere serviert. Wir haben uns zu einem Rührei mit Würstchen breitschlagen lassen, aber zum teilen. Hier nichts zuzunehmen ist kein leichtes Unterfangen. Kaffee gab es aus einem Jura Kaffeevollautomaten. Im Damaraland und in Camp Sossus waren die Kaffeemaschinen auch von Jura. Der Juraverkäufer in Namibia muss echt gut sein.

Nachdem wir alles übrige zusammengepackt haben, haben wir uns in den Gemeinschafts-Aufenthaltsraum begeben, um an diesem Blog zu schreiben und auf unseren Transfer zu warten (Check-Out-Zeit war 10 Uhr). Unser Fahrer war aber ein wenig früher da, wir hätten noch warten können, aber, da es evtl. Schlangen am Check-In geben sollte, sind wir gleich losgefahren. Was einem auffällt, sind die relativ vielen Menschen, die am Rande der 2-spurigen Autobahn joggen und Fahrrad fahren. Laut unserem Fahrer ist es ganz normal am Wochenende. Die würden zum Teil die 35 km zum Flughafen joggen oder fahren und wieder zurück. Wirkt irgendwie verrückt. Irgendwann auf dem Weg haben wir einen Jogger gesehen, der auf der Gegenfahrbahn Richtung Windhoek lief. Unser Fahrer meinte, den hätte er erst vorhin am Flughafen gesehen… 35km hin und zurück. Die Luft war zwar noch nicht so warm, aber die Sonne brennt auch um diese Jahreszeit ganz schön vom Himmel.

Am Flughafen angekommen hat uns unser Fahrer noch die Taschen bis zum Check-In gebracht. Am Band sollten wir erst mal unsere Taschen stapeln und der Herr am Schalter meinte, das würde jetzt Übergepäck kosten (die Zahl haben wir uns nicht gemerkt). Auf einen Hinweis hin, wir haben da einen Tarif mit mehr Gepäck gebucht, hat er noch mal in seinen Computergeschaut, gemeint, oh tatsächlich, dann wäre ja alles in Ordnung und hat unsere vier Taschen angenommen und auf die Reise geschickt. Hinter uns muss eine Reisegruppe angekommen sein, denn plötzlich hatte sich am Check-In eine Schlange gebildet. Zum Glück waren wir ein paar Minuten zu früh losgefahren.

Nach Verabschiedung von unserem Fahrer haben wir uns zur Sicherheitskontrolle begeben. Dort befand sich ein einzelner Herr, der alles alleine erledigt hat. Er hat uns geholfen die Taschen richtig auf Band zu legen und hat sein Durchleuchtergerät bedient. Noch war nichts los und es ging alles ganz schnell. Unser Handgepäck hat keine Aufmerksamkeit erregt und der Metalldetektor hat nicht gepiept. Es gab eine Lounge an dem Flughafen, den man in weniger als 5 Minuten komplett gesehen hat (nur 6 Gates). Jetzt waren wir vom Frühstück noch satt. In der Lounge sah das Essen echt gut aus und es gab auch diverse kalte und warme Speisen. Wir haben uns für eine Sprite und ein lokales, alkoholfreies Bier entschieden. In der Lounge war eine Frau, die mit ihrer Mutter unterwegs war. Die konnten auch deutsch, sprechen aber wegen ihrem Vater zu Hause eher englisch. Die beiden Damen waren auf den Weg nach Johannisburg zu Verwandten.

An unserem Gate, beim Warten auf das Boarding, kamen wir mit zwei US-Amerikanern ins Gespräch, die irgendwo aus der Mitte von Amerika waren und niederländische Pässe hatten. Er war Niederländer, einer seiner Elternteile war aus Deutschland, seine Frau war zwar in Amerika geboren, aber ihre Vorfahren waren beide deutschstämmig (ausgewandert irgendwann so Ende 1800). Er war sehr kommunikativ und hat sich mit jedem am Gate unterhalten, der dort in unserer Nähe stand. Seine Frau war sehr viel ruhiger. Sie hoffen wohl bei den Midterms auf einen Sieg der Demokraten, haben wir noch herausgehört.

Der Flieger war diesmal eine Embraer 190 mit Zweier-Sitzreihen auf jeder Seite und ziemlich voll. Auf dem Weg zum Flugzeug, man musste ein Stück über das Vorfeld laufen, standen Aufpasser, die einem gesagt haben, wo man langzulaufen hat. An der Abzweigung vom Fußweg zum Flieger stand eine Dame mit einem „Cape Town“-Schild, damit man auch nicht den falschen Flieger erwischt… Es kam schon zu Begegnungen mit Passagieren anderer Flieger auf dem Weg, die kreuzten. Beim Einsteigen ins Flugzeug wird auch die Bordkarte noch mal kontrolliert, damit da auch wirklich nichts schief geht.

Nach dem Getränkeservice gab es wieder die Auswahl zwischen Hühnchen mit Couscous und Rind mit Nudeln. Wir dachten schon das wären die Gerichte des Monats, weil wir das ja schon auf dem Hinflug hatten. Es klang zwar gleich, war aber doch ein klein wenig unterschiedlich zum Flug nach Walvis Bay. Das Rind war gezupft mit Soße anstatt in Scheiben und statt Cracker gab es einen Biskuit mit Sahne und einem Tropfen Erdbeersoße und einem Caramel-Fudge. War auch gut. Da isst man nichts in der Lounge, die viel zu essen zu bieten hat, aber dann das Flugzeugessen…

Wir hatten einen angenehmen Flug, das Flugzeug wurde kurz vor der Landung „desinfiziert“ (also es lief eine der Flugbegleiterinnen mit einer Spraydose durchs Flugzeug und hat etwas versprüht, das keinerlei Schaden am Menschen anrichten sollte… aber man wurde gebeten die Luft anzuhalten, wenn sie vorbei kommt… ahja….). Das Wetter beim Anflug auf Kapstadt sah nicht so toll aus, aber es war ja auch schlechtes Wetter angesagt.

Donnerstag, 7.5.2026

Die Landung auf einer Sandpiste mit so einem kleinen Hoppser ist schon einmalig. Man sitzt ja keine 2m über dem Boden.

Auf dem Airstrip hat der dortige „Flughafenbeauftragte“ (da gibt es tatsächlich jemanden, der sich um die Abfertigung der Maschinen kümmert) geholfen das Gepäck auszuladen und wieder unter uns zu verteilen. Wir, inklusive Fluffy, haben uns von Collin, unserem Piloten im Cessna-Anzug verabschiedet und weiter ging es.

Auf uns wartete Nahas aus Camp Sossus am Rande des Airstrips, hat uns begrüßt und unsere Taschen in sein Fahrzeug geladen. Auch hier ist der Weg zum Camp eine holprige Schotterpiste. Diese „Straßen“ wurden auch schon im Damaraland „free massage“ genannt, weil es einen ganz schön durchrütteln kann. Auf dem Weg zum Camp erklärte uns Nahas, dass er unser Guide sein wird während unseres Aufenthaltes. Und dann noch, dass wir die einzige Gäste sind. Nicht nur heute, sondern bis zu unserer Abreise. Neue Gäste würden erst anschließend eintreffen. Wir waren uns nicht so sicher, ob das nicht zu viel Aufmerksamkeit bedeuten würde. Auf dem Weg zum Camp haben wir unsere Lunchtüte mit Nahas geteilt und auch schon ein paar Tiere sehen können, wie eine Gruppe Springböcke, die über die Straße gesprungen sind. Die Hüpfen mit allen vieren in die Luft, um Räubern zu zeigen, dass sie gut genährt und kräftig sind. Da sieht man, wie die Tiere zu ihrem Namen gekommen sind. Leider ging das alles zu schnell und wir haben keine Bilder von diesem „pranking“. In Afrikaans heißen die Tiere wohl auch Gemsbok. Die meisten Tiere waren aber weit weg, wie z.B. eine Oryx-Antilope. Doch kurz vor unserem Camp, stand dort gerade eine Gruppe Hartmann-Bergzebras. Da die so selten in die Nähe von Menschen kommen, haben wir gestoppt, um ein paar Fotos schießen zu können.

Das Camp ist nur durch zwei Tore zu erreichen, da es sich um Privatbesitzt handelt. Kurz vor dem zweiten Tor befindet sich rechter Hand noch ein Campingplatz und links sind zwei überdachte Parkplätze für Gäste, der Pick-Up-Point. Ab hier dürfen nur noch Autos vom Camp fahren. Unterwegs kommt man am „Swimmingpool“ vorbei, ein altes Wasserreservoir, das zur Farm gehört hat, die hier früher stand. Die Tourismus-Gruppe, der das Gebiet jetzt gehört, hat das Reservoir instandgesetzt und zum Swimmingpool umgebaut. Gehört alles zum Nachhaltigkeitskonzept, dem man sich hier verschrieben hat. Neben dem Swimmingpool steht noch ein altes Windrad, mit dem früher das Wasser gepumpt wurde. Jetzt ist es nur noch Deko, das Wasser wird mittels elektrischer Pumpen und dem selbst erzeugten Solarstrom gefördert.

Der Solarstrom ist auch der Grund, dass es nur möglich ist seine Mobilgeräte zu laden. Großverbraucher wie Fön oder ähnliches kann man gar nicht betreiben.

Im Camp angekommen, wurden wir mit Eistee und vom Campmanager begrüßt, der uns alles gezeigt und erklärt hat. Im allgemeinen Bereich in der Lodge gab es alles, Softdrinks, Gin, Wein getrennt in zwei eigenen Kühlschränken nach weiß und rot, die Leseecke etc. Weil es schon so spät war, haben wir zwei Gin Tonic als Sundowner genommen und es uns an der Feuerstelle vor der Lodge zusammen mit dem Manager gemütlich gemacht. Der Sonnenuntergang ist in diesem Fall nicht zu sehen vom Camp aus, da das Camp vor einem Berghang gebaut wurde und der Berg schon sehr früh die Sonne abschirmt. Ansonsten ist das Camp sehr auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Die Hütten bestehen aus einem Zelt, welches mit einem Dach und Wänden aus alten Ölfässern versehen wurde. Für die Wände des Nassbereichs (Dusche, Toilette, Waschbecken) wurden die Steine des angrenzenden Berges, zusammengehalten von Armierungsgittern, aufgestapelt. Durch die rote Farbe der Steine und des verrostenden Stahls, ist der Camp von weitem nur zu erkennen, wenn man weiß, wo es sich befindet, da es mit der dahinterliegen Felswand verschmilzt.

Das Camp hat auch Wifi, im Damaraland war es nur in der Lodge… Hier war es eigentlich nur draußen zu empfangen. Es gab eine eigene „Wifi-Lounge“ mit Router und Satellitenschüssel. Überdacht (so ähnlich wie eine Bushaltestelle) mit zwei Stühlen, einem Tisch (alles aus Eisen), aber zwei Steckerleisten, im Tisch eingelassen. Das WLAN war im Haupthaus schlecht, in den Hütten gar nicht vorhanden, aber bis zum Lagerfeuer hat es ganz gut gereicht. Hier konnte man auch, bisschen grisselig, Videoanrufe per App führen.

Im Doro Nawas Camp war das Feuer noch aus echtem Holz, so dass wir uns dort gar nicht lange aufgehalten haben, damit die Kleidung nicht zu sehr den Geruch annimmt. Hier im Camp Sossus war das Feuer ein Gasfeuer mit Lavasteinen. Nach einiger Zeit hat es auch gewärmt und es war komplett geruchlos. Damit musste man sich keine Gedanken machen, was man anzieht. Für uns hatten sie drei Stühle aufgestellt, zwei für uns, einen für den Camp Manager. Als Tischchen dienten runde Holzstämme. Stefan hat einen GinTonic in „klassisch“ mit normalem Tonic-Water bekommen, Katja ihren mit rosa Tonic. Sieht cool aus, ist aber ganz schön süß. Ein paar leckere Häppchen gab es auch gleich noch dazu.

Am Feuer wurde uns dann der Plan für den nächsten Tag eröffnet. Abfahrt in die Namib-Sand um 6:30 Uhr in der Früh, kurzer Stopp zum Sonnenaufgang und dann weiter an Düne 1 und Düne 40 + 45 vorbei. An den Dünen 40 und 45 kann man direkt parken, um diese zu besteigen, alle anderen Dünen darf man auch besteigen, muss aber erst von einem Parkplatz aus hinlaufen. Auf die Frage, wann wir geweckt werden wollen und wir gesagt haben, wenn wir 6:30 Uhr los fahren, dann um 6 Uhr, wurde uns mitgeteilt: zu spät. Sie wecken uns dann 5:30 Uhr. Wir werden eine Kanne heißes Wasser bekommen und Kaffee. 6 Uhr leichtes Frühstück, 6:30 Abfahrt. Wenn es so sein soll, dann ist es halt so.

Um 19:15 Uhr gab es Abendessen. Erst ein sehr geschmackvolles Oryx-Carpaccio, dann gegrilltes Schweinenackensteak mit guter dunkler Soße, dazu einen guten Cabernet Sauvignon. Nach dem Dessert, einer wunderbaren Rotweinbirne mit Vanillesauce und Nusscookiekrümel, haben wir uns verabschiedet und sind sehr zeitig schlafen gegangen, denn der nächste Morgen würde früh werden. Da lag dann auch schon jeweils eine Wärmeflasche in den getrennten Betten, das war erst ein bissel heiß am Hintern, aber nach unten geschoben und an den Füßen dann gar nicht so schlecht.

Freitag 8.5.2026

Der Wecker klingelte pünktlich um 5:30 Uhr und eine Minute später kam schon Nahas mit einem Tablett mit der Kanne warmen Wassers (das Wasser aus der Wasserleitung ist morgens sehr frisch), zwei French Press Kaffeekannen mit Kaffeepulver und Thermoskannen mit heißem Wasser.

Wir haben uns dann frisch gemacht, im wahrsten Sinne des Wortes, denn Toilette, Waschbecken und Dusche waren außen an die Hütte angebaut und es hatte so was wie 5-8°C und es war windig, dafür hatte man einen tollen Blick auf den Sternenhimmel. Also sehr schnell fertig gemacht, einen Kaffee gekocht und getrunken und dann war es auch schon 6 Uhr und wir mussten zum Frühstück eilen. Es gab Joghurt mit Müsli und frische Früchte und einen Heizstrahler.

Danach sind wir gleich ins Auto und auf dem Weg hinaus aus dem Camp hat Stefan dann festgestellt, dass er das GPS im Zimmer hat liegen lassen! Fürchterlich, ein Unesco Welterbe und wir würden keinen Cache finden!


Zum Umdrehen war es schon zu spät und so mussten wir uns damit abfinden, dass wir nicht wissen, was es vor Ort für Caches geben würde. Nach einer längeren Anfahrt kamen wir zu einem ersten Checkpoint. Hier werden alle Nummernschilder der einfahrenden Autos mit Anzahl Insassen registriert, damit auch keiner zurück bleibt, wenn der Park am Abend geschlossen wird, weder bewusst noch unbewusst.
An einem zweiten Kontrollpunkt muss man dann den Eintritt in den Park bezahlen. Der Eintritt war in unserem Reisepreis schon enthalten, also mussten wir uns um nichts weiter kümmern, außer die letzte feste Toilette zu besuchen, die super sauber war und dauernd geputzt wurde.

Internet- und Telefonempfang ist in Nambia nicht so einfach, aber an der Bezahlstelle hatte Nahas Empfang und konnte uns einen Wifi-Hotspot mit seinem Handy aufmachen. Er musste noch Datenvolumen aktivieren… Er meinte, da es am Camp keinen Empfang hat und er das dortige Wifi nutzt, verfällt sein Datenvolumen regelmäßig, das wäre also kein Problem für ihn. Damit konnten wir uns die wichtigsten Caches aufs Handy laden und wenigstens den Earth-Cache am Unesco-Gedenkstein versuchen zu lösen. Das war wenigstens etwas. Die übrigen Caches lagen sowieso nicht am Weg sondern irgendwo in den Dünen mit entsprechendem Besteigen der Dünen oder längeren Anmärschen.

Nach dem Besuch vom UNESCO-„Denkmal“ ging es weiter an den Dünen vorbei, wobei Nahas immer wieder einmal anhielt, um uns etwas über die Dünen, Entstehung und die „Feenkreise“ zu erzählen und damit wir Fotos schießen konnten von den Farben und der tollen Landschaft. Zu ein paar Straußen, die wir auf der Ebene am Straßenrand gesehen haben, hat uns Nahas erklärt, dass die bis zu 60-65 km/h schnell laufen können. Sollten wir Lust verspüren ein Straußenei aus dem Nest klauen zu wollen, sollten wir sehr schnell laufen können. Die vielen schönen lila Blümchen, die die Ebene violett einfärben, heißen wohl „Straußenblumen“/Ostrich-Flowers, weil die Strauße diese gerne fressen würden.

Die Dünen sind mit die ältesten auf der Erde. Daher hatten sie lange Zeit, damit das im Sand enthaltene Eisen oxidiert und die Dünen damit nicht im bekannten gelb, sondern in ihrem besonderen Rostrot erstrahlen. Mit einem Magneten hat uns Nahas gezeigt, wieviel Eisen in den Dünen ist. Man muss nur mit einem Magneten darin herumrühren, um die Eisenpartikel zu extrahieren. Das geht ganz schnell und einfach.

Die Feenkreise, also kreisrunde Stellen in der Vegetation, am Fuße der Dünen, bei denen keine Pflanze wachsen, kann keiner erklären, daher auch der Name. Es gab Theorien über Termiten, die dort leben würden, die hat aber keiner gefunden. Eine andere Theorie war, dass dort eine giftige Pflanze wächst/gewachsen ist und damit keine anderen Pflanzen überleben können, aber wenn man den Boden aus diesen Stellen nimmt, in einen Topf füllt und dort etwas einpflanzt dann wachsen diese Pflanzen problemlos. So wird es weiterhin ein Mysterium bleiben, warum es hier kreisrunde, vegetationslose Stellen gibt. Dafür sind wir aber nochmals einer wunderschönen Oryx-Gazelle begegnet.

Überhaupt waren die Dünen und die Flächen dazwischen sehr grün und farbig durch Blumen. Und so ging es weiter am Parkplatz für die Zweirad-Fahrzeuge (angeblich gäbe es von dort aus einen Shuttle weiter nach hinten) vorbei durch sehr lockeren Sand auf dem Weg bis hinter zum Parkplatz für die 4×4-Fahrzeuge. Dort hätten wir dann die Möglichkeit gehabt, die Düne „Big Daddy“ zu besteigen. Für gut trainierte so ca. 1.5-2h. Wohl mit einem „Slide“ zum Deadvlei. Wir haben uns die Menschenmassen, die sich auf dem Kamm hochgearbeitet haben angeschaut, das untere Drittel, welches wirklich einen sehr steilen Aufstieg verspricht, und haben nach kurzem Überlegen gefragt, ob wir da hoch müssen? Zum Glück nicht. Das indische Paar, welches wir im Damaraland getroffen haben, hatte uns von dem anstrengenden Aufstieg berichtet und dass sie nicht so begeistert waren…

Also haben wir uns nur für die direkte Tour zum Deadvlei entschieden. Das war schon anstrengend genug, die Düne und den losen Sand ein ganzes Stück hinaufzulaufen. Oben angekommen, eröffnete sich ein Tal mit weißem, harten Boden und vielen toten Bäumen. Vor ca. 900 Jahren haben die Dünen das Tal, durch welches damals ein Fluss floss, auf zwei Seiten abgeschnitten und das Tal fiel trocken. Dabei hat sich angewehter Kalksandstaub abgesetzt und eine betonharte Oberfläche erschaffen, die jetzt weiß aus dem Rot der Dünen herausleuchtet. Durch den festen Kalkstaubboden konnten die Bäume nicht umfallen. Und durch die große Trockenheit hier im Deadvlei war es auch nicht möglich, dass die Bäume sich zersetzen, da hierfür Wasser notwendig gewesen wäre. Damit steht hier ein kleine Gruppe von toten Bäumen seit über 900 Jahren. Es ist eine Attraktion und so gibt es hier viele Touristen und es sieht so aus, als würde sich jeder seinen Lieblingsbaum aussuchen, um sich mit diesem fotografieren zu lassen. Wir sind auch Touristen, also haben wir uns auch unseren Lieblingsbaum ausgesucht.

Ein paar Bäume weiter gab es ein (vermeintlich) asiatisches Pärchen, welches versucht hat Aufnahmen von sich zu machen. Sie in einem schönen weißen Kleid… und beide barfuß. Wir haben die zwei ein wenig beobachtet, vor allem der Freund/Mann/Bräutigam, der seine Kamera eingerichtet hat, barfuß über den Boden gerannt ist, was sichtlich nicht einfach war, dabei schnell zu sein, dann haben sie in die Kamera gegrüßt noch einmal ein wenig hin und her stolziert und dann ist er wieder zurück gerannt, um die Aufnahme zu kontrollieren. Dieses Schauspiel hat sich einige Male wiederholt.

Nach dem Besuch der Bäume sind wir am Rand der Ebene an einer Tafel vorbeikommen, auf die Touristen ihre Aufkleber geklebt hatten. Neben dem obligatorischen „Nett hier“-Aufkleber der Baden-Württemberger, konnten wir auch einen von einem 1.FCK-Fanklub finden. Später noch einen Riesling-Aufkleber mit Dubbeglas. Wenn man die Aufkleber zählt, sind die meisten Besucher offenbar Köln-Fans.

Wir mussten erst einmal wieder ein Stück die Düne hoch, bis wir uns an den Abstieg zum Parkplatz hin aufmachen konnten. Zurück am Auto sind wir noch zu einem See gefahren, der dem Tal den Namen gegeben hat. Aktuell, nach den Regenfällen letzten Monat, ist dort tatsächlich ein See mit Wasser.

Unter einem Baum hat Nahas das Auto in den Schatten geparkt und unter dem Baum angefangen einen Brunch aufzubauen. Mit Handwaschbecken (warmes Wasser und Flüssigseife hatte er auch dabei), zwei Tischen, bequemen Stühlen, Wurst und Käse, Salat, Nudelsalat, Hähnchenkeulen, frischen Früchten, Brot, Butter, Kaffee, Tee, Saft, Joghurt mit Müsli und, jetzt kommts, einen Gaskocher. Auf dem hat Nahas ein perfektes Rührei zubereitet aus frischen Eiern und dann Würstchen gebraten. Speck wäre auch noch dabei gewesen… Aber das was er alles auf den Tisch gestellt hat, war so schon viel, viel zu viel. Zur Krönung gab es noch eine Flasche Sekt aus der Kapregion. Sehr, sehr gut gekühlt. Die Flasche ließ sich ganz normal öffnen. Nach dem ganzen Geruckel und Geschaukel auf den Straßen und Sandpisten hatten wir erwartet, dass es beim Öffnen erst mal so richtig rumspritzt. Noch nie in einer Wüste so ein reichhaltiges Frühstück erlebt. Ein paar Vögel haben uns beobachtet und sich über die runtergefallenen Krümel gefreut.

Ein Bus mit Touristen aus Südafrika hat hier auch halt gemacht und die Gäste sind ein wenig am See herumgelaufen. Eine Dame aus der Gruppe hat dann noch eine ganze Weile mit uns erzählt, sie hat einfach angefangen. Sie musste aber dann irgendwann gehen, weil die Gruppe weiterfahren wollte. Ansonsten hätten wir vermutlich die ganze Lebensgeschichte der Dame erfahren. Irgendwie nett, wie freundlich hier alle sind.

Nachdem wir alles wieder ins Auto verladen hatten ging es weiter. Wir hatten da noch einen Tradi im Blick. Als wir an dem 2×4-Parkplatz vorbeigekommen sind, war der aber noch mehr als 2km entfernt hinter den Dünen. Aber wir haben noch einen gelösten Whereigo entdeckt auf der Karte, der mit 500m Entfernung zum Parkplatz noch in der Ebene liegen musste. Nahas hat noch mal gewendet und ist zum Parkplatz zurückgefahren und ist dann mit uns auf die Suche gegangen. Wir konnten die Dose tatsächlich in einem großen Baum am „Wegesrand“ finden. Wobei das Wort „Weg“ es nicht so richtig beschreibt. Auf dem GPS war ein Weg eingemalt. Gesehen hat man aber nur Sand und grüne Pflanzen. In weiten Abständen waren gelb markierte Stöcke, ca. 1,5m lang, in den Boden geschlagen, an denen man sich orientieren konnte, in welche Richtung man zu gehen hatte. Den Pfad in dieses Hidden Valley durfte man laut Schild am Parkplatzrand auch nur zu dritt begehen, vermutlich aus Sicherheitsgründen.

Jetzt ging es zurück in Richtung Camp, mit einem kleinen Abstecher zum Sesriem-Canyon, ca. 2km lang, 20m breit und 30m tief. Der Name bedeutet übersetzt so etwas wie „sechs Seillängen“. Das kommt von den San, die früher hier gelebt haben. Weil es zu viel Kraft gekostet hätte das Wasser über Umwege zu Fuß aus dem Fluss am Grunde des Canyons hinauf zu tragen, um Wasser für die Tiere und sich selbst zu bekommen, haben die Buschleute sechs Seile zusammengeknotet und mit einer Tierhaut das Wasser aus der Tiefe nach oben gezogen. Clever gemacht und daher der Name.

Nahas hatte für uns zum Erfrischen und um den Sand abzuwischen noch zwei kalte, feuchte Tücher dabei. Es war etwas schwierig diese auseinanderzufalten, da sie eingefroren waren. Damit waren sie aber auf jeden Fall erfrischend kühl.

Jetzt ging es aber wieder zurück ins Camp mit „kostenloser Massage“ und einem Tankstopp inklusive. In diesen Wagen geht einiges rein…der hat auch zwei Tanks, die gefüllt werden wollen, das dauert schon mal ne kleine Weile und ist dann auch entsprechend gar nicht so preiswert, es wurden dann knapp 4000N$, so ca. 200€.


Die Buckelpiste ist schon recht buckelig… Auf dem Weg kam uns ein alter 911er Porsche entgegen. Der hatte zwar viele Ralley-Aufkleber, aber irgendwie passt ein Auto mit so wenig Bodenfreiheit und so harter Federung nicht recht zu den Sand- und Schotterpisten hier. Im Camp angekommen habe sie uns erst mal einen Schokoladenkuchen angeboten. Einen ganzen… Wir waren aber noch vom Brunch so abgefüllt, dass wir ihn nicht mal haben probieren können. Das tut einem echt leid, wenn die sich so viel Mühe mit uns zwei geben und wir können das nicht mal kosten. Zeitgleich haben die netten Mitarbeiter schon begonnen uns eine Dusche vorzubereiten. Es war auch noch ganz angenehm warm und der Wind hatte noch nicht begonnen zu wehen. Die Dusche besteht hier aus einem Sack mit einer Art Gießkannentülle und einem Hebel mit Kugelventil. In den Sack wird von oben warmes Wasser per Eimern eingefüllt, dann kann man duschen. Die Angst eingeseift ohne Wasser unter der Dusche zu stehen, die duscht aber immer mit. Am Ende war der Sack aber, nachdem wir beide geduscht hatten, immer noch zur Hälfte gefüllt. Hätte man gar keine Angst haben müssen. Aber wir hatten ja bisher noch keine Erfahrung mit einer solchen Dusche.

Endlich (nach zwei Tagen ohne Dusche) fühlten wir uns wieder einigermaßen frisch. Wir hatten nicht viel Zeit uns auszuruhen, denn es stand schon der „Sundowner“ auf dem Programm. Wir wurden an die schon vorbereitete Stelle gefahren, mit ein paar Erklärungen über die Büsche und Gräser am Wegesrand. Das Gras besteht aus „Kalahari Sauergras“ (grün und kleiner) und einem Buschmann-Gras, etwas größer und mit hellem Samenwedel an der Spitze. Angekommen am Ort, an dem man den Sonnenuntergang beobachten konnte, befand sich ein eingeebneter Bereich, umgeben von Lampen im Stil von Petroleumlampen, ein Baum, zwei Stühle für uns, in Richtung Sonnenuntergang ausgerichtet und eine feste, aus Holz gebaute Bar, die mit allen möglichen Alkoholika (harte wie Gin, Whiskey etc. und Wein rot, weiß, rosé) und Softdrinks bestückt war. Es gab auch wieder ein mobiles Handwaschbecken mit einer Kanne warmen Wassers . Wir haben uns für das heimliche Nationalgetränkt „Gin and Tonic“ entschieden (single shot… Es gab auch „double shot“ zur Auswahl). Eigentlich ist Gin Tonic jetzt nicht unser Getränk, aber es ist wie in jedem Urlaub: Luft, Gerüche und Umgebung verändern den Geschmack und was im Urlaub schmeckt, muss zu Hause nicht unbedingt gleich gut sein oder eben umgekehrt. Was daheim nicht schmeckt, das kann dort wo es „hin gehört“ dann einfach toll sein. Dazu gab es sehr gute Chips, Wurst-und-Käse-Spieße, Pistazien und Obst, auch hier scheint Liebe durch den Magen zu gehen.

Anstatt die Stühle zu nutzen, sind wir einfach an der Bar stehen geblieben und haben uns mit Nahas unterhalten. Er hat uns dann noch zeigen wollen, dass da irgendwo am Horizont Oryx-Antilopen und Springböcke zu sehen wären… aber selbst mit Fernglas waren für uns nicht mehr als schwarze Punkte zu erkennen, die sich bewegt haben. Er hat sich sehr amüsiert, dass wir das nicht als die genannten Tiere erkannt haben.

Es gab einen sehr schönen und wie immer, schnellen Sonnenuntergang. Nachdem es dunkel wurde, hat uns Nahas wieder zurück zur Lodge gefahren, zum Abendessen. Es gab eine Vorspeise, Antipasti mit „Black Forest Ham“ (Schwarzwälder Schinken). Da fliegt man Stunden durch die Welt, um Schwarzwälder Schinken zu bekommen. Es war natürlich kein Schwarzwälder wie wir ihn kennen, sondern eine Art Kochschinken, schwarz geräuchert, aber sehr gut. Als Hauptspeise gab es ein sehr zartes Rindersteak mit Pilzsauce bzw. einer schönen sämigen und intensiven Demiglace. Und Pommes! Eine fleischfreie Variante fürs Abendessen hätte es hier auch immer gegeben.

Für den Nachtisch sind wir ans Feuer gewechselt. Dort war ein kleiner Barwagen aufgebaut, es gab Sherry oder Portwein zur Auswahl und diverse Käse, Haselnuss-Schoko-Tarte, frische Früchte und Pekannüsse (die von unserem Gastgeber auf Wunsch geknackt wurden).

Nach dem wir abgefüllt und kugelrund satt gegessen waren, haben wir uns auf unser Zimmer begeben, um noch ein paar Fotos vom Sternenhimmel zu schießen. Über dem Badezimmer befindet sich eine Plattform mit einem Bett im Freien. Dort haben wir versucht das Stativ aufzubauen, da man hier einen guten Rundumblick hat. Aber die Plattform wackelte leicht bei jeder Bewegung von uns, daher sind wir dann noch vor die Hütte gewechselt, auf den Betonboden. Zu schade, dass wir das Sternenbett nicht auch um Übernachten nutzen konnten, aber dafür war es definitiv zu kalt, da hätten auch die Wärmeflaschen, die wir schon in den Betten unten in der Hütte bekommen haben, vermutlich nicht für die ganze Nacht ausgereicht. Hier Bilder vom Außen-Tagesbett und vom Sternenbett auf dem Dach, aufgenommen im Hellen.

Aufgenommen mit dem Handy:

Aufgenommen mit „richtigen“ Kamera:

Anschließend sind wir früh ins Bett gefallen, da der Tag dann doch ein langer geworden ist, wenn man schon um 5:30 Uhr aufstehen muss.

Samstag, 9.5.2026

Heute geht es schon wieder weiter, leider recht früh, so dass wir gar nichts weiter hier unternehmen konnten. Daher haben wir uns für ein Frühstück gegen 8:30 Uhr entschieden und haben uns frisch gemacht und unsere Sachen wieder verpackt für den nächsten Flug.

Das Frühstück war wieder viel zu viel zu essen. Das hätte auch locker für 3 oder 4 Personen gereicht. Wir wurden gefragt, ob wir noch Rührei oder Omelette haben möchten. Aber das was jetzt schon auf dem Tisch stand mit Wurst, Käse, Joghurt,Müsli, frischen Früchten war schon zu viel zum Aufessen. Die ganzen Zutaten und vor allem das frische Obst wird täglich in Windhoek geholt und per Auto ins Camp gefahren. Welch ein Aufwand in der Wüste. Diesen müssen ja auch alle anderen Camps und Lodges leisten. Die nächste Stadt war mit ca. 120km Entfernung auf den Straßenschildern ausgeschrieben. Google versucht einem einzureden, es wären ca. 4h Fahrzeit nach Windhoek, aber es gibt keine ausgebauten Straßen, nur Schotterpisten. Ein ganz schöne Leistung von den Mitarbeitern, die hier jeden Tag und aktuell nur für uns zwei alleine, bewältigt wird.

Nach dem Frühstück haben wir uns noch eine ganze Weile die Landschaft von der Terrasse des Hauptgebäudes aus angeschaut. Beim Check-Out haben wir dann noch erfahren, dass heute gar kein Gast mehr kommt, morgen (Sonntag) kommt noch jemand und am Montag ist dann voll. Zum Abschied haben wir noch zwei kleine Fläschchen mit Dünensand geschenkt bekommen. Angeblich darf man den mitnehmen, sie hätten genug davon. Mal sehen wir weit wir kommen und wann die Dünen weg oder viel einfacher zu besteigen sind (weil flacher).

Einfach noch ein paar Eindrücke vom Camp Sossus, wo man sich z.B. auch Mountainbikes hätte ausleihen können bzw. wohl geführte Touren für Sportliche gemacht werden würden.

Nahas hat uns dann zum Airstrip gefahren mit ein paar Zwischenstopps, da Springböcke und eine richtig große Herde Oryx-Antilopen ganz nah an der Straße standen.

Vor Ort landete gerade eine 208B Gran Caravan und wir freuten uns auf ein großes Flugzeug, aber das war von einer anderen Fluggesellschaft, hat einen Haufen Leute ausgespuckt und ist dann leer wieder abgeflogen. Der (also der einzig und alleinige) Airportmitarbeiter hat uns dann gesagt, dass es eine 208B sein würde und wir wären die einzigen Passagiere nach Windhoek. Die Maschine hat aber Verspätung. Sofern man ca. 8 Minuten wirklich als Verspätung werten möchte.

Die Maschine kam an, spuckte viele Leute aus, die sich auf zwei große Geländewagen verteilten. Als der Pilot ausstieg erkannte Katja sofort, dass der aussieht wie Collin von unserem Flug hierher. Und er war es tatsächlich. Er meinte dann, heute fliegt er uns mit einer größeren Maschine und dann hat er gleich gefragt, ob wir unseren „lucky charm“ (er meinte Fluffy) dabei hätten. Aber klar doch! Die Cessna 208B ist viel gemütlicher, weil man einfach mehr Beinfreiheit hat als in der 210 und wir uns so schön einer rechts, einer links an die Fenster setzen konnten.

Über der Namib-Sand werden Ballonfahrten angeboten. Eigentlich eine Stunde lang. Von den Steirern haben wir erfahren, dass die je nach Witterung und Wind auch mal viel kürzer ausfallen können, nur so 20-30 min, bei vollem Preis. War uns etwas suspekt, vor allem das mit der Landung. Gestern hatten wir auch einen gelandeten Ballon gesehen, bei dem die Gondel umgekippt war und auch das indische Pärchen hatte uns erzählt, dass auch sie fast umgekippt wären bei der Landung. Wenn man mit dem Auto hier anreist, ist ein zusätzlicher Blick aus der Vogelperspektive sicher toll und lohnenswert, da wir die Landschaft aber schon von oben aus dem Kleinstflieger gesehen haben, haben wir auf eine solche Tour gerne verzichtet.

Montag, 4. Mai 2026

Am Airstrip von Doro Nawas wartete schon ein Guide mit Geländewagen auf uns und die drei Mitreisenden aus LA. Nachdem das Gepäck verstaut war, ging es auch gleich. Die Fahrt zum Doro Nawas Wilderness Camp dauert nur ca. 5 Minuten.

Angekommen in der Lodge, wird man zunächst mit einem kalten, feuchten Handtuch und einem Willkommensdrink (ein Getränk aus einer hier einheimischen Beerenart) am Auto willkommen geheißen. Anschließend wird man zur Rezeption gebeten. Hier wird man mit einem Willkommensgesang der Mitarbeiter begrüßt (wiederholt sich für jeden neu angereisten Gast). Da steht dann schon ein Chor mit acht oder neun Personen parat und die haben alle sehr schöne Stimmen! Dann erfolgt der Check-In. Keine großen Meldezettel zum Ausfüllen, man muss nur noch unterschreiben für die Formalitäten und man muss die „Hausordnung“ auch noch abzeichnen. Aber jetzt nichts Dramatisches, man bestätigt eigentlich nur, dass man weiß wo man ist, also z.B. in einer Umgebung mit wildlebenden Tieren. Die haben wir auch schon beim ersten Rundgang gesehen, einmal raus auf die Terrasse getreten, stand schon eine ganze Gruppe Elefanten in vielleicht 100m Entfernung am Wasserloch, das war ein atemberaubender Anblick und eine wunderschschöne Anlage!

Gut, dass es auf dem Flug nichts zu essen gab. Wir kamen direkt zum Mittagessen. Einen gab einen Salat, gebratenes Fischfilet mit Gemüse und ein Karamelleis zum Schluss. Wir waren schließlich ausgehungert nach den ganzen Entbehrungen der letzten Tage. Begleitet wurde das Essen von der Elefantengruppe, die sich langsam aber stetig auf das Camp zubewegt hat und dann schön an den Hütten vorbeispaziert ist. Einer der Jungbullen hat es anscheinend auf die Wasserleitung an Zimmer 15 abgesehen und zerstört diese immer wieder um dort zu trinken. Aus Sicherheitsgründen wird die Hütte auch nicht vermietet, die Wasserleitung wird einfach immer wieder repariert, man befindet sich schließlich in der Heimat der Elefanten und diese haben „Hausrecht“.

Wir konnten schnell mal auf unser Zimmer und haben alles erklärt bekommen (innen Dusche, Außendusche, kaltes Wasser erst in den Eimer laufen lassen, das wird dann zum Putzen verwendet…), inklusive den 3 „Flaschen“ auf dem Regal, ein Doom-Spray für größere Insekten wenn man es denn benutzen wollte), ein Mosquito-Spray und eine laute Tröte, wenn wirklich was Schlimmes sein sollte, z.B. Feuer. Dann 3 mal tröten, das Licht im Zimmer anmachen und dann würde auch gleich jemand kommen. Haben wir nicht gebraucht, war aber beruhigend. Auf Wunsch hätten wir uns auch das Bett nach draußen auf die Terrasse zum Übernachten schieben lassen können, aber wir wollten erst einmal abwarten wie sich die Temperaturen so entwickeln hier in dieser Steppenlandschaft.

Nach dem Mittagessen (Gemüsesalat, Fisch, Karamell-Eis) wurde mit uns das Programm der nächsten zwei Tage besprochen. Das sind die Hauptattraktionen, für den dritten Tag gäbe es dann noch optionale Aktivitäten. Unsere erste Tour soll uns zum „Petrified Forest“ führen, einem Gebiet mit versteinerten Bäumen. Da die Tour schon um 15 Uhr startet und das Mittagessen bis 14 Uhr ging, war nicht mehr viel Zeit zum Zimmer beziehen, Kleidung wechseln etc.

Hier starten die Touren pünktlich. Also sollten wir auch schnell wieder bereit stehen. Auf der Fahrt zur ersten Aktivität wurden wir von einem sehr netten Paar aus der Steiermark begleitet. Zunächst mussten wir aber auch erst einmal zu den versteinerten Bäumen hinkommen. Auf dem Weg wurde schon kurz nach Start an einer Farm die Straße von Ziegen und Schweinen blockiert, um die unser Guide herumfahren musste. Da Straße und der Bereich daneben alles flach und sandig ist, ging das zum Glück ganz einfach.

Beim Petrified Forest handelt es sich um ein Nationales Monument, welches man nur in Begleitung eines dort angestellten Guides betreten darf. Das Mitnehmen von versteinertem Holz wird übrigens mit Gefängnis bestraft, sollte man also besser nicht versuchen. Es war eine sehr interessante Tour mit Anblick von Urwaldriesen, die vor ca. 280 Millionen Jahren, also zu Zeiten von Gondwana, aus Zentralafrika angeschwemmt und hier unter Sedimenten begraben wurden. Durch den Druck und die umgebenden Mineralien hat ein Versteinerungsprozess eingesetzt, so dass die Baumstämme noch komplett erhalten, aber hart und schwer sind wie Stein. Die Stämme sind wohl bis zu 45m lang, der größte am Stück freiliegende Teil misst so ca. 32m. Die Stämme, die zu sehen sind, wurden rein durch Erosion freigelegt, es gibt bewusst keine Ausgrabungen, da die Stämme, einmal freigelegt, anfangen durch Hitzeschwankungen zu zerbrechen und noch viele Stämme für die Nachwelt erhalten bleiben sollen.

Neben den versteinerten Bäumen gibt es hier auch viele Exemplare von Welwitschia Mirabilis zu sehen, Pflanzen, die aus einer Wurzel, einem kleinen Stamm und nur zwei Blättern bestehen und auch sehr alt werden können.

Nach der Tour konnten wir uns entscheiden: Entweder schnell auf der (sehr unspektakulären) „Hauptstraße“ (Straße ist hier so eine holprige Sand- und Schotterpiste) zurück zum Camp oder über eine „scenic route“ auf einem Weg durch die Berge zurück mit Natur und schöner Landschaft. Zum Glück waren unsere Mitreisenden entspannt und hatten nichts gegen die „lange“ Version zurück. Auf diese Weise haben wir einen schönen Einblick in die Natur und die Landschaft bekommen, mit einigen Stopps an schönen Stellen zum Fotografieren oder um uns Pflanzen erklären zu lassen, inkl. wie man einen bestimmten Kaktus essen kann (wir haben nichts zum Probieren abbekommen… Vermutlich für verweichlichte Europäer nicht so einfach genießbar und auch leicht bitter). Unterwegs sind wir auch noch Straußen und Springböcken begegnet, inkl. einem Schakal.

Kurz vor Sonnenuntergang hat Athan, unser Guide (eigentlich Athanasius) den Jeep eine Anhöhe hinaufgefahren (im zweiten Anlauf, beim ersten war er zu langsam…) und wir hatten einen supertollen Blick. Während wir vom Sonnenuntergang abgelenkt waren, hat er schnell eine kleine Bar am Jeep aufgebaut, mit Gin und Tonic, Bier, Softdrinks und Weißwein. Wir haben uns für ein Glas Weißwein als „Sundowner“ entschieden.

Anschließend ging es zurück zum Camp, an dem wir (inzwischen im Dunkeln) angekommen sind. Wir wurden wieder mit kalten, nassen Tüchern empfangen, um ein wenig den Sandstaub los zu werden und einem Gläschen Apfelsaft.

Weil wir erst nach Sonnenuntergang (nach 19 Uhr) zurück gekommen sind, konnten wir uns nur noch schnell duschen, da dann auch schon das Abendessen gegen 20 Uhr startete. Duschen am Abend deswegen, weil a) das Wasser nur per Sonne aufgeheizt wird und wir Bedenken hatten, es könnte über Nacht auskühlen und b) die Zimmerwände nur aus Zeltplanen bestehen und es nachts und damit auch morgens, ganz schön frisch wird im hier beginnenden Winter.

Aufgefrischt und umgezogen zum Abendessen, waren wir gespannt was wir bekommen würden. Heute Abend gab es erst eine super Linsensuppe und dann „alles vom Grill“: Rind, Hähnchenschlegel, Würstchen, Gemüse (auch gegrilltes), dazu Soße (Chakalaka und auch eine Chilisoße des Typs „die kann was!“, die war echt „herausfordernd“) und noch ein paar Kleinigkeiten. Als süßen Abschluss noch einen Blaubeer-Crumble. Und zu allem dazu ein paar prima Weine.

Zum Abschluss des Abendessens gab es noch eine Gesangsdarbietung durch die Mitarbeiter. Zunächst in der hisingen Heimatsprache, einer Art Klicksprache, die von der hier einheimischen Volksgruppe im Damaraland gesprochen wird und dann noch auf Englisch einen Dank an die Gäste, bei dem die Mitarbeiter eine Polonaise bilden und mit den Gästen „High-Five“-Abklatschen.

Eigentlich war unser Plan am Blog zu schreiben, aber wir sind dann erst kurz noch auf das Dach der Anlage auf die Sternenterrasse gegangen und dann erschöpft ins Bett gefallen.

Dienstag 5.5.2026

Nach dem Aufwachen haben wir uns darin bestätigt gesehen, nicht in der Früh duschen zu wollen. Es hatte so ca. 10°C draußen und im Zimmer war es nur unwesentlich wärmer. Also nur eine kurze Wäsche am Waschbecken, angezogen und es ging auf zum Frühstück. Uns wurde gestern Abend noch mitgeteilt: Schuhe zum Laufen, Hut, Sonnencreme nicht vergessen, wir werden ein ganzes Stück laufen. Also haben wir alles schon mitgenommen, es sollte um 8 Uhr losgehen, natürlich pünktlich. Neben vielen deutschen Vornamen (Stephan, Heinrich, usw.) hat man wohl auch die Pünktlichkeit übernommen.

Das Frühstück war wunderbar, es gab Saft, Wurst, Käse, frisches Obst, Nüsse, Müsli, Yoghurt, Eierspeisen, Scones, Croissants und hervorragenden Kaffee.
Außerdem ging gerade die Sonne auf und das Licht war wunderschön. Etwas weiter entfernt hat man die Berge und die Feuchtigkeit gesehen, die ausreicht um hier alles am Leben zu erhalten und zum Teil urweltlich anmutende kleine grüne Oasen zu erschaffen. Das Meer ist etwa 150km weit entfernt, aber der Wind treibt die Wolken und das Wasser bis hierher.

Heute haben sich unsere steirischen Mitreisenden von gestern einen Vormittag „Auszeit“ genommen und wir wurden dafür mit der Gruppe aus L.A., die wir im Flieger schon kennen gelernt haben, für den Ausflug nach Twyfelfontein. zusammengestellt. Das stellte sich abermals als Glücksfall heraus. Zum einen waren die echt nett und lustig, zum anderen hatten die keine Probleme damit, als wir beim ersten Stopp am heutigen Tag einen Cache auf dem GPS entdeckt haben und den suchen wollten. Wir haben versucht zu erklären was „Geocaching“ ist und sie waren gleich so begeistert, dass sie sofort auch noch nach einem zweiten Cache gefragt haben. Unser zweiter Halt war am „verbrannten Berg„, einer Lavaansammlung, die aber nicht von einem Vulkanausbruch stammt, sondern unter der Erdoberfläche erstarrt ist und durch natürliche Erosion übrig blieb. Dort hat uns Athan eine Landkarte von Namibia in den Sand gezeichnet und uns die Volksstämme und ihre Wanderungen und Re-Lokalisationen erklärt, die einerseits durch natürliche Vorgänge hervorgerufen worden, wie Wasser/Wetter, zum anderen aber auch die sehr unrühmliche Geschichte der Kolonisierung.

Am ersten Stopp, dem „Wondergat“, einem sehr tiefen Loch in der Erde, bei dem man den Boden nicht sieht, Steine aber sehr tief fallen (vermutlich ist hier das „Dach“ eines unterirdischen Höhlensystems eingebrochen), hatten wir noch 60m den Abhang hinauf zur Dose. Zum Glück war die Koordinate auf 1m genau und die Dose war schnell unter einem kleinen Steinhaufen zu finden.

So waren die gleich Feuer und Flamme und bei unserem nächsten Stopp den „Orgelpfeifen„, einer Basaltformation, die lange senkrechte Basaltsäulen hat entstehen lassen, konnten wir gleich noch einen Cache finden. Athan ist uns mit dem GPS vorausgegangen, ist aber erst einmal am Versteck vorbeigelaufen, obwohl er direkt daneben stand. Das ist beim ersten Cache normal.

Nachdem sich alle (also wirklich alle) mit der Dose fotografiert haben, ging es dann weiter an das eigentliche Ziel, wegen dem wir hierhergekommen sind, Twyfelfontein oder /Ui-//aes mit den Petroglyphen der „San“ (Buschleute), Felsgravuren, die vor (Angaben schwankend) 1.000-10.000 Jahren entstanden sind und mittels Quarzstein in Sandstein geritzt wurden. Man nimmt an, dass es sich um eine Art „Erzählung“ handelt oder für den Schulunterricht genutzt wurden. Man erkennt einige Darstellungen, wie Giraffen, Zebras, Nashörnern, die Bewegung von Straußen u.v.a.m., also Informationen, die gut geeignet sind Kindern etwas beizubringen, aber auch Darstellungen von Seehunden und Pinguinen. Letztere gibt es in einer Wüste eher nicht. Die Erklärung ist hier, dass die San Nomaden waren und auch bis zum Meer gekommen sind und daher die Tiere kannten und die Informationen aufzeichneten oder weitergaben. Unter anderem gibt es auch eine Landkarte der aktuellen Gegend, die die permanente Quelle (die Twyfelfontein) verzeichnet, so wie temporäre Wasserlöcher. So wusste man, wenn man hier wieder herkam sofort, wo man Wasser finden kann. Ein doch recht anspruchsvoller Rundweg, da die Felszeichnungen weiter oben am Berg angebracht sind und der Weg nicht gut ausgebaut ist, da muss man schon mal über Felsplatten balancieren. Besuche sind auch nur mit zugelassenen Führern erlaubt, um das Welterbe zu schützen.

Nach den Felszeichnungen haben wir uns noch ein Museum über das Volk der Damara angesehen. Es gab dort keine Exponate wie man diese von gewöhnlichen Museen kennt, sondern die Damara haben selbst über ihre Bräuche und Lebensweisen erzählt, ein „Living Museum„. Das Museum wurde nicht nur für die Touristen gebaut, sondern auch für die Kinder, die etwas über das Leben ihrer Vorfahren erfahren sollen, damit die alten Bräuche und handwerklichen Techniken nicht verschwinden. So wurden wir eingeführt in die Medizinpflanzen in der Steppe, die Schmuckfertigung, das Herstellen von Eisen für z.B. Pfeil und Speerspitzen und in Tanz und Gesang. Im Camp von Doro Nawas haben wir schon bemerkt, dass die Damara sehr gerne singen und tanzen. Sie sagen von sich selbst, dass ihre Sprache schon so eine Art Gesang ist und ihnen damit das Singen schon im Blut liegt. Interessant war ein altes Brettspiel, dass auch vorgeführt wurde. Wenn es Streitigkeiten zwischen zwei Stämmen gab, dann haben die Kontrahenten dieses Spiel gespielt, anstatt zu kämpfen und der Verlierer hat alles verloren, der Gewinner alles bekommen. Alles = Haus, Land, Tier, Frau, Kinder etc. und er musste das Gebiet verlassen. Der Ausgang ging ganz modern durch den Museumsshop. Hier gab es viele schöne Sachen zu sehen, leider ist kaum mehr Platz in unserem Gepäck. So haben wir uns einen kleinen Elefanten zum Andenken mitgenommen, ein Armband aus Straußenei und eine Halskette aus einem bestimmte Pflanzensamen, Jacaranda.


Feuer spielt natürlich auch hier eine große Rolle und wir haben auch gezeigt bekommen wie das Feuer entfacht wird. Wichtig: man muss mit dem Feuer sprechen, es ermutigen zu entfachen, sonst klappt das nicht!



Ein paar Tiere haben wir unterwegs natürlich auch gesehen, z.B. Strauße und Springböcke.

Anschließend ging es zurück ins Camp zum Mittagessen. Das Mittagessen heute bestand aus Rote-Bete-Salat und einem Schweinesteak bzw. frittierten Gemüsepuffern, gefolgt von einem Limetten- und Zitronen-Sorbet.

Viel Zeit zum Ausruhen blieb uns nicht, das wir dann schon wieder auf die Nachmittagsausfahrt „gebucht“ waren, begleitet wieder von dem netten Paar aus Österreich und einem Pärchen aus Indien. Athan wollte versuchen die Giraffen zu finden. Die Spuren konnte er in einem ausgetrockneten Bachbett finden, aber die Giraffen haben sich irgendwo in der Ebene hinter Bäumen versteckt und so wurde es eine schöne Rundfahrt mit tollen Ausblicken auf die Landschaft und die Weite. Dafür haben wir aber nochmals eine Gruppe Elefanten gesehen mit ein paar spielenden „Jugendlichen“.

Zum Sonnenuntergang hat Athan seinen Wagen einen Hügel hinauf gesteuert, aber als wir fast oben waren, war der Platz, auf dem er sein Auto abstellen wollte, schon von einer anderen Gruppe eines weiteren Camps besetzt, so haben wir nur ein paar Bilder von dort geschossen und sind weitergefahren auf einen anderen Hügel. Hier haben wir den Sonnenuntergang schon knapp verpasst und es gab keine Drinks. Es war sehr windig und Athan und das Paar aus Indien haben gefroren. Ist halt Spätherbst hier und wenn man Mumbai bzw. Wüste gewohnt ist, sind 20°C mit windchill einfach zu kalt.

So ging es zurück ins Camp zu einer Dusche und einem Buffet-Abendessen, bei dem wir nicht geschafft haben alles zu probieren, weil es einfach zu viel Essen gab.

Nach dem Abendessen gab es wieder die Gesangsdarbietung der Campcrew mit einem sehr lustigen Koch, der offensichtlich sehr viel Spaß am Tanzen hatte.

Anschließend haben sie noch ein Happy Birthday für ein Mitglied der L.A.-Gruppe gesungen und getanzt. Er hat zwar erst morgen Geburtstag, aber da wollten die drei schon weiterfliegen in den Norden. Nach dem Abendessen haben wir uns an ein paar Bildern vom Sternenhimmel versucht, sind aber an der Kamera gescheitert, die wir noch nie für solche Zwecke ausprobiert hatten. Hier nur ein Handy-Foto, aber man kann das Kreuz des Südens erkennen.

Mittwoch, 6.5.2026

Beim Frühstück hat uns die Dame aus der L.A.-Gruppe noch einmal angesprochen zum verabschieden und wegen diesem „Geocaching“. Wir haben ihr die Caches in L.A. gezeigt. Einen gibt es gleich bei ihr ums Eck, an einer Stelle, an der sie täglich mit dem Hund beim Gassigehen vorbeikommt. Nach dem reichhaltigen Frühstücksbuffet (von dem wir inzwischen nur noch echt wenig essen konnten, weil wir noch satt waren vom Vortag) haben wir eine Ausfahrt durch die Berge unternommen, zu einem alten Canyon. Begleitet wurden wir von einem Paar aus Lyon. Er kannte irgendwoher Bilder von dem (oder einem ähnlichen) Canyon und Athan meinte er kennt so eine Stelle und wir können versuchen dort hinzukommen. Unterwegs gab es wieder wundervolle Landschaften und viele tolle Felsformationen zu bestaunen, vor allem verwitterten und ausgewaschenen Sandstein. Und wir haben auch nochmals eine Gruppe der hier vorkommenden Wüstenelefanten (oder besser: dem Leben in der Wüste angepassten Elefanten) gesehen nachdem wir erst ein Stück das Flußbett entlang gedüst und dann in die Berge abgebogen sind.

Tiere waren rar in der Gegend. Angekommen am Canyon hat man auch gesehen warum. Hier gab es mal eine dauerhaft fließende Quelle, die allerlei Wildtiere, wie z.B. Zebras und auch Löwen, angezogen hat. Nachdem die Quelle vor ein paar Jahren versiegt ist, mussten die Tiere sich eine neue Gegend zum Überleben suchen. Von dieser Geschichte des Canyons zeugt auch ein mumifizierter Gepard, der dort am Rand liegt. Verhungert, weil das Futter „weggezogen“ ist. Die Feuchtigkeit reicht hier nicht mal für eine Verwesung aus und gefressen wurde der verendete Gepard auch nicht, er liegt noch vollkommen erhalten inkl. Fell auf einer Terrasse des ehemaligen Wasserfalls.
Es gibt hier auch große Büsche aus der Wolfsmilchfamilie, die haben zwar viel Feuchtigkeit, aber sind hochgiftig. Nur ganz wenige Tiere haben sich so entwickelt, dass sie die Dornenbüsche gefahrlos beweiden können und die milchige Flüssigkeit, die die Pflanzen absondern auch überleben können.

Während wir die Schlucht aus alles Winkeln fotografiert haben, hat Athan den Wagen umgeparkt und es gab eine Runde Kaffee und Kekse für die Gruppe. Anschließend haben wir uns auf den Rückweg zum Camp begeben, schließlich wurde es langsam schon wieder Zeit für das Mittagessen, Vorspeise, Rindersteak und ein Sahne-/Vanilleeis zum Nachtisch. Auf dem Weg zu Doro Nawas sind wir dann aber noch einer Gruppe Paviane im Flußbett begegnet.

Den Nachmittag haben wir uns „freigenommen“. Eigentlich dachten wir Athan kann die neu angekommen Gäste dann zum Petrified Forest fahren, aber anscheinend hatte auch er damit den Nachmittag einmal frei und konnte ausspannen. Wir haben uns den Tag am Pool gemütlich gemacht, zusammen mit dem französischen Pärchen von heute Vormittag und dann noch weiteren Gästen, auch aus Frankreich, zwei Männer, welche vermutlich die Mutter mit dabei hatten. Eine sehr resolute, ältere Dame, die genau gesagt hat, was zu tun ist.
Zur Tea-Time gab es Eiskaffee, der seinem Namen echt Ehre gemacht hat, eiskalt und es war Kaffee, ungesüßt und „natur“. Selbst zwei Löffel Zucker und Milch haben nur bedingt geholfen. War aber erfrischend.

Leider kamen keine Tiere vorbei, wir hatten auf die Giraffen gehofft, die gestern wohl, wie die Elefanten am ersten Tag, einfach erst zum Wasserloch und dann an der Lodge entlang spaziert sind. Gegend Abend kam dann die Abendgruppe Elefanten zum Wasserloch. Zum Sundowner kam ein Herr der Camp-Crew und hat alle am Pool gefragt, was sie gerne für einen Sundowner-Drink haben möchten. Kurze Zeit später wurden die gekühlten Drinks serviert, ganz hervorragende Rock Shandy. Da die Elefanten in Richtung der Hütten gelaufen kamen, sind wir dann kurz vor Sonnenuntergang zu unserem Zimmer zurück gegangen, um die Möglichkeit zu haben einen Elefanten vor unserer Terrasse zu fotografieren. Leider machte er uns nicht die Freude zu schauen, ob die Wasserleitung bei Zimmer 15 wieder repariert wurde. Wir haben dann die Zeit bis zum Abendessen genutzt zum Duschen und um den Sonnenuntergang zu beobachten.

Zum Abendessen gab es wieder eine gute Auswahl aus einer Kürbis-Kokos-Orangensuppe und einem Schweinesteak bzw. Lamm Tagine (es gab auch immer noch eine vegetarische Option, das wäre heute Abend z.B. Auberginen-Zucchini-Moussaka gewesen, auch vegan hätte es heute Abend gegeben). Das Essen ist hier echt gut und vor allem reichlich. Hierzu hatten wir einen Pinotage Rotwein und als Nachspeise gab es einen Sticky Toffee Pudding. Wir waren diesmal die ersten beim Abendessen und irgendwie dann auch wieder die letzten Gäste. Weil wir die letzten zwei Abende immer die letzten waren und die Nachspeise (als einzige) erst nach dem Gesang der Crew serviert bekommen haben, wollten wir mal früher sein, so dass wir nach der Verabschiedung für den Abend gleich in unsere Hütte gehen konnten. Aber die ganzen anderen Gäste sind sehr schnell verschwunden, so saßen wir wieder zuletzt hier und die Gesangsdarbietung fiel aus. Eigentlich schade, weil die sind wirklich eine gute Gesangstruppe.

Was für dafür aber noch bekommen haben, das war eine kurze Einführung in die Klicksprache der Damara. Wir haben es auch versucht, aber wer weiß was wir da geklickt haben, es schien allerdings recht komisch zu sein, da sich Elerie fast kaputt gelacht hat 🙂

Dafür haben wir die Zeit noch mal genutzt für ein paar Bilder von den Sternen und der Milchstraße. Leider ist es hier nicht so dunkel wie erhofft, da das Hauptgebäude und alle Wege zu den Hütten sehr gut ausgeleuchtet sind. Mal kann man die Sterne schön sehen, dann die Milchstraé, aber dafür etwas verwackelte Sterne…

Donnerstag, 7.5.26

Heute mussten wir schon mal alle unsere Sachen packen, denn es geht leider weiter. Für uns war noch eine Ausfahrt geplant und anschließend der Transfer zum Flughafen. Die Ausfahrt war super. Wir waren diesmal alleine mit Athan und er ist eine Strecke durch die Berge gefahren, die er zuletzt vor 7 Jahren einmal gefahren ist. Man hat den Spuren auf den Wegen angesehen, dass hier schon lange kein Fahrzeug mehr entlang gekommen ist. Manchmal musste Athan aussteigen und schauen, ob der Weg noch befahrbar ist (vor allem an Hängen) oder ein paar Felsbrocken aus dem Weg räumen. Es war eine herrliche Landschaft, es gab frische Zebra-Spuren, das Gebiet ist aber so groß, dass wir die leider nicht gesehen haben. Aber die Landschaft war trotzdem überwältigend. Die Weite ist einmalig und es war total ruhig. Kein Handygebimmel, keine Autos, kein Flugzeuglärm, nur Ruhe und ein paar Vögel.

Nach ein paar Stunden kamen wir dann an einer Farm vorbei, bei der Athan meinte, er war schon lange nicht mehr hier, aber er wusste noch, dass er an dieser Farm herauskommen wollte. Von hier aus konnte man dem trockenen Flussbett zurück Richtung Camp folgen. Nur ein kleines Stückchen weiter gab es dann auch Wasser in dem Fluss! Etwas oberhalb gibt es wohl natürliche Quellen, die nicht versiegen und so gibt es hier einiges an Leben. Vögel, Fische und Katja hat eine Wasserschildkröte entdeckt… Leider nur kurz, so gibt es kein Bild. Auf die Aussage von uns hin, dass es doch sicher eine gute Lage für die Farm wäre, mit dem Wasser in der Nähe, meinte Athan „nicht so wirklich“. Das Wasser zieht viele Tiere an und so haben die ein paar Mal im Jahr ein Problem mit Löwen auf der Farm. Keine 2 km weiter war es mit dem Wasser auch schon wieder vorbei. Der Fluss ist einfach im Flussbett versickert und man hatte wieder das trockene Flussbett vor sich, auf dem es weiter ging zu unserem Abschied aus der Lodge.

Wir kamen pünktlich wieder zurück (was bei den vorherigen Ausfahrten nicht immer so war und wir die Mittagsessenzeit oft überzogen haben) und haben uns noch einen Rock Shandy (eigentlich eines der namibischen Nationalgetränke neben Gin und Tonic) geteilt. Geteilt, weil wir noch einen Flug vor uns hatten und die Flieger keine Toilette an Bord haben. In der Rezeption beim Check-Out haben wurden wir mit einem „Aufwiedersehenslied“ verabschiedet. Bei dem wieder jeder von der Camp-Crew, der gehört hat dass gesungen wird, herbeigeilt kam, um mit einzustimmen. Wir hatten Tränen in den Augen und es ist uns schwergefallen Abschied zu nehmen von all den herzlichen Menschen im Damaraland und im Doro Nawas Wilderness Camp.

Athan hat uns noch zum Airstrip (mit Lounge!) gefahren. Wir hatten auch noch unser Lunchpaket an der Rezeption stehen lassen. Wir wollten darauf verzichten, aber Athan hat noch schnell die Lodge angefunkt und es hat uns noch einer die Tüten mit einem Sandwich, Studentenfutter, Keksen, selbstgemachten Müslirigel und einem O-Saft gebracht. Auf dem Flugfeld standen ein paar Maschinen. Unser Gepäck wurde aber nicht auf eine Cessna 208B Grand Caravan verladen sondern in was ganz kleines (Cessna 210). Wir wurden von Collin, unserem Piloten, begrüßt. Eine imposante, große Erscheinung, der sich die Cessna eher anzieht als einsteigt. Unser erster Flug für heute ging nach Windhoek, um dort noch zwei (!!!) Passagiere aufzunehmen. Der Flug war schon spektakulär in einer so kleinen Maschine, die eigentlich nur 6 Plätze (2 + 4) insgesamt (ohne Gepäck) hat. Das modernste in der Maschine war ein Garmin-Flug-GPS. Die Tafel mit den Sicherungen hat man besser nicht angeschaut. Über den Bergen wurde es etwas wackelig, aber Collin hat das alles sehr gut gemeistert.

In Windhoek angekommen mussten wir aussteigen und Collin hat die Sitze umgebaut, damit auf der ganz hinteren Sitzreihe noch eine Person Platz nehmen konnte. Beinfreiheit war nicht mehr gegeben. Ein Sitz wurde für das Handgepäck verwendet, so dass alles besetzt war, inkl. dem Copilotensitz. Das Pärchen, das zustieg war aus South Carolina. Collin hat uns dann im Flugzeug verteilt. Vor unserer Reise mussten wir unsere Körpergewichte angeben und so mussten wir strategisch einsteigen. Katja durfte neben Collin ganz vorne sitzen. Sie hatte allerdings Angst irgendwas zu berühren, ein- oder auszuschalten oder am Steuerhorn, das sich vor ihr in alle Richtungen bewegte, hängen zu bleiben. Es ist aber alles gut gegangen und irgendwann während des Fluges konnte sich auch Katja entspannen und den Flug genießen. Gestartet sind wir auf der großen Startbahn, auf der auch die großen Ferienflieger starten und landen. Der Flug dauerte ca. 1:05 h und ging eigentlich ganz schnell vorbei. Aus der geringen Höhe (3000m üNN. / ca. 2000-2300 m über Grund) hat man einen spektakulären Blick auf die Landschaft, die zur Zeit außergewöhnlich grün ist, selbst Richtung Sossusvlei, einer der weltweit ältesten Dünenlandschaften der Welt.

Dieses Kapitel ist recht kurz… Unser Aufenthalt war ja auch keine 24h lang.

Sonntag, 3. Mai 2026

Im Fritz Manor wurden wir von Rose herzlich in Empfang genommen und sie hat uns mit dem Haus vertraut gemacht.

Rose hat noch einen Mitarbeiter „Ruben“, der für alles unangenehme zuständig ist. Rose kümmert sich um alles angenehme, wie sie uns augenzwinkernd mitgeteilt hat. In Deutschland hatten wir noch die Info bekommen, wir müssen unser Gepäck, das nach Windhuk transferiert werden soll, bis 19 Uhr bereit stellen. Zum Glück hat Rose kurzfristig die Info bekommen, dass die Abholung erst am nächsten Tag um 8 Uhr geschieht, so konnten wir uns für das geplante Abendessen noch aus der „normalen“ Kleidung bedienen, ansonsten wären wir im Safari-Look zum Essen gegangen. Da wir auch nicht sofort die Taschen umpacken mussten, konnten wir noch eine kleine Runde durch die Stadt drehen und einen Cache suchen und auch finden. Für einen weiteren Cache wurde es dann leider schon langsam zu dunkel.

Swakopmund ist schon wirklich besonders, man fühlt sich wie in einer etwas skurrilen Version Deutschlands, da gibt es Bäckereien und Floristen und alles ist sehr aufgeräumt, aber irgendwie halt auch anders…

Sonnenuntergang gab es auch keinen. Es war ausgesprochen bewölkt oder nebelig hier, durch den Ozean. Um nicht zu sagen, dafür, dass wir uns in Afrika befinden, ist es ganz schön kalt und feucht! Wir haben es uns aber nicht nehmen lassen wenigstens einmal ans Meer zu gehen und den Wellen zu zu schauen, vorbei an dem schönen Leuchtturm, dem Museum und der Seebrücke.

Danach haben wir uns den Weg zurück gesucht zum Restaurant im „Hansa Hotel“. Das Restaurant hatte uns Barbara gebucht. Barbara ist Künstlerin in Windhuk, aber ihre Mutter lebt in Swakopmund und sie meinte, wir sollten dort zum Abendessen gehen. Rose war davon nicht so begeistert. Das Hotel wäre zu „deutsch“, aber es wäre anders als in Deutschland, die meisten wären dann enttäuscht, weil es nicht so schmeckt wie in Deutschland. Aber wir hatten nun mal die Reservierung und waren gespannt, was die namibische Interpretation von „Deutschem Essen“ sein würde.

Am Nachbartisch saß schon mal eine Gruppe Deutsche. Wir haben versucht uns unauffällig zu benehmen. Die Speisekarte besteht aus einer Mischung typisch deutscher Gerichte, wie Schnitzel (allerdings vom Hühnchen) und vermeidlich namibischen Grundzutaten mit Europäischer/Deutscher Machart. Wir haben uns für das „Fusion Food“ entschieden. Ein Süppchen aus Kalahari-Trüffeln (die gibt es tatsächlich und sind Knollen, die in der Erde wachsen) und namibische, gefüllte Datteln als Vorspeise und Springbock und Kapseehecht als Hauptspeise. Der Springbock war sehr gut und in einer Parmesankruste gebacken mit Rotkraut und Kartoffelgratin. Der Kapseehecht war paniert und frittiert (als „echter“ Fisch, also kein „Blockfisch“), mit Remoulade und Kartoffelsalat. Es war wirklich Fusion… wobei man sagen muss, das Rotkraut war perfekt gegart und der Kartoffelsalat mit einer hervorragenden Senfvinaigrette angemacht. Springbock hat so einen Geschmack zwischen Rind und Lamm und war sehr zart.

Als Nachspeise haben wir einen (angeblich typisch namibischen) „Don Pedro“ genommen, ein Vanilleeis aufgemixt mit hauseigenem Kaffeelikör und einem Kumquatsorbet.

War alles ein bisschen sehr schnell, aber so kamen wir früher zurück zu unserem Bett, denn wir mussten ja noch die Sachen fertig packen und um 8 Uhr die Taschen fertig vor die Tür stellen.

Montag, 4. Mai 2026

Am nächsten Morgen hat uns der Wecker geweckt. Wir mussten früh aufstehen, wegen der Koffer… Rose hatte uns zwar gesagt, wir dürfen auch noch nach 9 Uhr zum Frühstück kommen und sollen uns erst einmal ausruhen, aber die Koffer… Also haben wir die normale Frühstückzeit (7:30-9:00) nutzen können.

Kaffee und Saft gab es auf einer Anrichte. Zuerst kam ein Joghurt mit Müsli und frischen Früchten. Als wir dieses aufgegessen hatten gab es eine Etagere mit Schinken, Bratwürstchen, Rührei, eingelegten Tomaten, Baked Beans und einen großen Brotkorb. Der Essensfluss riss nicht ab. Wir konnten das alles gar nicht aufessen.

Beim Frühstück hat uns Rose gesagt, die Reiseagentur hätte ihr eine Nachricht geschrieben, wir sollen, wegen des trüben Wetters schon um 9:20 Uhr abgeholt werden. Dann kam aber keiner und Rose hat den Fahrer angerufen. Sie meinte, wenn es doch 10:20 Uhr wird könnte man doch noch mal in die Stadt gehen. Der Fahrer meinte wohl, sie kann uns in die Stadt schicken, aber sie soll uns sagen, wir sollen spätestens bis 10:05 Uhr wieder zurück sein, weil die Abholung wäre zwischen 10:20 und 10:30 Uhr. Verstehe die Logik wer will.

Wir waren dann nicht mehr weg und haben ein wenig Blog geschrieben und uns mit Rose unterhalten, die im Januar ihr B&B schließen möchte, um sich dem Designen einer eigenen Kleiderkollektion widmen zu können. Außerdem will sie erst mal, nach all dem Stress vier Monate durch Europa reisen. Sie war bisher erst einmal in Europa und das war wohl ein echtes Trauma. London: mieses Wetter und schlechtes Essen. Ihrem Vater hat sie bei der Rückkehr nach Namibia gesagt, sie braucht erst mal ein kaltes Bier (obwohl sie eigentlich kein Bier trinkt) und ein Steak und ihr Vater stand wohl mit der Box am Flughafen und hatte Bier und Steak dabei. Aber Verwandtschaft und einige Freunde von ihr leben in Europa verteilt und die will sie dann alle besuchen gehen.

Um 10:20 Uhr kam unser Abholer und hat uns und noch ein anderes Paar zu einem Airstrip irgendwo zwischen Swakopmund und Walvis Bay gefahren. Dort wartete eine Cessna Grand Caravan 208B von Wilderness Air auf uns. Der Pilot (also genau einer, nicht zwei wie man das von den großen Flugzeugen her kennt), ein Neuseeländer, hat zunächst unser Gepäck in den Gepäckfächern unter dem Flugzeug verstaut und dann eine Sicherheitseinweisung gegeben, wo findet man ein Sattelitentelefon und wie öffnet man die Türen vorne und hinten in der Maschine. Insgesamt waren wir sieben (3x Los Angeles, 2x San Francisco und wir zwei) Fluggäste. Fünf für die Lodge in die auch wir wollten, die zwei aus Frisco hatten dann noch einen Weiterflug mit einer anderen Maschine vor sich.

Ist schon spannend mit einer so kleinen Maschine zu fliegen. Man sieht ja alles, weil man Pilot und Instrumente sehen kann und man fliegt nur so ca. 2000-2500m über Grund und hat eine gute Sicht auf den Boden. Zuerst recht kahl und dann wurde es plötzlich erstaunlich grün für eine Wüste. Hier gab es mal kein Catering, nichts zu essen, nichts zu trinken. Aber der Flug von einer Stunde ist wegen der ganzen Eindrücke und wechselnden Landschaften unter uns „wie im Flug“ vergangen. Und dann haben wir auch schon unsere Unterkunft für die nächsten drei Nächte entdeckt. Der Pilot hat eine Platzrunde gedreht und ist dann sicher und sanft auf dem Airstrip unweit der Lodge gelandet.

Samstag, 02.05.2026

Schduddrum – Frankfurt

Angefangen hat alles, als uns der Wecker um 5 Uhr am Samstag morgen (viel zu früh für uns) aus dem Schlaf gerissen hat. Zum Glück war schon alles gepackt und erledigt, so dass wir nur noch letzte Dinge verstauen mussten und dann konnte es auch schon los gehen.
Katjas Onkel Schorsch war so nett uns zu noch nachtschlafender Zeit nach Frankfurt an den Flughafen zu fahren. So früh war der Verkehr noch gering und wir waren sehr schnell dort.

Frankfurt – Budapest

Am Check-In der Lufthansa haben wir dann versucht unser Gepäck aufzugeben… Die Dame war leider noch nicht so erfahren und hat die Bandarolen nur bis Budapest ausgedruckt bekommen. Auch ein hinzugezogener Kollege hat es selbst mit Tricks nicht geschafft, das Routing der Koffer noch einmal zu ändern… Da wir in Budapest genug Zeit eingeplant hatten, haben wir es dann dabei belassen.

Dank Kreditkarte sind wir in Frankfurt in die erste Lounge gekommen. Der erste Kaffee des Tages war damit schon einmal gesichert, aber mehr als ein Croissant und ein wenig Rührei und Birchermüsli waren nicht drin. Das Rührei war wenigstens gut gewürzt, fast zu salzig.

Das Abfluggate (A05) war nicht weit weg, dort brachte uns ein Bus zum Flieger. Aber man musste eine große Treppe hinuntersteigen und oben stand eine ältere Dame, die eigentlich einen Begleitservice-/Rollstuhl-Schein in der Hand hielt, aber niemand war zu sehen. Der Dame haben wir dann noch geholfen ihr Handgepäck die Treppe runter zu schleppen in den Bus, dort wieder heraus und einen anderen Passagiert zu überrumpeln, der den Koffer die Treppe zum Flugzeug mit hinaufgenommen hat. Busgates, wenn man nicht laufen kann, sind schon eine ganz besondere Herausforderung.

Im ersten Flug gab es dann auch erst mal was zu essen… Ein Frühstück, bisschen Käse, Wurst, so was ähnliches wie ein Joghurt mit Erdbeersoße. Wir haben uns aber nur eine Portion geteilt. Schließlich war klar, dass es noch mehr Essen geben würde.

Damit ging der Flug ganz zügig vorbei und wir sind auch schon in Budapest gelandet. Da unser Gepäck nur bis hierher eingechecked war, mussten wir uns nun auf die Suche nach dem Gepäckband machen. Nachdem wir der dürftigen Beschilderung versucht haben zu folgen, fiel uns wieder ein, dass wir vor 2 Jahren hier schon mal herumgeirrt sind. Wurde beim zweiten Versuch allerdings auch nicht besser. Am Band standen wir dann und warteten auf unser Gepäck. Und wir warteten… Irgendwann zeigte der Monitor „all baggage delivered“ an. Da stieg dann mal kurz der Blutdruck, bis unsere Taschen als letzte dann doch noch um die Ecke fuhren. Glück gehabt.

Budapest – Zürich

Dann raus, den Weg zum Check-In (genau so „gut“ ausgeschildert wie die Gepäckausgabe) gesucht, gefunden und unser Gepäck wieder aufgegeben. Diesmal mit Zielort Johannesburg. Wenigstens in Zürich nicht noch mal zittern, aufsammeln, raus, durch die Sicherheitskontrolle wieder rein etc. Damit konnten wir uns entspannt in die Lounge Nr. 2 setzen. Klein, eng, aber eine erstaunliche Essensauswahl. Also wieder was essen. War ja jetzt inzwischen so um den Mittag. Es gab eine große Auswahl an ungarischem Wein, Sekt und auch viele Spirituosen. Softdrinks, Wasser, Saft sind hier wohl eher unbeliebt und nur sehr ausgewählt zu bekommen.

Der Weg zum Gate war ganz okay, der Flieger war eine schnuckelige Embraer 195 von Helvetic. Das Boarding ging zügig und weil der Flieger nicht so groß war, saßen wir hinter und nicht nebeneinander. Echt ein Vorteil, zwei Fensterplätze. Und die Sicht auf den Boden war phänomenal. Normal schaut man sich nur die Wolken von oben an, aber heute war es wolkenlos und die Luft ganz klar, so dass man wirklich alles auf dem Boden erkennen konnte und auch noch eine gute Fernsicht hatte. In Österreich konnten wir nur rätseln, aber als wir etwas nördlich vom Chiemsee vorbeigeflogen sind, hat man doch einiges wiedererkannt, das Inntaldreieck, den wilden Kaiser, Kochel/Walchensee, Tegernsee bis hin zum Bodensee. Wie schnell das geht… Im Auto ist man gefühlt ewig für die Strecke Chiemsee-Bodensee unterwegs. Und mit dem Bodensee war man auch schon gleich in Zürich mit sanfter Landung.

Nicht zu vergessen, dass es was zu essen gab… Swiss hat im Vorfeld mit Emails genervt, man soll sich (gefälligst) was aussuchen… So hatte Katja einen Chicken-Ceasar-Salat und Stefan Thunfisch-Tataki mit Kimchi-Erbsen, Erbenmousse und Wasabi-Mayonnaise.

Zürich – Johannesburg

Zum Glück mussten wir uns hier nicht um unser Gepäck kümmern. Wir waren nur etwas verloren, wohin genau wir jetzt gehen sollten und haben eine „Transfer-Schalter“ gefunden mit einem netten Herrn, den wir nach dem Weg fragen konnten und ob Terminal A oder E besser geeignet ist (von der A-Lounge wird man zum Flieger gefahren, von E muss man selber laufen…). Er meinte: immer E nehmen. Auf die Frage „wie kommt man da hin?“ hat er uns die Richtung gezeigt und gemeint, „das ist auch nicht weit“. „Nicht weit“ ist relativ… Vielleicht ist in einem Land der Berge alles „nicht weit“, was nicht durch einen Berg voneinander getrennt ist. Wir waren gefühlt ewig unterwegs und mussten auch noch den Verbindungszug nehmen, sind dann aber wohlbehalten und verschwitzt in der E-Lounge angekommen.

Die freundlichen Mitarbeiter der Swiss-Lounge haben uns erst einmal auf die Terrasse mit Blick auf das Vorfeld platziert. Das Wetter war wunderbar, nicht zu warm, nicht zu kalt, kaum Wind. So kann man es aushalten. Uns wurde ein „Prosecco rosé“ angeboten als Drink. Passte zum Wetter und wir haben akzeptiert. Der Prosecco war natürlich kein Prosecco, sondern nur so eine von diesen französischen Prickelbrausen aus der Nähe von Reims. War aber auch sehr gut und süffig, da will man ja auch nicht meckern ;).

Bei der Ankunft in der Lounge hat uns ein netter Mitarbeiter erklärt, es gäbe auch Duschen und man hätte die Möglichkeit eines von zwei Zimmern für max. 5h zu reservieren, um sich ein wenig hinzulegen. Nach dem Glas Champagner hatten wir auf alle Fälle eins nicht: Hunger. Wir wissen nicht so genau warum, aber uns war grad nicht nach Essen, obwohl uns immer was angeboten wurde. Wir hatten ja Zeit und haben das Thema „Essen“ auf so 19:30 Uhr verschoben. Katja wollte ein Nickerchen machen und duschen. Auf Nachfrage, ob man das Angebot von einem Bett nutzen könnte, entpuppte sich die „Gelegenheit zu einem kurzen Nickerchen“ nicht um eine Liege oder ähnliches, sondern bestand aus einem voll ausgestattetem, schicken Hotelzimmer namens Montreux mit Doppelbett, Toilette und Dusche. Alles modern, hell und super ausgestattet, auch mit allem was man zum duschen braucht, Zahnbürste/Zahnpaste inklusive. Das haben wir dann beide genutzt… Hört sich dekadent an… Genau das ist es auch. Aber so kann man sich zwischen aufstehen und Abendessen noch einmal frisch machen und was Unverschwitztes anziehen.

Gut ausgeruht und erholt haben wir uns zum Abendessen begeben. Eine tolle Speisekarte, auch mit einem 7 Gänge Degustationsmenü mit korrespondierenden Weinen und vielem weiteren mehr. Wenn man jetzt noch großen Hunger hätte, könnte man sich da echt durchessen, den hatten wir aber (leider) noch immer nicht. So mussten wir uns für ein paar wenige Gerichte entscheiden. Die Dame vom Service wollte uns zu noch mehr überreden., aber mehr als Vorspeise (2x Tartar mit Trüffel-Chips) + ein geteilter Salat, Hauptspeise (Züricher Geschnetzeltes und Käse-Fondue) gingen wirklich nicht. Für den Fall. dass wir es noch nicht erwähnt hätten, auf dem nächsten Flug gibt es übrigens auch wieder was zu essen… Nachspeise war schon zu viel. So musste der Zwischengang vom Menü, ein Holundersorbet mit korrespondierendem Wein und ein paar Pralinen mit Espresso ausreichen.

Die Lounge ist fast am Ende des Terminals untergebracht. Ein Blick ins Internet zeigte uns, das die Abflüge der letzten zwei Wochen alle zwischen Gate E51 und E56 stattgefunden haben. Wir dachten zunächst die Lounge wäre auf der Seite der hohen Nummern. Um 20:40 Uhr wurde das Gate für unseren Flieger bekanntgegeben. Also wenn wir in der Schweiz davon reden, dass da steht, um 20:40 Uhr erfolgt die Bekanntgabe, dann erfolgt exakt um 20:40 Uhr die Bekanntgabe. Gate E22. Sollten wir dann früher aufbrechen? Wir haben eine Dame in der Lounge gefragt, wie lange wir denn brauchen würden… Die Antwort war überraschend: „Wir sind bei Gate E27, E22 ist nur ein paar Schritte weiter“ und „wenn Sie hier um 10 vor 10 losgehen, reicht das locker“. Wir haben uns dann doch in der Aufregung ein paar Minuten früher auf den Weg gemacht, was auch nicht so schlecht war, denn wir haben erfahren, dass man noch einen „Dokumentencheck“ benötigt und einen „blauen Stempel“ auf der Bordkarte. Und an dem „Kiosk“ für den Stempel stand eine lange Schlange. Es standen da zwei Flughafenmitarbeiter, einer für Economy mit langer Schlange und einer für den Rest. Mit der kurzen Schlange neben dran, waren wir schneller, hat aber trotzdem die Economy-Schlange aufgehalten.. Es gab von diesem „blauen Stempel“ nur exakt einen, der abwechselnd hin- und hergereicht wurde, was die Prozedur jetzt nicht beschleunigt hat.

Wir mussten aber nur kurz beim Boarding anstehen, da es sehr schnell los ging. An Board gab es erst einmal einen Begrüßungsdrink (wieder einer dieser französischen „Proseccos“…), alles Gepäck verstaut und schnell getrunken, denn da kam schon die Ansage aus dem Cockpit „Cabincrew, expect a very short taxitime“ und dann ging es auch schon los zu unserem nächsten Flug.

Wir brauchen nicht zu erwähnen, dass es nach dem Start was zu essen gab. Wir hatten unvorsichtiger Weise etwas zu essen bestellt (weil Swiss per Email genervt hat, ihr wisst schon…). Wir konnten beim besten Willen aber nicht mehr viel essen und haben uns nur für eine kleine Portion des Swiss-Lachses entschieden und unser Essen anderen überlassen. Die Stewardess meinte, der Pilot würde sich freuen. Danach haben wir uns hingelegt und echt gut geschlafen mit dem monotonen Rauschen und dem leichten Schwanken des Flugzeugs.

Sonntag, 03.05.2026

Nach dem Aufstehen und Frischmachen in der engen Bordtoilette gab es: (wer kann es erraten???) was zu essen. Wir hatten uns schon am Abend vorher je einen Bagel „Benedict“ reservieren lassen, den wir nun bekommen haben. Dazu hätte es noch eine Auswahl Wurst und Käse, diverse Marmeladen, Joghurts, Rührei und noch mehr gegeben. Wir haben uns unvorsichtigerweise zu einem Birchermüsli zum teilen hinreißen lassen, war aber leider auch schon zu viel. Es gab so viele gute Sachen, schade, dass man nicht alles essen kann.

Ankunft JNB

Nach der Landung in Johannesburg standen schon Helfer am Ausgang der Maschine, um uns in Empfang zu nehmen. Die Dame hat uns durch die Passkontrolle für Diplomaten und Passagiere mit Assistenz geführt, an allen Schlangen vorbei, hat uns mit dem Gepäck geholfen, uns zum Airlink-Schalter gebracht, damit wir unser Gepäck für den Flug nach Walvis Bay aufgeben konnten.

Auf dem Weg durch den Flughafen hat uns die Dame noch gefragt, ob wir eine Lounge nutzen können. „Nur“ durch unsere Karten kamen vier (!) Lounges im Terminal in Frage. Sie wollte uns dann noch die zwei nächsten zum Gate zeigen. Beim Check-In bei Airlink, sagte die Dame dann noch zu unserem Erstaunen, dass auch in unserem Economy-Tarif Loungezugang inkludiert wäre. Das war eine weitere Lounge. Wir dachten dann, wir können uns die ja mal anschauen und ggf. noch wechseln. Aber wie wir ankamen, hat sich die Lounge von außen schon toll und modern präsentiert. An der Rezeption hat die Dame dort unsere Bordkarten gescannt und uns erklärt, sie hätten 15 min kostenlose Massage im Angebot und es gäbe noch zwei Termine bis zu unserem Flug. Da konnten wir nicht nein sagen und so haben wir die Lounge nicht mehr gewechselt. Es war auch nicht notwendig. Es gab einfach alles. Eine Bar mit Alkohol und Kaffee, Wein, eine Riesenauswahl an Softdrinks, Essen in kalt (inkl. einer großen Platte Räucherlachs) und warm. Und wir konnten nichts mehr essen, was für ein Jammer. Kurz vor 12 wurde dann noch mal umgebaut von Frühstück auf Mittagessen. Das war einfach überwältigend und unerwartet. Die Massagen waren sehr entspannend nach dem langen Sitzen und Taschenschleppen durch die Flughäfen und extrem willkommen.

JNB hat sich seit unserem letzten Besuch hier 2012 sehr verändert, es ist alles sehr chic geworden und es hat irre viele Geschäfte, immer abwechselnd Klamottenläden und Afrikaläden. Da sind wir auf dem Weg zum Gate an einigen vorbei gekommen.

Johannesburg – Walvis Bay

Die Maschine nach Walvis Bay war recht klein. Eine Sitzreihe links, eine Doppelreihe rechts. Insgesamt waren nur ca. 15 Passagiere an Bord. Den Passagieren in den Reihen eins und zwei wurden Aufgaben bei einer Notlandung zugewiesen. 1A muss den Notausgang vorne links öffnen, 2A den Notausgang vorne rechts und allen anderen helfen die Maschine zu verlassen. 2F ist dafür zuständig die Stewardess zu retten, wenn sie sich verletzen sollte. Kleine Flieger sind halt „anders“. Es gab diverse Getränke, sogar Wein weiß und rot. Und natürlich (make an educated guess) was zu essen. Angekündigt wurde Hühnchen mit Nudeln, Rindfleisch mit Nudeln und „vegetarisch in begrenzter Anzahl“. Wir haben, da wir nicht wussten was uns erwartet, einmal Huhn und einmal Rind genommen. Es handelte sich um Hühnchen gegart mit einer Sweet-Chili-Soße und etwas ähnliches wie durchgegartes Roastbeef mit einer Art Remoulade. Konnte man essen, erstens weil es gut war, zweitens: es war zum Glück sehr wenig. Dazu gab es noch „Pyramidencracker“ und ein Karamell-Schokoladen-Bonbon (pappt wie sau).

Der Anflug erfolgte über Botswana und die Namib. Beim Landen hatte man das Gefühl der Flieger landet jetzt mitten in der Wüste. Aber zum Schluss tauchte doch noch 1-2 Sekunden vor dem Aufsetzen die betonierte Landebahn auf.

In Walvis Bay sind wir auf dem zweitgrößten Flughafen von Namibia gelandet. „Zweitgrößter“ ist für unsere Verhältnisse ziemlich klein. Man läuft ein ganzen Stück über das Vorfeld um zum Terminal zu gelangen. Dort erwartet einem ein Mitarbeiter des Flughafens und man muss sich für eine Körpertemperaturmessung auf ein mit Klebeband auf den Boden angebrachtes Kreuz stellen. Danach geht zum Einreiseschalter und Passkontrolle. Der Beamte war nett und mit den nur wenigen Fluggästen an Bord ging das ganze auch sehr schnell. Gepäck war auch alles schon auf dem Kofferband und man musste alles was man dabei hatte, also  Koffer und Handgepäck durchleuchten lassen. Die Mitarbeiter an der Station waren auch außerordentlich freundlich und haben uns geholfen die Taschen auf Gepäckband zu wuchten und am andere Ende haben sie uns alles auf einen Kofferwagen aufgeladen.

Walvis Bay – Swakopmund

Draußen hat uns ein Mitarbeiter von der dortigen Reiseagentur in Empfang genommen und uns nach Swakopmund zu unserem Bed and Breakfast gefahren. Die Fahrt dauerte ca. eine halbe Stunde, unterwegs gab es noch eine Polizeikontrolle, die anscheinend immer zu langen Wochenenden stattfindet (Montag der 4. Mai ist in Namibia Nationalfeiertag). Unser Wagen wurde aber durchgewunken. Die Straße nach Swakopmund war geteert, die Straßen in Swakopmund sind mehrheitlich einfach nur festgefahrener Sand.

Afrika….endlich.

Nur noch wenige Tage bevor unser nächstes Abenteuer beginnt. Wir hoffen es zumindest.
Nachdem der letzte Versuch Anfang 2025 die Reise anzutreten ein jähes Ende mit einem dreifachen Sprunggelenksbruch bei der Firmen-Weihnachtsfeier fand (ja, wenn Katja was macht, dann richtig!), wir immer noch im Clinch mit der Versicherung liegen, die Buchung dieser Reise mit einigen Komplikationen einherging, jetzt die neuen Tarifverhandlungen bei der LH anstehen und in 6 Wochen vielleicht das Kerosin ausgeht, sind wir – eventuell nachvollziehbar – ein ganz kleines bissel, sagen wir, aufgeregt. Im positiven Sinne (wir freuen uns auf die Reise wie die Schneekönige, wir fliegen schließlich ja auch in den beginnenden afrikanischen Winter) als auch im negativen Sinne aufgeregt. Wird alles klappen? Waren die ganzen kosmischen Hinweise wie das verlorene Gepäck auf der Amerikareise, der Bruch, das verlorene Geld, die komplizierte Reisebuchung (auch die angedachte Weltreise scheiterte am Afrikaflug), die drohenden Streiks, die Weltlage, ein Zeichen? Ein Zeichen diese Reise nicht zu machen? Oder bilden wir uns – kosmisch gesehen – einfach nur zu viel auf uns selbst ein? Ja, das muss es sein! Bloß nicht zu Ernst nehmen, es wird, wie man heute sagt, mega werden!

Warum überhaupt Afrika?
Tja, wie erklären… auf der Weltreise waren wir ganz am Ende schon einmal dort gewesen, in Südafrika, da hat es uns gut gefallen und wir hatten uns damals schon vorgenommen, irgendwann nochmal zurück zu kommen. Außerdem haben liebe Freunde uns tolle Bilder von ihren Reisen geschickt und viel vorgeschwärmt, auch wieder von Südafrika. Aber tatsächlich ist einer der Hauptgründe, dass wir eine Künstlerin besuchen gehen wollen, die wir 2006, also vor inzwischen 20 Jahren, auf einer Ägyptenreise kennengelernt haben und deren Bilder von Namibia uns nicht losgelassen haben. Die Idee einer Reise durch mehrere Länder saß also inzwischen schon eine ganze Weile in unseren Köpfen und, da auch als nicht unerheblicher Grund unser Hobby Geocaching ins gedankliche Boot mit einstieg, war die Idee zu einer weiteren Mehrländerreise geboren.

Und da hat sich dann wieder die Frage gestellt: selbst organisieren oder organisieren lassen?
Beim ersten Versuch war es eigentlich hauptsächlich der Zeit geschuldet, dass wir uns für die passive Variante entschieden haben. Außerdem hat Katja die Seite eine Reiseveranstalters gefunden, die ihr auf Anhieb zugesagt hat, und so nahm die Planung mit dem Unternehmen Pinto seinen Lauf.
Ein Fazit über Pinto möchten wir uns bis zum Schluss der Reise aufheben. Die Planung und der Austausch liefen gut, aber nicht immer rund, ausschlaggebend wird aber nachher natürlich der Gesamteindruck werden. Also hier bitte noch ein wenig Geduld.
Die Reise hat sich auch verändert, für 2025 hatten wir eigentlich eine Reise, die wir auf der Seite gefunden haben, praktisch fast 1:1 übernommen, jetzt ist sie in leicht veränderter Form für 2026 nochmal gebucht. Da wir an sich gar nicht so sehr viel auf Safari gehen wollten, aber das bei einem auf Safari spezialisierten Veranstalter natürlich irgendwie dann doch dazu gehört, sind wir sehr gespannt und völlig unbedarft. Wir haben tatsächlich keine Ahnung was uns alles erwarten wird 🙂

Was wir wissen…
Wir fliegen (also wenn was fliegt, sonst Plan B, ein Tag früher schon mit dem Zug Richtung Budapest) gen Süden. Eine etwas ausgefallene Strecke vielleicht, dafür aber auch ein gutes Stück preiswerter, von Frankfurt über Budapest und Zürich nach Johannesburg und dann gleich noch weiter nach Walvis Bay in Namibia.
Die erste Woche werden wir dann die beiden Welterbe (ihr wisst, dass das auch eine Marotte von uns ist) Twyfelfontein und das Namib-Sandmeer besuchen, untergebracht in einer Safari-Reise mit Start in Swakopmund und Ende in Windhoek.
Die nächsten beiden Wochen sind ganz unserem nächsten Lieblingshobby gewidmet, Essen und Trinken 🙂 Ganz klassisch in Kombination mit Welterbestätten und Geocaching, also für uns die reinste Entspannung und echter Urlaub!
Die Zeit werden wir in einer selbst organisierten Tour ab-bis Kapstadt in Südafrika verbringen, ein bisschen in den Winelands, die Garden Route entlang, auf einem Weingut, das wir vor vielen Jahren mal auf einer Fußballreise mit dem 1.FCK in einem Hotel in Hamburg zum ersten Mal bewusst wahrgenommen haben und zum Abschluss dann in der Region rund um Kapstadt mit Cape Floral und Robben Island.
Teil 3 beginnt dann an den Victoriafällen, auf der Simbabwe Seite. Von da aus machen wir sicher einen Abstecher auf die Sambia Seite, bevor es dann wieder auf Safari geht. Erst in die Chobe Game Lodge (da haben schon Liz Taylor und Richard Burton mal geheiratet, bei ihrer 3.Ehe? Muss ich gleich nochmal nachschlagen, oh nein völlige Übertreibung, es war die zweite Heirat der Beiden. Aber – ganz die Romantiker – wir waren auch schon dort wo sie das erste Mal geheiratet haben…) nach Botsuana und von da aus ins Okavangodelta, bevor es über Maun wieder zurück nach Johannesburg und nach Hause geht, mit hoffentlich einer Menge toller neuer Eindrücke!

Drückt uns die Daumen, dass alles klappt und begleitet uns gerne auf dieser Reise, wenn ihr Lust habt.
Hakuna matata!

Montag, 4. Juli 2022

Nach einer ruhigen Nacht sind wir ausgeruht aufgewacht und haben beschlossen, dass die Eröffnung des Kutztown Folk Festival auch ohne uns stattfinden kann und wir erst zur Parade zum Unabhängigkeitstag auf dem Fest sein brauchen.

Somit hatten wir genug Zeit für ein Frühstück. Das Angebot war fast gleich mit dem in Danbury, nur war hier der Frühstücksbereich wesentlich neuer und stylischer. Es gab auch hier alles, was man so für ein Frühstück benötigt, Würstchen, Kartoffelecken, Omelette, Toast, Bagel, Wurst, Käse, Marmelade, Waffeln zum Selberbacken, Säfte, Müsli… Der auffälligste Unterschied zu Danbury war die Kaffeeauswahl. Es gab die gleichen Warmhaltebehälter aber hier nur in „Wasser“, „Entkoffeiniert“ und „Helle Röstung“. In Danbury gab es einen Behälter mehr mit „Dunkler Röstung“, was unserem Filterkaffee näher kam. Von dem Kaffee bekommt man schon mal keinen Herzinfarkt. Vom Müll schon eher. Genauso wie schon ein paar Tage zuvor, war nichts zum Spülen, sondern Teller, Becher, Besteck etc. alles nur zum Wegwerfen. Wir haben uns gut verpflegt und dann noch eine Waffel zum Abschluss gebacken.

Ebenfalls gleich in den Hotels dieser Marke ist anscheinend, dass es kein Fett für das Waffeleisen gibt, was das Waffelbacken, eigentlich eher das Entnehmen der fertigen Waffel, etwas verkompliziert.

Weg und Parkplatz zum Festivalgelände kannten wir inzwischen ja bereits. Nachdem wir heute etwas früher dran waren, haben wir auch einen Parkplatz näher am Eingang bekommen. Direkt nach Betreten des Geländes haben wir uns einen Stand angeschaut, der tolle Deko aus Holz, vor allem für Halloween angeboten hat. Leider ist es kaum möglich so etwas im Flieger mit nach Hause zu bekommen und verschicken per Post war irgendwie kein Konzept von den Verkäufern. Anscheinend haben die auch nur dort den Verkauf durchgeführt und eigentlich war der Besitzer jemand anderes. Schade (für Katja).

Nur ein paar Meter weiter stand das Filmteam, das wir gestern schon kennengelernt haben, mit Monji El Beji (von Fine R.I.P.), dem „Urpälzer“, den sich das Produktionsteam als Hauptdarsteller für den zweiten „Hiwwe wie Driwwe“-Film ausgesucht hat. Im ersten Teil hat Douglas Madenford die Pfalz besucht, nun sollte umgekehrt ein Pfälzer nach Pennsylvanien reisen.

Aber ganz in der Nähe haben wir Doug Madenford stehen sehen, mit dem wir uns verabredet hatten, eigentlich bei einem Auftritt von Michael Werner. Da dieser Auftritt nicht stattfand, während wir auf dem Fest waren, waren wir froh ihn einfach so durch Zufall getroffen zu haben. Er spricht neben dem PA-Dutch auch sehr gut Deutsch. Er bewachte gerade zwei Klappräder, die die Filmemacher mitgebracht oder organisiert hatten. Diese waren zur Werbung für den Film mit Pfälzer Flaggen versehen und sollten bei dem Umzug zum Independence Day ums Festgelände (2 Runden) mitfahren. Wir haben uns ein wenig unterhalten, aber dann musste sich Doug auf den Umzug vorbereiten und wir sind noch ein wenig über das Gelände geschlendert.

Katja wollte noch ihren persönlichen Pigcasso als Andenken malen lassen und so sind wir erst einmal zu dem Stand mit den Schweinen. Um ein Schwein malen lassen zu können, muss man sich erst mal für eine Bildgröße entscheiden, dann für 3 Farben und zu guter Letzt für ein Schwein. Dann wurde eine Folie über die Leinwand gelegt und diese mit Futter bestrichen, welches das Schwein dann gefressen und dabei die Farbe auf dem Bild verteilt hat. Zum Glück hatten wir das Bild schon sehr früh „in Auftrag“ gegeben, denn die Farbe musste auch noch trocknen und so konnten wir das Bild erst mal noch am Stand liegen lassen.

Während wir den Schweinen zuschauten, begann auch schon der Umzug zum Unabhängigkeitstag, bei dem es zwei Mal rund ums Festgelände ging.

Dabei waren ein paar Gruppen zu Fuß, viele alte Traktoren, ein Schwein von den „Pigcassos“ und natürlich Monji El Beji und Doug Madenfort. Die zwei fuhren auf ihren mickrigen Klapprädern und hatten ein Pfälzer Dubbeglas in der Hand. Leer! Selbst in den alkoholarmen USA geht das gar nicht! Wir haben uns ein Glas geben lassen und sind zu dem Apple Cider Stand gelaufen, um das Glas füllen zu lassen. Nach kurzer Verhandlung haben sie es dann auch gemacht. Rieslingschorle gab es halt nicht. Man durfte ja auch keinen Alkohol offen rumtragen (USA halt). Leider war dann schon der Umzug zu Ende und die zwei kamen bei uns nicht mehr vorbei, so dass wir auf die Suche gehen mussten. In der Nähe der Hauptbühne haben wir sie aufgespürt und konnten unser Getränk übergeben. Sie haben sich das Glas geteilt (gehört sich ja auch bei einem echten Schoppen irgendwie) und das Kamerateam für Hiwwe wie Driwwe konnte noch ein paar Aufnahmen mit Getränk machen.

Danach haben wir dann doch noch die offizielle Eröffnung des Bürgermeisters mit kurzer Ansprache von ihm und anderen Honoratioren der Stadt mitbekommen. Zu Beginn wurde natürlich die US-Amerikanische Nationalhymne gespielt (Live!) und gesungen. Etwas schräg, aber egal. Das ist immer ungewohnt für uns Deutsche, weil zuhause keiner auf die Idee kommt die Nationalhymne vor der Eröffnung von einem Fest zu spielen. Nicht mal auf dem Oktoberfest wird die Bayernhymne gesungen. Gut, beim 1. FCK wird das Palzlied der Anonyme Giddarischde gespielt, aber die gilt nicht als offizielle Hymne, selbst wenn dabei mehr mitsingen können als beim „Pfälzerlied„. Auf jeden Fall haben wir einiges über die Geschichte der Pennsylvanisch-Deitschen erfahren, von dem Geschenk des Landes an Herrn Penn und dem Anwerben von Siedlern und dem Auswandern der Amish und Mennoniten, um ihre Religion frei ausüben zu können. Und natürlich auch über die Geschichte von Kutztown PA („Kutzeschteddel„), vom Erwerb und der Gründung durch Herrn George Kutz (hätte man fast erraten können) bis heute, Größe, Gewerbe, die Universität(!) etc. und die Mennoniten und Amish, die Kutztown und die Gegend wesentlich prägen. Der größte Teil der Ansprache war auf Englisch, manche kurzen Abschnitte oder Zitate aber auch auf PA-Dutch.

Nach dem Anschauen von weiteren Ständen, hatten wir etwas Durst bekommen und haben uns am zweiten Tag an die so richtig amerikanischen Sachen herangetraut. Das erste war eine „red cream soda„. Heißt „cream“, hat aber heutzutage nichts mehr mit Sahne oder irgendwelchen Milchprodukten zu tun. Es ist eine sehr süße Brause mit Vanille- oder wahlweise Kirschgeschmack.

Zwischendurch haben wir noch die für das Festival verantwortliche Dame, die uns bei der misslungen Ticketbeschaffung geholfen hat, besucht. Wenigstens einmal bedanken. Die netten Volunteers am Info-Stand haben sie per Funkgerät gerufen und sie kam dann tatsächlich, um mit uns ein paar Worte zu wechseln. Neben dem Stand stand ein ortsangehöriger Polizist, der sich auch nett mit uns unterhalten hat. Dann kam ein junger Mann an den Stand, der von der Kleidung her wie ein Mennonit aussah, mit einem Funnel-Cake in der Hand. Der Polizist hat kaum Worte mit ihm gewechselt und sich ein Stück abgebrochen. Als wir ihn fragend anschauten, meinte er: „Ich darf das. [kurze Pause] Das ist mein Sohn.“

Wir hatten den Tipp bekommen, dass wir auf ältere Personen in den Ständen achten sollten. Und die Seniorchefs am Stand der Dietrich’s Metzgerei würden noch „Dutch“ sprechen. Nach dem Besuch des Blumenmarktes am hinteren Ende des Festivalgeländes, haben wir auch die Metzgerei gefunden und wenn man jetzt mal von so Leckereien, wie eingelegte Schweineschnauze, Schweinefüße und Lammzunge absieht, gab es durchaus auch Wurst, die uns an zu Hause erinnert hat, wie die Braunschweiger Liverwurst oder Bratwurst. Leider waren alle Bedienungen jung und konnten kein PA-Dutch mehr. Dafür durften wir ein bisschen was probieren, war alles gut!

Auch im Nochberschaft Haus bei den Grundsauen waren die älteren Herrschaften nicht mehr da, es war aber auch ganz schön heiß inzwischen.

Wir haben uns dann was zum späten Mittagessen gesucht. An einem Stand gab es „Deutsche“ Gerichte wie „Fleddermows Groombeer“ und Schnitzel. Wir haben uns für ein Schnitzelsandwich und ein Schweinekottelet entschieden. War ganz okay, bis auf das Brötchen beim Schnitzel, das war wieder so ein weiches, pappiges Burgerbrötchen und damit zu süß für unseren Geschmack. Aber das Schnitzel war auch ohne das Backwerk reichlich viel zum Sattwerden. Dazu gab es einen Becher Eistee, der bei der Hitze gutgetan hat, vor allem gab es für $1 einen „refill“, den wir dann auch gerne in Anspruch genommen haben.

Nebenan auf der Hauptbühne spielten jetzt The Celtic Martins, eine Familie bestehend aus Vater, Mutter, Töchtern, Söhne, bis hin zu den kleinsten Enkeln, Musik. So eine Art „Riverdance“ mit Steppeinlage, aber auch Dudelsack und allesmögliche. Je älter desto besser… Aber auch die Kleinsten standen auf der Bühne und haben schon mitgemacht. Das hat gerade noch schön zu unserem Eis gepasst. Unter dem Dach der großen Hauptbühne war ein wenig Schatten, da ist es nicht ganz so schnell weggeschmolzen.

Auf der Suche nach jemanden, der PA-Dutch spricht sind wir noch ein wenig weiter auf dem Festivalgelände herumgekommen. Wir haben viele Kunsthandwerk-Stände angeschaut und sind dann erst einmal an einem Stand mit Leder-Handtaschen hängen geblieben. Bevor Gerüchte aufkommen, normalerweise interessieren uns Handtaschengeschäfte nicht. Aber Katjas Mutter ist hier und da Mal auf der Suche nach einer neuen. Zum Glück war es in Deutschland erst 5 Stunden später, so dass sie noch auf war. Also haben wir von den Handtaschen erst großflächig in der Auslage Bilder gemacht, mit daheim telefoniert, Handtaschen die interessant schienen noch mal aus der Nähe fotografiert und immer wieder per Messenger nach Deutschland gesendet. Irgendwann hatten wir eine schöne Tasche mit vielen Fächer gefunden, die allen gefallen hat. Zum Glück kann man in den USA immer und überall alles mit Kreditkarte bezahlen, wenn man von den Lobster-Rolls in Maine einmal absieht. Aber dann steht in der Nähe ein Geldautomat. So auch hier auf dem Gelände, montiert in einen Minivan.

Zwischendurch mussten wir noch ein „Birch beer“ („Birkenbier“) probiert. Das ist so eine Limonade aus Birkenrinde und Kräuterextrakt. Schmeckt ein wenig nach Lakritz und ist, wie so ziemlich fast alles in den USA, sehr süß. Die Dame, die das „Bier“ verkauft hat, hat begeistert davon berichtet, wie gerne sie es trinkt und wie gut das wäre… Für uns eher ein Getränk, das wir zurück in Europa sicher nicht vermissen werden.

Auf dem Festival wird alles geboten. Sogar ein echter Flohzirkus! Bei Marty’s Miraculous Flea Circus wird alles gezeigt, was Flöhe so draufhaben, bis hin zum fliegenden Floh in der Kanonenkugel. Am besten war der alte Herr Zirkusdirektor, der die Auftritte mit seinen Flöhen durchgeführt und kommentiert hat, inklusive der üblichen Zirkus-Tuschs zu den artistischen Höhepunkten. Selbstgesungen.

Daneben trat der Zauber-Comedian E.C. Hanna auf, dessen Eltern einen Shop auf dem Gelände hatten. War so eine Mischung aus guter Unterhaltung und Werbung für den Laden. Der war echt gut, leider haben wir den Abschluss der Vorführung nicht gefilmt, das Herbeizaubern einer Ananas aus seinem Strohhut. Die war so groß, dass man die nicht in der Hand, in einem Ärmel oder im Hut abgedeckt verstecken konnte. Wir haben uns gefragt, wann und woher er die Ananas unter seinen, auf einem Brett liegenden Hut gelegt hat.

An vielen Ständen beim Bummeln wurde uns erzählt, dass die Eltern oder Großeltern noch PA-Dutch sprechen bzw. gesprochen haben, leider waren aber nicht viel da mit denen man sich hätte unterhalten können. Irgendwann sind wir an einem Stand vorbeigekommen, der Pulver mit Geschmack zum Anrühren mit Wein zum Einfrieren als Eis im Angebot hatte. Die Dame hinter dem Stand konnte zwar auch kein PA-Dutch, hat uns dann aber erzählt, dass sie mit ihrem Mann lange auf der US-Airbase in „Rommstien“ (Rammstein) gelebt hat und Deutschland total toll fand und am liebsten wären sie da geblieben. Aber anscheinend verliert man als US-Army-Angehöriger den Zugang zur Gesundheitsversorgung, wenn man ausscheidet und im Ausland bleibt. Daher blieb ihnen dann doch nichts anderes übrig als nach Pennsylvania zurückzukehren. Am liebsten wären sie wohl im Real in Kaiserslautern einkaufen gegangen und auf Spielen vom FCK waren sie wohl auch das eine oder andere Mal auf dem Betzenberg. Wir haben uns was von dem Wein-Misch-Pulver mitgenommen, um es zu Hause noch mal zu probieren. Wein haben wir dafür ja noch ein bisschen übrig. Bei einem Stand mit Ziegen sind wir auch noch vorbei gekommen, da gab es auch ganz junge, frischgeborene Zicklein zum Anfassen.

In der Quilt-Halle waren wir auch nochmal, schauen, was es da ggf. alles im bezahlbaren Bereich gegeben hätte, hätte jemand was mitgebracht haben wollen.

Da es recht heiß war, haben wir uns noch einmal zwei Bier gegönnt. Ein Helles, ein Dunkles. Hier sogar als echtes Bier. Es gab auch im Biergarten ein paar „Sondersorten“, die mit Gerstensaft nicht viel gemein haben.

Direkt vor dem Biergarten haben wir das Filmteam und Doug Madenford noch einmal getroffen. Patrick Donmoyer, ein Bekannter von Doug und Michael Werner, aus Pennsylvania tritt dort zu Weihnachten immer als „Belsnickel“ (Belzenickel, Pelznickel) auf. So auch heute auf dem Fest. Bei gefühlten 40°C im Schatten im Pelzoutfit und, selbstverständlich historisch korrekt, auf dem Klapprad. Was man wohl für einen Film nicht alles macht…

Nach dem Abholen unseres Bildes haben wir auf dem Rückweg zum Auto noch eine Zitronenlimonade mitgenommen, diesmal eine, die keine so prägnante Säure hatte und sich damit ganz angenehm trinken ließ. Eigentlich nachhaltig in einem wieder befüllbaren Plastikbecher. Da wir die Limo mit ins Auto genommen haben, ganz praktisch, aber eigentlich unnötig, weil wir uns den nicht wieder befüllen lassen können, schließlich geht es ja morgen wieder zurück nach Deutschland.

Da der Abend noch warm und schön war, haben wir uns noch einen Cache in Nähe herausgesucht. Gestern waren wir ja schon bei einem Schulcache und da gab es noch einen weiteren, an einem anderen alten Schulgebäude („One-Room-School„, also einer „Ein-Raum-Schule“). Die alte Schule lag idyllisch etwas außerhalb im Grünen. Es gab auch davor eine gute Möglichkeit zu parken und so sind wir hin, sind hinten rum gegangen, weil der Cache lag laut Karte am Rand des Grundstücks und wir wollten jetzt nicht direkt durch den Vorgarten und über den gepflegten Rasen laufen. Man weiß ja nicht immer so genau, ob die Besitzer von dem Cache wissen oder nicht. Als wir die Dose gefunden hatten und so am hinteren Eck des Rasens standen, kam ein Auto angefahren und hat auch vor der Schule geparkt. Andere Cacher vielleicht? Dann stieg ein Mann aus, ging zum Schulgebäude, nahm die USA-Flagge von einer der Säulen, rollte diese ein und verstaute sie im Gebäude. Aha. Ende des 4. Juli.

Als wir wieder zurück zum Auto kamen, hat er uns dann gefragt, ob wir den Cache gefunden hätten. Der wäre vom Sohn/der Tochter und sie würden sich drum kümmern und würden immer wieder Mails bekommen, weil die Leute Probleme hätten ihn zu finden. Sie wären nur da, um die Fahne zu sichern, bevor die jemand klaut. Das Schulhaus mit Grundstück hätte ursprünglich dem Vater der Ehefrau, die noch im Auto saß, gehört und er hätte das über 70-jährig noch renoviert und einiges an alten Sachen zusammengekauft und dort gelagert. Wenn wir wollten, dürften wir uns das gerne einmal anschauen. Das lassen wir uns doch nicht entgehen und sind den beiden in das Gebäude gefolgt, das voll stand mit alten und historischen Dingen, Bildern, Stühlen, Schulbänken, Geschirr und auch Büchern, die ihr Vater zusammengetragen hat. Unter den Büchern haben sie uns auch zwei aus dem vorletzten Jahrhundert gezeigt, die noch auf Pennsylfanisch-Deitsch in den USA gedruckt waren. Etwas schwierig die altdeutsche Schrift zu lesen, aber es waren tatsächlich Bücher, die wir lesen und relativ problemlos verstehen konnten. Das Deutsch ist halt auch alt, so würde sich heute keiner mehr ausdrücken, aber das ist bei alten Büchern bei uns hier auch nicht anders.

Sie haben uns noch ein wenig von der Lebensgeschichte von ihrem Vater erzählt, dass er noch mit fast 80 die Leitern hochgestiegen ist zum Renovieren, warum eine Wand nicht ganz bis zur Decke gestrichen wurde, da war er dann wohl doch zu alt und kam nicht mehr ganz bis nach oben u.v.a.m. Unter anderem, dass er auch den alten Bahnhof in Kutztown gekauft und selbst renoviert hat. Nach all den interessanten Geschichten haben wir uns dann verabschiedet und sind noch ein wenig weiter gefahren zum nächsten Cache. Dieser war ein Multi im „Kutztown Park„. Hier steht auch eine Skulptur des wohl berühmtesten Sohnes der Stadt, Keith Haring. Vermutlich hat man schon mal eines seiner comicartigen Bilder oder Wandbilder oder Skulpturen von ihm gesehen. So steht z.B. eine Skulptur am Potsdamer Platz in Berlin. Die Parks würden zum Wandern einladen… Wie aber auch auf den Friedhöfen sieht man niemanden zu Fuß herumlaufen, sondern alle nutzen das Auto, um sich im Park fortzubewegen. Zum Cachen ist das ganz praktisch, weil man schnell von Station zu Station kommt. Die finale Dose war neben einem Baseball-Feld versteckt. Ganz praktisch mit großem Parkplatz. Eigentlich war hier nichts los, aber als wir so nach dem Cache suchten, kam ein Auto mit einem einzelnen Herrn darin angefahren und parkte dort. Der Herr stieg aber nicht aus, sondern blieb einfach in seinem Wagen sitzen. Das war irgendwie komisch. Wir haben schnell geloggt und sind dann weitergefahren.

Auf dem Rückweg zum Hotel gab es noch einen schnelle Tradi an der Straße, für den wir noch mal einen Zwischenstopp eingelegt haben. Wir sind durch das ruhige und beschauliche Kutztown gefahren und sind dann noch in der Nähe vom Bahnhof, von dem uns die Besitzer der alten Schule erzählt hatten, vorbeigekommen. Da sie uns von der Renovierung durch den Vater erzählt hatten, wollten wir uns das Gebäude zumindest einmal anschauen und haben noch einen kleinen Abstecher gemacht. Das Gebäude war wirklich schön renoviert worden. Sogar ein paar alte Eisenbahnwagons standen instandgesetzt dahinter. Da hat ihr alter Vater trotz hohem Alters unheimlich viel Arbeit investiert.

Kurz vor dem Hotel sind wir noch am Pennsylvanisch-Deutschen Kulturzentrum vorbeigekommen. Hier stehen ein paar alte, renovierte Gebäude aus der Gründerzeit und eine Scheune mit den traditionellen „Hex-Signs“. Leider waren wir schon spät, außerdem war Feiertag, so dass man sich nur alles von außen anschauen konnte. Das Kulturzentrum gehört zur Kutztown University und der Direktor/Vorsitzende ist Patrick Donmoyer, der Belzenickel von oben.

Es wurde langsam dunkel und wir sind zurückgekehrt in das Hotel für unsere letzte Nacht. Auf unserer Fahrt durch den Osten der USA haben wir viele Verkaufsstände für Feuerwerk gesehen. Auch war schon die ganze Woche über immer wieder kleineres Feuerwerk in der Nacht zu beobachten. So waren wir gespannt, was wir heute Nacht zu sehen bekommen werden. Wir warteten am Fenster sitzend, dass es los geht. Diesmal hatten wir genug gegessen auf dem Festival, da wir wussten es gibt nichts mehr in der Stadt, das abends nach 19:00 Uhr noch offen hat. Daher waren wir nicht hungrig und konnten auf das Feuerwerk warten. Und das taten wie auch… Und warteten… warteten… Naja irgendwann hat einer mal eines abgebrannt. Offenbar gibt es (zumindest hier) kein großes, offizielles Feuerwerk. Für die privaten wurde sicher viel Geld investiert, weil die paar Raketen, die abgeschossen wurden, hatten schon schöne, große Leuchteffekte, nicht so mickrig, wie die meisten bei uns zu Sylvester. Aber es gab weder eine gemeinsame Zeit an der das Feuerwerk abgebrannt wurde, noch waren es viele. Wir haben lange gewartet und immer nur vereinzelt so kurze 30-60 Sekunden Feuerwerke gesehen. Da hatten wir zum 4. Juli wirklich mehr erwartet. Eine richtig große Party zum Unabhängigkeitstag haben wir aber nicht mitbekommen. Und so sind wir uns dann zum letzten Mal auf unserer Reise ins Bett gegangen.

Sonntag, 03. Juli 2022

Morgens sind wir zu einer ganz normalen Uhrzeit aufgewacht. Dieser Riesenkäfer, der uns letzte Nacht erschreckt hatte, hat zum Glück nicht zu Alpträumen geführt.

Heute ist Sonntag und anscheinend der Sonntag, an dem auch der Tag des Gottesdienstes ist für die Amish. Kirche mit Gottesdienst findet bei den Amish nur jeden zweiten Sonntag statt. Dafür dauert es etwas länger und es gibt was zu essen anschließend, so dass auch unsere Vermieter längere Zeit weg waren. Katja hat sie zwar noch gesehen, aber nur auf dem Weg zu Fuß zur Kirche. Damit hatten wir auch heute keine Chance mehr auf ein Gespräch mit dem Herrn des Hauses, der ja noch das Pennsylvania-Dutch sprechen konnte. Schade. Aber es kamen an unserer Ferienwohnung viele Kutschen vorbeigefahren, mit Kind und Kegel. Also so richtige „Familienkutschen“. Alle natürlich in guter Sonntagskleidung. Wir haben uns ein wenig vor die Tür gestellt und dem Treiben zugesehen. Die Freundlichkeit der vorbeifahrenden Menschen war faszinierend. Alle haben freundlich gewunken (also auch von sich aus, nicht nur wenn wir zuerst gegrüßt haben) und gelacht. Sehr nette und freundlichen Menschen dort in und um Lancaster.

Hier noch eine Vorschau auf einen amerikanischen Film, der 1982 im WDR gezeigt wurde.

PENN’A DU from Georg Brintrup on Vimeo.

Aber wir wollten ja weiter und wir hatten bereits Karten für das Kutztown Folk Festival besorgt. Es gab dafür einen Ticketshop. Aber das mit dem Kaufen der Karten war nicht so einfach. Man konnte die Karten auswählen (Wochentag oder Wochenende, wir brauchte jeweils eine pro Person), die Kreditkartendaten angeben, absenden und dann passierte: nichts. Keine Bestätigung, kein Download, keine E-Mail. Was wir zunächst natürlich nicht nachgesehen haben: Es gab aber eine Abbuchung auf dem Kreditkartenkonto. Wir haben es beide probiert mit unterschiedlichen Karten. Während unserer Versuche klingelte das Telefon. Am anderen Ende war die Kreditkartenfirma, sie hätten da mehrere merkwürdige Buchungen aus den USA registriert, ob wir das gewesen wären. Äh, ja? Wenigstens haben sie uns nicht wenige Tage vor Abflug noch schnell die Kreditkarten gesperrt und die Ersatzkarten erst nach der Abreise geschickt… Katja hat sich dann per Mail mit der Organisatorin vor Ort in Verbindung gesetzt. Die hat sich dann gekümmert, die Abbuchungen wurden nie wirklich durchgeführt und das Bestellsystem wurde verbessert. Die nächste Bestellung hat dann auch funktioniert. Offensichtlich waren wir auch nicht die einzigen Ausländer, die das Problem mit dem Kartenvorverkauf hatten.

Wo waren wir gerade? Ach ja. Wir wollten möglichst schnell nach Kutztown. Wir haben den Anweisungszettel in der Wohnung befolgt und noch schnell die Betten abgezogen, die Bettwäsche und die gebrauchten Handtücher vor die Waschmaschine gelegt und noch ein paar Bilder von der Farm gemacht. Wir hatten tags zuvor auch gefragt, ob wir uns umsehen dürften und hatten die Erlaubnis dafür ohne Probleme auch gleich bekommen. Die anderen Gäste waren schon am Vortag abgereist, so dass wir aktuell ganz alleine dort waren. Der Gemüseverkaufsstand war leer. Sonntags arbeitet man nicht und man verkauft auch nichts. Später haben wir dann noch erfahren, man lässt sonntags noch nicht einmal von anderen etwas verkaufen.

Wir haben uns also schnell von Lancaster verabschiedet, und um nicht zu viel Zeit zu verlieren, haben wir unterwegs auch nur einen Stopp eingelegt, für einen Cache.

Halt, das stimmt nicht ganz, wir hatten noch einen Stopp für einen Kaffee! Aber originalamerikanisch mussten wir dafür nicht mal parken oder aussteigen, sondern haben uns den Kaffee und die Schoko-Croissants an einem Starbucks-Drive-Thru gekauft. Spart alles Zeit!

Unterwegs gab es auch die schönen, alten „Covered Bridges“, die überdachten Brücken, ganz aus Holz. Wenn die nicht gerade frisch renoviert sind, knarren die auch noch ein wenig beim Drüberfahren. Spannend.

Dank Navi haben wir den Parkplatz vom Kutztown-Folk-Festival leicht finden können. Es war schon ganz gut gefüllt, aber es gab einen Haufen Volunteers, die einem zur nächsten Parklücke geleitet haben, den Verkehr angehalten, damit man gefahrlos über die Straße gehen kann, Karten für das Festival verkauft und vorverkaufte Karte eingescannt und einem die wichtigsten Eckpunkte erklärt haben, damit man sich besser orientieren kann. Einfach immer wieder beeindruckend, wie viele Menschen man in Nordamerika begeistern kann, bei Veranstaltungen zu helfen. Das war uns schon bei unseren früheren Besuchen aufgefallen, was an Helfern aufgeboten werden kann z.B. für die großen Marathons.

Zum Glück war unsere Sonnencreme im Gepäck, das angekommen ist, denn es war sehr warm und wir hatten einen wolkenlosen Himmel. Zunächst haben wir uns versucht ein Bild vom Festival zu machen, also wo gibt es was (wo gibt es was zu Essen und zu Trinken), wo das Kunsthandwerk, die landwirtschaftlichen Geräte und wo könnte man Menschen antreffen, die noch „Dutch“, also das alte Pfälzisch-Deutsch sprechen könnten.

Kutztown Folk Festival

Neben allerlei Kunsthandwerk (und Essen), gab es noch viele Vorführungen, eine z.B. in Square-Dance. Später haben wir erfahren, dass der „Caller“, also der Sänger/Ansager, der die Tanzfiguren vorgibt, sehr gut noch das alte Pennsylvania-Dutch spricht. Lester Miller ist über 85 Jahre alt, was man ihm wirklich nicht anmerkt, und ist einer der Bewahrer der Traditionen beim Festival mit seiner Familie. Die Square-Dance-Truppe war sehr gut, aber wegen des heißen Wetters ganz schon durchgeschwitzt. Am Ende des Tanzes hat der Caller die ganze Gruppe vorgestellt. Es waren alles Töchter und Söhne mit deren Ehepartnern.

Es gab alte Traktoren zu bestaunen mit Vorführungen zum Weizendreschen und Heuballenpressen, Schweine die Bilder malen (Pigcassos 😉) und viele, die ihre Handwerkkunst ausstellen und verkaufen. Ganz wichtig sind hier auch die „Hex Signs“ auf dem Fest, ganz typisch für die deutschen Auswanderer und noch an vielen alten Scheunen zu sehen. Das Wort „Hex“ soll tatsächlich vom deutschen Wort „Hexe“ abstammen.

 

Und natürlich hat auch die hiesige „Grundsow Lodge“ bzw. „Grundsau Lodsch“ einen eigenen Stand mit kleiner Ausstellung, Verkauf von Merchandising, wie z.B. Bücher auf Pennsilfaanisch Deitsch. Es gab mal bis zu 18 Lodges in den USA, drei sind nicht mehr in Betrieb, dafür gibt es eine neue, Nr. 19, in Bockenheim an der Weinstraße. Das berühmteste Murmeltier gehört gar nicht zu diesen Lodges, sondern ist ein eigener Groundhog Club in Punxsutawney. Bekannt geworden durch den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (orig.: „Groundhog Day„). Die Tradition ein Murmeltier am 2. Februar („zwette Hanning„), also dem sog. Grundsaudaag („Groundhog Day“), aus seinem Bau zu holen, um es zu fragen, ob es seinen Schatten sieht, also wie lange der Winter noch dauert, wurde auch von den Pfälzer Einwanderern nach Pennsylvanien gebracht. Eigentlich war der Dachs das Tier, welches zu Lichtmess (2. Februar) aus seinem Bau kriecht und wenn er seinen Schatten sieht, sich für weitere sechs Wochen in einen Bau zurückzieht, weil es noch weiterhin kalt bleibt. Nur gab es keine Dachse in den USA, deswegen hat man das Tier gewechselt. Man hat eines gesucht, das in einem Erdbau lebt und so ist man hier zum Murmeltier für die Wettervorhersage gekommen. Statistisch ist die Genauigkeit dieser Vorhersage wohl so bei 37%. 33% wäre der statistische Zufallswert für eine korrekte Vorhersage… Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen, wenn uns jemand aus dem Winterschlaf reißen würde, wäre die Vorhersage sicher auch nicht besser. Leider waren hier in der Lodge aber grade alle unterwegs, die noch das alte Dutch gesprochen hätten.

Und dann gab es, wie es sich für ein ordentliches „deutsches“ Fest gehört, was zu essen und zu trinken. Da wir in den USA waren, gab es verteilt auf dem Gelände viele alkoholfreie Sachen zu kaufen, wie Apple-Cider z.B., ein „Apfelmost“, was hier eher ein recht dicker, konzentrierter naturtrüber Apfelsaft war. Vom Zuckergehalt betrachtet, vermutlich eine komplette Mahlzeit, aber geschmacklich suchtgefährdend.

Es gab natürlich auch Bier, also auch echtes, so mit Alkohol. Das war auch sehr gut, durfte aber nur im Biergarten (so hieß das dort) getrunken werden. Es gab auch so komische Dinge wie „Birkenbier„. Wir sind aber dann doch lieber beim traditionellen Gerstensaft geblieben. Dazu ein Hotdog mit Sauerkraut bzw. ein Brodwarst Sandwich. Es war eine grobe Bratwurst, die unserer groben Pfälzer Bratwurst gar nicht so unähnlich war, außer die Form und Länge. Die Wurst hier war als Schnecke aufgerollt und anstatt einer einzelnen Wurst wurden Stücke von der großen Schnecke abgeschnitten. Das Brötchen war halt amerikanisch eher was in Richtung Brioche. Also weich, süßlich. Das Sauerkraut war auch eher leicht süßlich und mit Zwiebeln und Paprika versetzt. Es schmeckt schon anders als bei uns. Kann man aber durchaus auch mal essen.

Als Nachspeise haben wir uns die schon mal bekannte Shoofly Pie gegönnt, mit einer selbstgemachten Zitronenlimonade, die es überall auf dem Gelände gab. Also die ist für Leute mit säureempfindlichen Magen oder Gaumen nicht zu empfehlen. Trotz einem Haufen Zucker brennt die Säure der Zitronen schon noch ordentlich. Schmeckt aber trotzdem gut und ist sehr erfrischend.

Sehr interessant war die Quilt-Ausstellung mit Prämierung und Verkauf. Alles Handarbeit und nicht billig. Die prämierten Quilts werden am Ende sogar versteigert. Zwischen den Decken waren junge Helfer, die die Quilts ausgebreitet haben zum Anschauen, um sie dann anschließend wieder ordentlich zusammenzulegen und zurückzuhängen. Hier waren die Quilts der Amish deutlich zu erkennen, da sie Schilder trugen mit der Aufschrift: „no sale on Sunday“ (also, am Sonntag nicht zu verkaufen).

Wir haben noch ein paar weitere Stationen besucht, zunächst einen Stand eines Weingutes. Gegen einen kleinen Betrag durfte man hier die Weine verkosten. Es war zumindest mal ein Weingut aus der Gegend, weniger als 30min mit dem Auto entfernt. Allerdings haben wir, außer bei den die Rooftop Reds in New York City, keine Weinreben gesehen auf unserer Reise. Die Weine waren okay, aber nicht so gut, dass man eine Flasche hätte mitnehmen müssen. Die haben übrigens auch merkwürdige Weine im Verkauf, wie Weine mit Limo und Blaubeerwein. Es war ja warm und deswegen haben wir uns wenigstens eine „Sangria“ mitgenommen. In Anführungszeichen, weil Alkohol in der Öffentlichkeit darf man ja nicht trinken, es war eine Art Trauben-Frucht-Saft mit einem Stück Orange drin.

Schräg gegenüber hat ein Stand-up-Comedian versucht sein Publikum zu begeistern. Der hat auf Pennsilfaanisch-Deitsch seine Witze gemacht, d.h. wir haben ihn inhaltlich sehr gut verstanden. Womit wir allerdings unsere Probleme haben, ist diese Nord-Amerika-Stand-up-Comedy an sich. Irgendwie ist diese Art der Unterhaltung ein amerikanisches Phänomen. Ob wir die Art des Vortrags einfach nicht verstehen oder ob Europäer dies einfach nicht anspricht? Keine Ahnung. Man muss wohl in den USA geboren sein, um das gut zu finden. Aber die Sprache einmal länger am Stück zu hören war hochinteressant. Nach kurzem Einhören versteht man es tatsächlich sehr gut.

Dann gab es noch eine Art „Kasperle Theater“ mit Handpuppen für die Kinder. Das war auf English, aber in einer sehr unkomplizierten Form. Es ist toll zu sehen, was man alles auf die Beine stellen kann mit entsprechend vielen Helfern. Bei uns werden lokale Veranstaltungen der Reihe nach abgesagt, weil sich keiner mehr engagieren will, in den Staaten scheint das zum Glück noch kein Problem zu sein.

Als nächstes ging es in die Schule. Auf dem Gelände war eine Art Schulgebäude mit Tafel, Schultischen und -bänken aufgebaut, in dem es diverse Vorträge zur Sprache und Geschichte gab.

Wir haben uns natürlich für die Schulstunde über „Dutch“ entschieden. Der Vortragende, ein älterer Herr, der auch sehr gut als Professor durchgegangen wäre, hat einiges über die Geschichte der lokalen Sprache erzählt und woher so der eine oder andere Begriff kommt. Eigentlich dreht sich alles um den Erhalt der Sprache „Pennsilfaanisch Dutch„, also ein Pennsylvanisches Deutsch. Gesprochen wird es eigentlich nur noch von den Amish und den Mennoniten. Die meisten haben uns erzählt, dass die Großeltern dies noch sehr gut konnten, aber im zweiten Weltkrieg hat man versucht seine deutsche Abstammung zu verbergen und darauf geachtet, dass die Kinder nur Englisch sprechen. Dadurch ist der Dialekt fast ausgestorben und wird nur noch von sehr wenigen Personen am Leben gehalten. Interessant war auch die Herkunft des Namens. „Dutch“ bedeutet eigentlich im englischen Sprachgebrauch „niederländisch“. Jetzt könnte man noch meinen „Dutch“ wäre aus „Deutsch“ entstanden wegen der phonetischen Ähnlichkeit. Ist aber gar nicht so. Wir haben hier gelernt, dass das Wort „Dutch“ für die Leute und die Sprache vor wenigen Jahrhunderten durch die Briten geprägt wurde und sich tatsächlich von den Niederländern ableitet. Aus Sicht der Briten auf ihrer Insel gab es auf der anderen Seite des Kanals Frankreich. Mit denen hatte man immer Streit und Krieg. Und dann gab es die Niederlande und den Rest (Deutschland gab es damals noch nicht, sondern lauter so kleine Staaten, wie Bayern/Pfalz, Hannover, Preußen, Sachsen, das heilige römische Reich etc.. Da waren die Niederlande groß dagegen). Damit sind wir Deutschen aus der Sicht der Briten eben keine French, sondern Dutch. Der Vortragende, Keith Brintzenhoff, hat dann noch versucht den Anwesenden etwas Deutsch beizubringen, zumindest so einfache Dinge wie Ja und Nee und ein paar weitere Wörter. War spannend und witzig.

Nach all der Anstrengung in der Schule, brauchten wir wieder Nahrung. Diesmal hat es uns zu einem Whisky-Stand hingezogen, zum Stand der Eight Oaks Distillery. Dort gab es Cocktails mit deren lokalem Whisky. Also mit Alkohol, sah aber aus wie Limo oder Eistee. Erstaunlicher Weise durfte man hier die Getränke mitnehmen. Also haben wir uns zwei Mischungen ausgesucht und diese zum nächsten Stand mitgenommen. Hier gab es den „Funnel Cake„, eine hier wohl gerne gegessene Gebäckspezialität. Es handelt sich dabei um ein Schmalzgebäck (in vorliegenden Fall: Erdnussöl), bei dem der dünnflüssige Teig in einem dünnen Strahl in heißes Öl gegossen wird. Im süddeutschen Raum mit Österreich und Südtirol auch als „Strauben“ bekannt. Süß, aber eine gute Nachspeise am späteren Nachmittag und hat gut zu den Cocktails gepasst.

Nun hatten wir tatsächlich Alkohol offen(! also nicht mit Papiertüte außen rum) auf dem Tisch stehen. Auf dem Fest war ein Polizist mit Segway unterwegs und hat dort seine Runden gedreht. Der wirkte sehr nett und hat sich mit vielen Leuten unterhalten (natürlich in Schrittgeschwindigkeit und ohne abzusteigen). Wir hatten das Gefühl, er hat beim Vorbeifahren immer auf unsere Becher geschaut… Wir haben mal freundlich gegrüßt, da wir nicht wussten wie streng hier die Vorschriften ausgelegt werden. Außerdem mussten wir ja auch noch mit dem Auto zum Hotel fahren.

Eigentlich wollten wir noch Michael Werner live sehen. Uns wurde gesagt, er würde heute gegen Abend noch mal auftreten. Ihm wurde es wohl auch so gesagt, zumindest haben wir ihn an der Hauptbühne des Festivals getroffen, weil ihm wohl auch gesagt wurde, er soll noch mal mit auf die Bühne zum Singen, was aber gar nicht stimmte. Zumindest konnten wir uns ein wenig unterhalten. Dabei war auch noch das Filmteam von „Hiwwe wie Driwwe zwää„, die durch die Gegend gefahren sind für Interviews und auch auf dem Festival ihre Aufnahmen für den neuen Film machen. Das Gespräch war noch mal ganz nett, weil wir auch ein paar Dinge gelernt haben, wie z.B. dass die Amish den Sonntag nutzen, um das Kutztown Folk Festival zu besuchen. Da man am Sonntag nicht arbeiten darf (außer man hat Tiere auf seiner Farm versteht sich), bietet sich dieser Tag an, um sich was anzuschauen oder einfach nur mal was zu unternehmen. Amish und Mennoniten sind auf Grund ihrer Kleidung auf dem Fest leicht zu erkennen.

Nebenan auf der Hauptbühne gab es noch Musik und auch ein wenig Comedy. Letztere durch „Dr. Witzelsucht„, alias Keith Brintzenhoff, den Herrn Lehrer aus der Schule von vorhin, hier waren die (Flach-)Witze meist auf Englisch („How do they put the holes in Swiss cheese?“ „They are using whole milk“). Dabei war für die Musikeinlagen auf der Bühne auch ein 9-jähriger Junge, der überhaupt keine Scheu hatte, vor Publikum aufzutreten und bei den Witzen mitzumischen. Nur Michael Werner hat nicht mehr gespielt. Angeblich soll er gleich morgens (viel zu früh) spielen, wenn das Fest offiziell vom Bürgermeister eröffnet wird.

Inzwischen stand die Sonne schon tief und wir mussten ja noch im Hotel einchecken und uns ggf. nach was zum Abendessen suchen. Daher haben wir das Fest für heute verlassen. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Im Auto war inzwischen alles gekocht. Zum Glück hatten wir nichts dabei was schmelzen konnte. Aber unser Wasser und die Cola-Dosen hatte auch so 40-50°C erreicht inzwischen. Da wir erst einen kleinen Cache auf dem Herweg gesucht und gefunden hatten, haben wir auf dem Weg zurück noch eine Dose an einem alten, sehr kleinen Schulhaus gesucht und gefunden. Wir brauchten ja noch eine Dose zum Ablegen von „Duck Iron Chef“, den wir noch bei uns hatten. In Deutschland und Europa war er schon, daher wollten wir ihn nicht mit zurück nach Hause nehmen, sondern hierlassen. Die Dosen hier in Kutztown sind jetzt nicht die mit hoher Besucherfrequenz, aber diese hier schien sicher und in der Nähe des Festivalgeländes haben wir gehofft, es kommen vielleicht noch ein paar Cacher vorbei (zwei Wochen nach uns hat ihn übrigens jemand mit nach Florida genommen).

Nach dem idyllischen Schulhaus etwas außerhalb der Stadt sind wir ins Hampton Inn & Suites Kutztown und haben dort eingecheckt. Wir waren in Danbury schon einmal in einem Hotel dieser Marke. Das war ganz okay, wenn auch etwas einfach gehalten. So hatten wir schon eine Vorstellung, wurden aber positiv überrascht, da die Einrichtung und Ausstattung hier schon etwas besser war als auf dem Weg von New York nach Portland. Beim Einchecken haben wir unsere Zimmerkarte in dem üblichen kleinen Papier-Umschlag bekommen, auf den die Zimmernummer geschrieben wurde. 332. Also auf in die 3. Etage und den Gang runter. 328, 329, 330, 331. Und dann standen wir da am Ende des Universums, äh Ende des Ganges und fragten uns, in welcher Dimension dieses Hotel noch ein Zimmer 332 zu bieten hat. Eigentlich bleibt nur der Rückweg zur Rezeption und nach der richtigen Zimmernummer zu fragen. Auf dem Weg zurück haben wir unsere Zimmerkarte einfach an allen Türen ausprobiert (vielleicht ein Zahlendreher? 323 war es auch nicht, 233 und 232 konnte es auch nicht geben) und wurden dann bei Zimmer 322 fündig. Erst mal alles fotografiert und die warmen Getränke in den Kühlschrank verstaut.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, ging es um die Frage, wo bekommen wir noch was zu Essen. Vom Hotel bekamen wir einen Flyer mit ihren Tipps für Essen zum Bestellen und Essen zum Hinsetzen. Es kam aber auch gleich der Hinweis, dass die Restaurants bis auf einen Diner am „Flughafen“ spätestens um 19:00 Uhr schließen. In der Beziehung sind die Nachkommen der Auswanderer deutscher als bei uns zu Hause. Dort gibt es warme Küche wenigstens bis 20:30 oder 21:00 Uhr. Also blieb uns nichts anderes übrig als bei Domios (die waren unweit des Hotels) zwei Pizzen, eine Buffalo Chicken und eine Philadelphia Steak und einen Ceasar-Salat zu ordern. Teller und Besteck bekommt man vom Hotel. Mit kalten Getränken aus der Shop-Ecke der Rezeption konnten wir so den Abend ausklingen lassen.

Wir sind gespannt auf morgen, da ist schließlich 4th of July, der berühmte Independence Day, an dem die USA ihre Unabhängigkeit feiert und die Außerirdischen angreifen. Wir waren am 4. Juli noch nie in den USA und waren gespannt was passieren wird. Schon die ganze Reise lang haben wir überall Feuerwerksverkaufsstände gesehen. Die Amerikaner feiern ja gerne und mal sehen, was sie zu ihrem wichtigsten Feiertag so alles veranstalten werden.

Samstag, 02.07.2022

Morgens, nach dem Aufstehen hatten wir wieder ein Blick über die Felder, auf denen unsere Vermieter gerade mit der Feldarbeit beschäftigt waren. Dabei konnte man dann auch sehen, warum die Felder, insgesamt so ca. 7 ha, in kleine Teile bzw. Streifen aufgeteilt waren. Im Gegensatz zu den Riesenfeldern, die man aus der Mitte der USA aus dem Fernsehen kennt, werden hier die Felder von den Amish nicht mit großen Maschinen bestellt. Also eher gar keine Maschinen oder Traktoren.

GFV-Guesthome-Blick


So war der Hausherr gerade dabei ein Feld zu bearbeiten, mittels einer Spritze, die von zwei Pferden gezogen wurde. Und seine Frau hat gerade Maiskolben vom Feld geholt mit der Schubkarre, um diese auf einem kleinen Stand zur Selbstbedienung vor dem Hof zu verkaufen. Es gab aktuell Broccoli, Weißkohl, Tomaten, Zuckermais, Eier, Zwiebeln, Zucchini und Gurken. Hätten wir selber kochen wollen, wäre viel frisches Gemüse direkt vor der Haustür zu haben gewesen. Wir haben uns aber nicht mal einen Kaffee gekocht, um nichts schmutzig zu machen.

Bevor wir aufgebrochen sind, haben wir noch schnell unsere Vermieterin getroffen. Wirklich sehr nett und sehr freundlich. Sie hatte leider nur wenig Zeit, da sie auch Huskys gezüchtet haben und jemand einen kleinen Husky abholen wollte, sollte dieser noch schnell gebadet werden. Daher konnten wir uns nur kurz unterhalten. Sie konnte Pennsylvanian Dutch nicht mehr so gut, wie ihre Eltern oder Großeltern. Ihr Mann war leider nicht da, hätte es aber wohl noch besser gekonnt. Aber wir haben erfahren, dass die Bibel, die in der Kirche verwendet wird, immer noch auf „Hoch“-Deutsch geschrieben ist. Wobei hier das „hoch“ in Hochdeutsch bzw. Highgerman, eine andere Bedeutung, hat als bei uns und somit nicht dem entspricht, was wir als Sprache erwarten würden. Hoch kommt hier von der Höhe. Also Richtung Süden/Schweiz geht den Berg hoch, das Niederdeutsche ist dann eher so Richtung Nord und Ostsee, also unten, zu finden. Bei uns bezeichnet Hochdeutsch eine künstliche Sprache, die erst mit dem Buchdruck und mit der Notwendigkeit eingeführt wurde, ein Buch nicht in 2000 Dialekten drucken zu können, sondern eine Sprache zu schaffen, die alle irgendwie verstehen können.

Unser erster Weg führte uns auf den Markt in Lancaster. Zum einen lieben wir Märkte, zum anderen gibt es dort meist was zu essen, so dass wir irgendwo eine Chance auf ein kleines Frühstück witterten. Es war unheimlich viel los, aber wir hatten Glück und haben einen der letzten freien Parkplätze in der Nähe der Innenstadt ergattern können. Es war Samstag und entsprechend war ganz schon was los. Sowohl vor der Markthalle, vor der eine Band spielte, ein Pärchen kirchliche Lieder gesungen hat und viele Leute auf den Bänken saßen, um dem Treiben zuzuschauen als auch in der Markthalle selbst.

 

Es gab fast alles zu kaufen, Gemüse, Backwaren, Fleisch und Wurst (Bratwurst versteht sich!), Blumen und auch Kaffee.

Stefan hat versucht bei „mean cup“ zwei Milchkaffee zu bekommen, hat aber auf Englisch so vor sich hin genuschelt, dass es am Ende nur zwei normale, schwarze Filterkaffees waren, die er bekommen hat. Aber die waren kräftig und nicht bitter, ganz im Gegensatz zu den Diner-Kaffees, die man zum Frühstück bekommt und die oft dünn und bitter sind. Zum Frühstück selbst gab es noch eine weiche Brezel ohne Lauge und aus einem weicheren Teig, nicht so knackig, wie man Brezeln in Deutschlang gewöhnt ist und ein Würstchen im Teigmantel.

Nach der Besichtigung der Markthalle und dem kleinen Frühstück haben wir noch Lancaster ein wenig besichtigt und ein paar Caches gesucht. Es gibt ganz in der Nähe der Markthalle einen kleinen Park, den „Steinman Park“ der den Steinman Brüdern gewidmet wurde „zur Freude der Einwohner von Lancaster County“. Sehr hübsch, in einem ruhigen Hinterhof mit Wasserfall am anderen Ende. Die Innenstadt von Lancaster ist nicht besonders groß und nachdem wir die Caches um die Markthalle herum gesucht und gefunden hatten (das waren so in etwa genau drei…) sind wir wieder zurück zum Auto, um uns noch die Umgebung ein wenig näher anzusehen.

Dabei sind wir erst mal zu einem Einkaufszentrum „Shops at Belmont“ gefahren, da waren ein paar Cache mit vielen Favoritenpunkten. Erst haben wir eine Dose schnell gefunden. Dann kam ein Cache, für den eine Statue mit einem Pferd gefunden werden musste, die irgendwo auf dem großen Gelände mit vielen Geschäften aufgestellt war. Durch kreuz- und quer fahren auf dem Gelände zwischen den vielen Parkplätzen haben wir die Statue gefunden, von der aus man die Dose anpeilen konnte. Natürlich haben wir die Dose nicht gefunden. Also den Besitzer des Caches anschreiben und auf Antwort warten. Währenddessen haben wir uns an einem anderen Cache versucht. Alle Antworten gesucht, gerechnet und (man wird es vielleicht gerade erraten…) die Dose nicht gefunden. Verflixt, die Dose gehört dem gleichen Cacher, dem wir grad wegen der anderen Dose angeschrieben hatten. Langsam wird es peinlich. Inzwischen hatte der sich aber zu Dose eins gemeldet und uns geschrieben, wo wir suchen mussten. Also ins Auto zurück zum ersten Suchort und tatsächlich, wir waren dem Zaun beim ersten Versuch nicht weit genug gefolgt, aber jetzt konnten wir die Dose in den Händen halten. Also wieder zurück zu Dose Nr. 2. Wenn wir jetzt wussten wie er seine Dosen versteckt, hätten wir vielleicht eine Chance. Aber auch beim zweiten Mal wollte sich uns die Dose mit dem Logbuch nicht zeigen. Also wieder den Caches angeschrieben, ob er auch hier noch einen Tipp für uns hat.

Jetzt sind wir erst mal in den Supermarkt „Whole Foods Market“ gegangen, an dessen Seite wir den Cache vermuteten. Hier gab es Wasser mit Kohlensäure zu kaufen! Von einer Eigenmarke, Wasser aus Italien. Als gäbe es in den USA kein Wasser. Oder keine Kohlensäure. Supermärkte im Ausland sind aber immer wieder spannend. Wir haben uns paar Knabbereien für unterwegs, Wasser, Kalamansi und Yuzu Sprudelwasser (Dose, Herkunft egal) und Macaron-Eis (Preis egal… billig ist anders, aber wir wollten wissen, wie es schmeckt, außerdem war es immer noch heiß draußen).

Nachdem wir unser Eis gegessen hatten, hat sich auch der Owner von dem Cache hier gemeldet und uns einen Tipp gegeben. Wir hatten den Gulli, in dem die Dose an einer Schnur hing, schon gefühlte 20x untersucht und nichts gesehen. Muss einfach viel zu heiß sein heute. Aber so konnten wir den Cache hier zum Glück doch noch loggen.

Einen Cache weiter hatten wir dann mehr Glück, die Dose war raffiniert in einem Zaun vor einem Comic-Laden versteckt, aber hier hatten wir den richtigen Richer und konnten das Logbuch relativ schnell finden. Inzwischen zogen auch dunkle Wolken auf und die Sonne war nicht brannte nicht mehr so intensiv vom Himmel und wir haben uns noch eine schöne Installation in der Nähe namens „Silent Symphony“ angeschaut. Beim nächsten Cache wurde es schon wieder schwieriger, weil man anscheinend hier gerne am Samstag sein Auto putzt… Wir mussten zunächst noch ein paar Zahlen vor Ort an einem jüdischen Friedhof namens „Cemetery Shaarai Shomayim“ ermitteln, um die Koordinate berechnen zu können. Aber die Dose lag direkt vor den Autoputzern. So sind wir erst mal ein Stück weiter gefahren und haben zum Schauen, was wir noch machen können, am Straßenrand angehalten. Und dann kam ein Regenguss, kurz und kräftig. Wir sind noch mal umgekehrt und zurückgefahren und siehe da, der Regen hatte die Autoputzer vertrieben und wir konnten und schnell ins Logbuch eintragen.

Unsere nächste Station führte uns (mal wieder) auf einen Friedhof, dem Woodward Hill Cemetery. Friedhöfe in den USA sind richtig gut zum Cachen. Wenig Leute und man kann mit dem Auto überall hinfahren und parken. Hier wurden wir zum Grab von James Buchanan geführt. Buchanan war von 1857 bis 1861 der 15. Präsident der Vereinigten Staaten. Bei der anschließenden Suche nach der Dose konnten wir viele Murmeltiere (die auf PA-Dutch „Grundsauen“ genannt werden) beobachten, die auf dem Friedhof ihren Bau hatten. Die meisten sind bei unserem Anblick sofort in ihren Höhlen verschwunden, aber so ein zwei Stück waren mutiger und sind sitzen geblieben, so dass wir eine Chance hatten sie zu sehen und zu fotografieren. Schließlich muss der Blogtitel ja auch irgendwie noch stimmen und zu seinem Recht kommen.

Unser letzter Besuch galt noch einem Park mit einem ganz kleinen, sehr alten Friedhof, dem Kurtz Family Cemetery, Earl Township, Lancaster County. Hier wurden wohl im 18. Jhd. ein paar von den Einwanderern oder deren direkten Nachkommen beerdigt. Nicht nur die Namen waren deutsch, sondern auch Teile der Grabsteine sind noch richtig auf Deutsch (deitsch) beschriftet. Hier hatten wir die Möglichkeit auch endlich ein Bild von einer Kutsche auf der Straße zu machen. Begegnet sind wir ein paar wenigen, aber man hat nicht immer die Gelegenheit das Smartphone schnell genug zu greifen. Wir mussten uns beeilen was zu essen zu finden, denn unser Navi meldete uns plötzlich eine Warnung vom Wetterdienst vor schweren Gewittern mit Sturm und Hagel. Da wollten wir im trockenen sitzen bevor wir im Auto vor der Wirtschaft sitzen und nicht aussteigen können.

PA-Unwetterwarnung

Zum Essen haben wir uns diesmal nicht für ein Amish-geführtes Restaurant entschieden, sondern für eine Brauereigaststätte, die Spring House Brewery, die bis 11 Uhr nachts offen hat und nicht nur bis 18 Uhr.

Angeboten wurden diverse Biere, um genau zu sein 20 Stück. Wer fährt darf nichts trinken. Obwohl offiziell eigentlich 0,8‰ in den USA gelten sollen, sollen die Cops bei Alkoholisierung, wenn auch nur gering, nicht begeistert reagieren und das wollten wir doch lieber vermeiden. So hat Katja sich eine Probierauswahl von 5 verschiedenen Bieren bestellt und Stefan bekam eine Dose Cider mit nur sehr geringem Alkoholgehalt. Was auch immer mit „fruited“, „pastry“ oder „pumpkin“ gemeint sein soll. Diese Biere, die nach Heidelbeere oder sonstigem schmecken sind für uns schon merkwürdig. Es ist aus den Beschreibungen auch nie herauszulesen, ob der Geschmack durch Brauprozess und Gärung von allein entsteht oder ob mit Aromen oder Früchten gearbeitet/nachgeholfen wird. Die fünf Probierbiere waren: Moving Accordingly, Sticke It To the Man, Simultaneity, Sprenger Red Rose und Heat Finds a Way. Also ganz glasklar, was man geschmacklich zu erwarten hat. Oder auch nicht. Also wenigstens die Dose Cider hat erwartungsgemäß nach Apfel geschmeckt. Un die ganze Zeit lief ein Fernseher an der Wand mit so Kick-Box-Cage-Kämpfen.

Essen war sozusagen „Amerikanisch Klassisch“. Als Vorspeise haben wir uns für einen Ceasar Salad entschieden, den bekommen die Restaurants in Europa nur sehr selten so gut hin und für „Boneless Wings“ (entbeinte Hühnerflügel) mit Teriyaki-Sauce, auch sehr gut. Leider war der Abstand beim Servieren zwischen Vorspeise und Hauptgericht keine 5 Minuten, so dass wir irgendwie alles zusammen und durcheinander gegessen haben. Hauptgerichte waren ein „Old Trusty Burger“ und, so ganz voll krass klassisch: Steak and Frites. Perfekt gegrillt wie immer in den USA.

Auf dem Rückweg haben wir noch bei einem Cache in der Nähe einer Bücherei Halt gemacht und sind schnell die Dose suchen gegangen. Die Sonne war schon untergegangen und es begann wieder dunkel zu werden und die ersten Glühwürmchen waren zu sehen. Ihr grünes blinken hat uns auch diese Nacht nach Hause zu unserer Ferienwohnung begleitet. Wir kannten das Schauspiel über den Felder rund um das Haus schon von letzter Nacht, aber diese Masse an grünen, blinkenden Punkten ist jedes Mal wieder beeindruckend.

Da es inzwischen schon spät geworden war, haben wir uns noch ein wenig zum Lesen ins Bett zurückgezogen. Allerdings waren wir da nicht alleine. Ein großer, länglicher Käfer (ca. 4 cm lang, halber Zentimeter breit) hat uns beim Lesen erschreckt. Wir waren dann wieder hellwach und der Käfer, den Stefan von seinem Arm geschüttelt hat, ist erst mal unter der Fußbodenleiste verschwunden. Weil wir an den Käfer nicht herankamen, haben wir zunächst unsere Sachen weggeräumt und under Taschen hochgestellt und dann sind wir mit einem Glas bewaffnet auf der Lauer gelegen. Das Vieh hat sich immer mal kurz blicken lassen und war dann wieder für Minuten unter der Holzleiste am Boden verschwunden. Nach einiger Zeit war es und möglich den Käfer einzufangen und der Wohnung zu verweisen. Erst danach konnten in Ruhe das Licht ausmachen und uns schlafen legen.