Sonntag, 31.5.2026
Der Flug dauerte so ca. 10 Minuten. Man hat aus dem Flieger einen grandiosen Ausblick auf das Delta. Durch die kurze Flugdauer ist die Flughöhe auch gering und man kann sogar Tiere auf dem Boden erkennen. Der Flieger setzte sanft auf dem Airstrip auf und musste dann recht schnell bremsen und konnte nicht bis zum Ende der Piste fahren, an dem es einen Wendekreis gegeben hätte, sondern musste mitten auf der Bahn schon umdrehen. Das Ende der Bahn war durch eine Antilopenherde blockiert, aber die Flieger brauchen sehr wenig Wegstrecke zum Landen und Starten. Wir hatten noch den Piloten nach unseren Bordkarten für den Flug in zwei Tagen gefragt, da uns gesagt wurde MackAir würde die korrigierten Bordkarten auf dem Flug mit schicken. Der Pilot wusste von nichts. Waren jetzt auch nicht soooo wichtig, wenn die Passagierlisten stimmen. Auf den Airstrips fragt meist keiner nach Bordkarten oder Namen. Die wissen, es steigen zwei Passagiere zu und die gehen davon aus, die Camps liefern die richtigen Personen an. Aber wir hatten ja zuletzt auch erlebt, dass jemand einfach stehen gelassen wurde. Es blieb also spannend.
Alle Passagiere stiegen hier aus und wir fuhren alle ins Monachira Camp. Eine Dame war eine Mitarbeiterin in der Lodge und hat neben Super, unserem Fahrer, Platz genommen, wir übrigen Gäste hinten auf dem Wagen, zusammen mit dem Gepäck. Der Airstrip lag ca. 30-35 Minuten Fahrzeit vom Camp entfernt. Dort angekommen wurden wir mit einem Willkommensgesang der Gastgeber begrüßt, bekamen ein kühles feuchtes Handtuch und einen kleinen, alkoholfreien Cocktail als Willkommensdrink. Das Camp war sehr schick, es gab eine große Bar zur Selbstbedienung, einen Aufenthaltsbereich mit mehreren Sitzgruppen, eine Jura Kaffeemaschine (der Jura Verkäufer hier muss echt gut sein) und einen Restaurantbereich. Außerdem den üblichen Stuhlkreis um eine Feuerschale, sehr ähnlich zu den letzten Tagen. Unser Zimmer bzw. Zelt war noch nicht fertig geputzt, da die Gäste gerade erst abgereist sind, als wir ankamen. Aber in der Zwischenzeit war es hier auch sehr schön und angenehm und wir mussten hier ja auch erst noch die übliche Erklärung unterschreiben, dass keiner außer uns Schuld ist, wenn wir uns fressen lassen. Uns wurden hier auch noch die Einrichtungen gezeigt, wie auch die Bar, die alle möglichen Getränke mit und ohne Alkohol enthielt. Mit Alkohol gab es diverse Spirituosen, Wein und Bier. Auf der Bar stand ein Aufsteller mit klassischen Cocktailrezepten. Es gab nur eine kleine Ecke mit Premium Whiskey, der extra Geld kostet und einen kleinen Humidor. Aber es gab auch hier den guten Okavango Gin, was will man da mit ausländischen Whiskeys? Ein Mitarbeiter der Lodge hat uns noch gezeigt wie man einen Rock Shandy mischt und was man dafür braucht. Alles in Dosen vorhanden. Vor allem die guten Fitch&Leedes-Limonaden bzw. Tonics.







Das Camp ist erst ein Jahr lang geöffnet und entsprechend wirkt noch alles recht neu. Unser Zelt war die Nummer Eins. Die Zimmer/Zelte sind von 1 bis 10 durchnummeriert, der Zentralbereich befindet sich zwischen 5 und 6. Damit war klar, wir haben das letzte Zelt am Ende des Weges. Nach uns kam nur noch der Bootsanleger, den man aber nicht alleine besuchen darf, da er sich außerhalb des Elektrozaunes befindet und man damit in der Wildnis ist. Gleiches gilt für die Terrasse, die zum Fluss hin ausgerichtet ist. Diese liegt außerhalb des Schutzbereiches und man darf diese im Hellen nicht verlassen und in der Nacht überhaupt nicht benutzen. Im Übrigen halten die Elektrozäune nur Elefanten ab. Und weil das noch nicht genug ist: gestern Nacht waren Löwen im Camp. Da denkt man sich dann: na dann gute Nacht.
Man sieht sofort den Unterschied bzw. die Weiterentwicklung im Vergleich zu Gomoti Plains. Man muss nicht durch einen Reißverschluss ins Zelt schlüpfen, sondern hier gibt es eine richtige Holztür mit Schloss als Eingang. Man soll die Tür abschließen, aber den Schlüssel einfach in der Tür stecken lassen oder maximal im Zentralbereich in eine Holzschatulle legen, aber auf gar keinen Fall mit auf Ausfahrt nehmen. Das Abschließen soll die Paviane abhalten, die das Camp zum Glück noch nicht für sich entdeckt haben, aber zur Sicherheit ist es gut, wenn sie nicht ins Zelt kommen. Schlüsselumdrehen ist wohl genauso wenig deren Ding, wie Karabiner öffnen. Hier haben die Betten eine Heizdecke, die man getrennt für beide Seiten in drei Stufen aufheizen kann. Damit wird es sicher nachts besser mit dem frieren, aber das Aufstehen wird sicher auch nicht angenehmer. Hier hatten Toilette und Dusche feste Wände, aber auch keine Türen. Eine Außendusche war auch vorhanden. Die Trennung war auch hier aber nur das dickere Fliegenschutzgitter und damit die Temperaturen innen und außen gleich.






Nachdem wir uns kurz eingerichtet und unsere warmen Sachen, die wir noch von heute Morgen an hatten, gegen luftigere getauscht hatten, sind wir zum Mittagessen gegangen. Hier gab es keinen Brunch, sondern „nur“ ein Mittagessen, welches aber auch aus Brot, drei Salaten, die zum Teilen auf den Tisch gestellt wurden, einer Hauptspeise und einer Nachspeise bestand. Bei der Hauptspeise konnte man zwischen Lamm und Vegetarisch wählen, für das Dessert standen drei Sorten Eis zur Auswahl. Dazu gab es ein gutes Glas Rosé. Das Essen ist hier noch eine Idee besser als in Gomoti, was man u.a. daran merkt, dass die Portionen (zum Glück) etwas kleiner sind. Nach dem ganzen dauerhaften Essen der letzten Tage eine Wohltat. Zumal zu befürchten stand, dass es auch hier mehr oder weniger durchgehend wieder was zu essen geben würde. So hat man wenigstens etwas Platz, um auch noch das eine oder andere zu probieren.






Nun hatten wir kurz Zeit, die gereicht hat zu duschen und uns kurz auf unserer Terrasse zu entspannen. Die Außendusche ist witzig, denn da ragt ein Baum über die Dusche und man duscht mit zwitschernden Vögeln über einem.
Um 15 Uhr gab es wieder Tea Time mit Kleinigkeiten zum essen vor der Nachmittagsausfahrt.

Unser Guide heißt Roy und ist der Head-Guide von Monachira. Diesmal waren wir mit einer brasilianischen Familie zusammen im Auto, den Eltern mit ihren beiden erwachsenen Töchtern. Hier gab es eine neue Tierart zu entdecken: Tsessebes, eine Antilopenart, die in wasserreichen Gebieten vorkommt. Ansonsten gab es noch ein Straußenpaar (also genau eines, wenn man die Strauße noch mal gesehen hat, dann waren es genau diese zwei). Impalas waren recht wenig, dafür gab es eine Litschi-Moorantilope, die den Impalas recht ähnlich sieht, aber die haben nicht das „M“ auf dem Hintern und sie haben einen etwas merkwürdigen Körperbau, denn die Hinterbeine sind länger als die Vorderbeine, was sie zu guten Schwimmern macht und das Vorankommen im Wasser und Sumpf verbessert. Wir sind dann noch einem einzelnen Flusspferd begegnet. Auch hier muss man sehr vorsichtig sein, da es sich eigentlich um ein Herdentier handelt. Das Flusspferd hatte eine tiefe Wunde auf der rechten Seite, hatte also offensichtlich einen Kampf verloren und musste die Gruppe verlassen. Flusspferde sind immer gefährlich, aber in der Gruppe fühlen sie sich sicher und sind entspannter. Einzeltiere müssen sich alleine verteidigen und sind immer angespannt und greifen sehr schnell an. Im Auto ist man recht sicher. Aber sollte man zu Fuß einem Flusspferd begegnen, muss man auf der Hut sein. Die können 40 km/h schnell rennen und das auch über lange Strecken. Da hilft einem nur ein Baum. Entweder einer senkrecht zum Hochklettern oder alternativ gehen noch auf dem Boden liegende Bäume, über die muss man dann springen. Da Flusspferde nicht springen können, müssen die außen herumlaufen. Das verschafft einem Zeit. Ansonsten geht nur flach auf dem Boden legen und hoffen, dass man rechtzeitig ins Krankenhaus kommt und die einen wieder zusammenflicken können. An einem Schädel eines verstorbenen Flusspferdes hat uns Roy erklärt, wie die großen Zähne wachsen, die man vom Aussehen her kennt und, dass diese nur zum Kämpfen gut sind und ansonsten keine weitere Funktion haben. Gekaut wird mit den Backenzähnen, das Gras wird mit den Lippen abgetrennt.







Auf dem weiteren Weg haben wir noch einen Elefanten im Fluss beobachten können und sind weiter am Airstrip von heute Mittag vorbeigekommen.
Hier war das Wasser schon nah an die Piste heran gestiegen. Man hat versucht einen Wall aus Sandsäcken aufzubauen, außerdem standen Motorpumpen bereit, um das Wasser abzupumpen. Keine Ahnung, ob das überhaupt was bringt, wenn einfach alles nass ist außenherum und das Wasser letztendlich doch einfach wieder zurück kommt.


Roy war auf der Jagd nach einem Leoparden, den ein anderer Guide entdeckt hatte. Wir kamen allerdings nicht nahe genug heran. Der Leopard war auf „der anderen Seite“, also in einem Parkbereich der von einem anderen Safariunternehmen kontrolliert wird und ohne „Einladung“ darf man nicht einfach zu anderen Fahrzeugen hinfahren. So haben wir hauptsächlich den Schwanz des Tieres aus dem Baum hängen sehen.



Wir konnten leider nicht warten, denn bei dem Park hier handelt es sich nicht um eine „private concession“ wie in Gomoti und damit gibt es Schließzeiten und da muss man wieder im Camp sein. Also haben wir uns eine sichere Stelle gesucht und es gab Drinks (Okavango-Gin and Tonic gegen Malaria für uns) und Knabbereien. Der Sonnenuntergang war wie immer beeindruckend, wir haben vermutlich von nichts so viele Fotos wie von den täglichen Sonnenuntergängen. Also von den Naturfotos, die Bilder vom Essen laufen außer Konkurrenz.



Roy hat uns noch einiges über die Geschichte und das Verhältnis der Menschen zu ihrem Land erzählt.
Er hat uns erzählt, jeder Stamm hätte ein „Totem“, ein spirituelles Tier. Roy und sein Stamm „sind“ Zebras. Dies bedeutet, dass man das eigene Tier, mit dem man sich identifiziert nicht jagt, nicht isst und dieses auch sonst schützt. So hat jeder Stamm ein anderes Tier als Totem. Da jeder Stamm ein eigenes Gebiet besitzt, dass vom Stamm selbst verwaltet und geschützt wird, gibt es für jedes Tier ein Gebiet, in dem es geschützt und sicher ist. Damit ergibt sich automatisch ein Bestandsschutz für alle Tiere und eine sehr frühe Form des Naturschutzes. Clever und einfach und ganz ohne Bestimmungen, praktisch einfach gesunder Menschenverstand. Danach ging es auf direktem Weg zurück zum Camp.
Sich umzuziehen für das Abendessen war hier auch nicht erwünscht. Der Weg zum Zelt dauerte ca. 5 Minuten und es hätte uns jemand hinbringen und dann wieder abholen müssen. Das Abendessen hat man bei der Tea Time schon ausgesucht und das gab es jetzt. Das Abendessen war sehr gut und schön angerichtet. Steak und Schweinebauch, dazu ein schönes Glas Wein. Den Nachtisch, eine Rotweinbirne, haben wir uns geteilt.




Zum Digestif gab es noch einen Cocktail und einen Espresso. Der einfache Espresso war auch hier wieder eine mittlere Tasse Kaffee, dazu einen Brandy aus Südafrika.



Anschließend haben wir uns zu unserem Zelt begleiten lassen, denn wir mussten morgen um 6 Uhr wieder aufstehen.
Montag, 1.6.2026
Trotz oder wegen der Heizdecke war es ganz schön frisch beim Aufstehen. Das einzig Gute: das warme Wasser hat auch morgens am Waschbecken funktioniert. Dann alles wieder anziehen, was man so wärmend dabei hat und zum Frühstück laufen. Wir hatten gefragt und uns wurde gesagt, sie kontrollieren das Camp und wenn keine Guides morgens draußen rumstehen bzw. einem abholen, dann ist es ungefährlich zum Frühstück zu laufen. Hier gab es richtig Frühstück um 6:30 Uhr mit ganzem Buffet und auch frisch zubereiteten Eierspeisen. Aber das ist dann doch zu früh um schon viel zu essen. Ein Joghurt war notwendig, wegen der Malaria-Tablette. Mehr ging nicht.



Wir waren wieder mit den Brasilianern unterwegs. Wie wir nun mitbekommen haben, wollte die Mutter nur Katzen sehen, Löwen und Leoparden und eigentlich wollte sie eine Jagd sehen. Dafür sind die extra für eine Woche nach Botswana geflogen, morgen ging es schon wieder zurück nach Hause. Die Löwen von vorgestern Nacht hatten die Guides mit den Autos möglichst weit vom Camp weggetrieben. Sie wussten auch, dass die Löwen einer Gruppe Zebras durch den Fluss gefolgt sind, da es dort aber keine gute Jagdgegend war, hatten sie die Hoffnung, dass die heute wieder zurück sind. Es hat tatsächlich auch nicht lange gedauert, da lag ein großes, älteres Löwenmännchen mitten auf dem Weg.
Roy hat uns erklärt, dass es sich hier um ein Brüderpaar handelt und der andere Löwe irgendwo in der Nähe sein muss. Wir sind dann dem Löwen gefolgt und haben dann auch den zweiten Bruder gefunden. Der Löwe hat sein Rudel gerufen, da sie irgendwo verstreut lagen. Aber es hat ihm erst mal keiner geantwortet. Laut Roy sind die anderen Familienmitglieder nicht unbedingt daran interessiert, dass die Männchen in der Nähe sind. Denn die jungen Löwen und die Frauen jagen und dann kommen die Männchen angerannt und vertreiben alle und fressen erst mal zuerst und alleine. Wir haben eine weiteren Teil der Gruppe gefunden, bestehend aus zwei Geschwistern, einem Weibchen und einem Männchen und noch ein junges Männchen, das sein altes Rudel verlassen musste und hier adoptiert wurde. Irgendwann haben sich doch die jungen Tiere zu erkennen gegeben und die Familie war wieder vereint, bis auf die Mutter, die alte Löwin, die fehlte.
Die Autos der Lodge haben die Löwen mit Abstand verfolgt, aber die Löwen haben sich auch bewegt. Zum Teil sind die ganz dicht am Auto vorbei gegangen. Das ist dann schon eine mulmige Situation, wenn ein Löwe nur einen Meter oder näher an einem vorbei läuft und man das Gefühl hat, die schauen einem direkt an. Auge in Auge mit einem Löwen in einer Armlänge Abstand, da hofft man, dass er nicht doch mal meint, ins Auto springen zu müssen. Wir sind die ganze Zeit bei den Löwen geblieben. Die sind dann auf einen toten, am Boden liegenden Baum gestiegen, um eine Gruppe Impalas zu beobachten.




Laut Erklärung sehen sich die Löwen Gruppen von Beutetieren genau an, um zu lesen, wer ist jung, wer ist alt, wer ist krank, wer ist verletzt, wo hat man eine Chance. Löwen sind schlechte Jäger. Sie müssen auf Fehler ihrer Beute hoffen und brauchen Deckung in hohem Gras oder in Büschen, um sich zu verstecken. Im Gegensatz zu Geparden, die ihrer Beute einfach hinterherlaufen, können Löwen nicht weit springen und auch nur wenige Meter weit wirklich schnell laufen. Das bedeutet aber auch, dass wir nicht auf eine Jagdszene warten müssen, denn Löwenjagden dauern in der Regel Stunden. Außerdem denken wir, wenn die Safari-Autos herum fahren, haben die Löwen gar keine Chance, da die Autos die Beute aufmerken lassen. Wenn die schlau sind, wissen die, da wo diese ockerfarbenen Tiere mit den runden, schwarzen Füßen rumstehen, da sind Löwen. Irgendwann hat zum Glück Roy gesagt, hier passiert die nächsten Stunden nichts mehr, wir müssen zurück zum Camp. Kurz vor dem Camp haben wir einen Lilac-Breasted Roller gesehen, der vor dem Auto davon geflogen ist und endlich haben wir ein Flugfoto von diesem wunderschönen Vogel erwischt.




Mit noch ein paar Erklärungen sind wir dann zurück Richtung Camp, die Tiere hatten auch angefangen sich in den Schatten zu verziehen und es war nicht mehr viel los im Busch.



Gegen 11 Uhr waren wir zurück, genug Zeit zum noch ein wenig umschauen, den „Poolbereich“ hatten wir noch gar nicht gesehen weil der auf der anderen Seite vom Hauptbereich aus gesehen liegt, und zum umziehen für das Mittagessen ab 12 Uhr.



Im Gegensatz zum letzten Camp, gab es hier zwischen 6 Uhr und 7 Uhr ein richtiges Frühstück (full breakfast, die Variante mit „nur“ Joghurt, Kaffee und Porridge nannte sich im letzten Camp Continental Breakfast), dafür gab es jetzt statt Brunch ein richtiges Mittagessen. Auf den Tisch kamen Brot und drei verschiedene Salate und es gab zwei Hauptgerichte zum Auswählen, eins mit Schweinefleisch und ein vegetarisches. Das geröstete Harissa Gemüse war richtig gut. Zur Nachspeise gab es drei Sorten Eis zum Auswählen, wir hatten uns für eine Portion Bananeneis und eine Portion Yoghurt entschieden, es kam aber nur eine Portion Banane. Aber eigentlich hatten wir genug gegessen und haben uns einfach die eine Eisportion geteilt.






Beim Mittagessen kam eine Mitarbeitern des Camps und brachte uns unsere Bordkarten von MackAir, mit den Worten, „wir haben Ihre Bordkarten gefunden. Da ist vermutlich schon ein Auto drüber gefahren, die sehen zumindest so aus“. Stimmt, die sahen wirklich etwas dreckig aus. Erstaunlicherweise hatten die eine Bandarole von MackAir auf der Hülle kleben, mit unseren Flugdaten von gestern und dem Zusatz „dem Guide zu übergeben“. Wir können nur vermuten, dass dem Piloten, nachdem wir gefragt hatten, die Bordkarten doch noch eingefallen sind und er sie dann aus dem Fenster geworfen hat oder bei einem späteren Flug irgendwo am Rand abgelegt hat. Laut dem Versandvermerk müssen die aber eigentlich auf unserem Flug dabei gewesen sein. Aber jetzt hatten wir die Bordkarten ja und ein wenig Freizeit und konnten ganz in Ruhe duschen und unsere Terrasse genießen.
Für den Nachmittag gab es zwei mögliche Aktivitäten. Die Nachmittagsausfahrt und eine Bootsfahrt auf dem Fluss vor dem Camp. Normal wäre die Bootsfahrt als Aktivität der Gruppe geplant gewesen, da der Guide der uns zusammen betreut, die Ausfahrt macht. Die Brasilianer haben aber nachgefragt um was es da genau geht und auf der Bootsfahrt ist mehr Landschaft zu sehen und es geht um die Entspannung. Tiere sind eher weniger zu sehen, das meiste Vögel. Also als Fazit: es gibt keine Löwen und auch keine Leoparden im Fluss. Das war für die Brasilianer natürlich unmöglich. Die wollten unbedingt die Ausfahrt machen, wir wollten nach 4 Stunden Löwen nicht noch mal 3 Stunden Löwen, sondern auch was anderes sehen. Zumal wir in einem Flussdelta waren und am Monachira Kanal wohnten, da sollte man mindestens einmal auch etwas auf dem Wasser erlebt haben. Roy musste erst was organisieren, entweder einen anderen Guide für die Brasilianer oder einen für uns. Als wir zur Teestunde zum Hauptplatz kamen, war zu unserem Erstaunen noch gar nichts aufgebaut. Kein Tee und (vor allem) kein Essen. Das wäre jetzt mal ganz was Neues gewesen, dass es nichts zu essen geben sollte. Die Aussage der Damen von der Lodge war auch: heute keine Tea-Time. Wäre jetzt auch nicht schlimm gewesen, wenn es nicht alle zwei Stunden was zu essen gibt. Wir haben die Zeit genutzt, um mal ein paar Fragen zur Logistik im Camp hier zu stellen. Man ist ja schon weit weg und eigentlich liegt das Camp auf einer Insel. Wir haben erfahren, dass immer dienstags ein Flieger mit Kühlprodukten kommt, also dem Fleisch, Gemüse, Salat, frischen Früchten etc. Den gesamten Rest muss man genau planen und bestellen, da kommt dann in weiteren Abständen ein LKW mit allem was sonst noch so benötigt wird, inkl. Fässern mit Treibstoff für Generator und Autos. Früher kam der mal bis auf die Insel. Das mit dem Wasser ist aber ein Problem und nachdem der LKW einmal für zwei Wochen steckengeblieben ist, fährt der nur noch soweit wie es geht und das Camp fährt dann mit den Booten dort hin und lädt alles um.
Roy kam mit einem anderen Guide, Gerrit, zu uns und hat uns unseren Bootsführer vorgestellt. Eigentlich hatte er gesagt, es wäre sein Bruder. Aber sie sind nur im Sinne „Brüder bei der Arbeit“ hat sich herausgestellt. Roy selbst würde die Ausfahrt mit den anderen vieren übernehmen. Da wir nicht ohne Begleitung zum Boot durften, lag ja „in der Wildnis“ (außerhalb des Elefantenzaunes), hat uns Gerrit begleitet. Am Bootsanleger angekommen haben wir dann erfahren, die Tea-Time gibt es heute für die Gruppen jeweils bei der Aktivität, daher war hier ein schönes kleines Buffet aufgebaut mit ein paar Samosas, Törtchen, Obst und Eiskaffee, Eistee und Limonade. Auf dem Bootsanleger stand eine festes Zelt mit einer Bar und vielen, gefüllten Kühlschränken. War sehr schön gemacht, es gab auch einen kleinen, mit Sand aufgeschütteten Strand, auf dem zwei Sonnenschirme und drei mal zwei Stühle aufgestellt waren. Wir erfuhren, dass noch ein weiteres Paar kommt für einen Bootsausflug. Wir haben dann mit dem Verkosten der Kleinigkeiten gewartet, damit die auch noch Fotos machen können, bevor wir das Arrangement zerstören. Hat auch fast funktioniert, sie hat versucht zu fotografieren, während er sich direkt den Leckeren gewidmet hat. War aber auch gut, was es hier gab!





Nachdem sich alle gestärkt hatten, haben wir zwei Boote bestiegen und sind losgefahren. Da wir alleine waren, konnten wir immer, wenn wir was gesehen haben, langsamer machen oder auch kurz anhalten. Die Landschaft und die Pflanzen hier waren sehr schön und mal etwas anderes als der Busch mit dem Auto. Wir wussten, dass wir mit dem Camp und unserem Zelt eigentlich direkt am Fluss bzw. eben dem Monachira-Kanal wohnten. Gesehen haben wir den aber nicht, da uns hohes Gras und Papyrus den Blick verstellten. Jetzt waren wir hinter der grünen Wand auf dem Wasser und konnten vom Fluss aus das Camp (nicht) sehen (der Papyrus verhindert auch die Sicht in die andere Richtung). Der Fluss ist nicht gerade und hat einige Biegungen. Hinter jeder Kurve ändert sich die Vegetation ein wenig, mal sieht man nur Papyrus, mal stehen Bäume am Wasser und an anderen Stellen ist das Gras mal kurz und man kann auf die Ebene hinaus blicken. Unterwegs sind uns Krokodile schlafend am Ufer begegnet, viele Vögel und viele Pflanzen. Neben Papyrus gab es auch einige andere Wasserpflanzen, wie weiße blühende Wasserlilien (wir würden die als so etwas wir Seerosen bezeichnen) und gelb blühenden Lotus.






Da wir nach dem Papyrus und was man damit machen kann gefragt hatten, hat uns Gerrit erzählt, Papier macht man nicht mehr draus, aber es gibt Leute, die den Papyrus ernten und essen. Und wir schmeckt jetzt Papyrus? Gerrit hat das Boot direkt am Rand an die Pflanzen herangefahren und eine Stange am Ende aus dem Wasser gezogen, man kann die dann einfach an der Bruchstelle schälen. Man erhält ein Art zylindrischen Kolben, der fasrig, schneeweiß und schwammartig ist. Mit der Hand kann man mühelos die Flüssigkeit aus dem Stängel pressen. Wir haben dann mal ein kleines Faserbündel abgezupft und probiert. Die ägyptischen Schriftrollen schmecken sicher nicht viel anders. Sehr ähnlich, wenn man Papier kauen würde, vielleicht ein wenig besser, wenn man länger kaut.
Am Ende unserer Fahrt gab es noch eine Familie Flusspferd. Hier kam dann auch das zweite Boot langsam angefahren und wir haben eine Weile nebeneinander auf dem Wasser gelegen und die Flusspferde beobachtet. Man hat aber schon gemerkt, auch hier haben die Guides Respekt vor den Tieren, halten Abstand und beobachten genau, was die Flusspferde treiben. Vermutlich können die hier auch Boote angreifen. Wenn die großen Tiere abtauchen, kann man ja auch nie wissen wo die wieder auftauchen, da ist Vorsicht sehr angebracht.
Hier haben wir gewendet und sind ein kleines Stück zurückgefahren, zu einer kleinen Bucht, in der man die beiden Boote nebeneinander parken konnte. Direkt am Ufer standen ein paar Bäume,auf denen Kuhreier (Cattle Egret) saßen und Nester hatten, zusammen mit ein paar anderen Vögeln. Es war ganz schön was los hier. Die haben sich pausenlos angemeckert und es gab auch den einen oder anderen Kampf, wenn mal einer auf dem falschen Ast gelandet ist. Während wir die Vögel beobachteten, was nicht langweilig wurde, so viel war da los, haben die Guides die großem Kühlboxen geöffnet und uns die Abenddrinks gemixt. Das Boot hatte einen kleinen fest montierten Tisch an Deck, mit Vertiefungen in die man seine Gläser oder Wasserflaschen stellen konnte, war sehr praktisch. Wir haben natürlich wieder Malariaprophylaxe betrieben mit Okavango-Gin mit Fitch&Leedes Tonic. Dazu gab es Nüsse, Cracker und Biltong. Die weißen Vögel kamen im Licht der Abendsonne richtig schön zur Geltung. Aber wir mussten ja noch zurück und wir waren bis hierher eine ganze Zeit unterwegs gewesen.







Jetzt drehten die Guides die Motoren auf und wir sind per Speedboot zurück Richtung Camp gefahren. Zum Sonnenuntergang haben wir noch einmal kurz angehalten und der Sonne beim Verschwinden hinter dem Horizont zugesehen. Danach ging es wieder mit Speed über den Fluss zurück. Kurz vor dem Dunkelwerden haben wir den Anleger erreicht.


Auf dem kleinen Strand war inzwischen ein Lagerfeuer entfacht worden und eine kleine Bar mit Sekt, Chardonnay und diversen Gins aufgebaut worden. Die Bar war ein aufklappbarer Holzkoffer in dem sich auch die Gläser befanden, superschön, die Kofferbar hätten wir am liebsten mit nach Hause genommen.



Das Feuer, das Licht, der Strand mit den Stühlen und die Bar waren total stimmungsvoll. Wir haben uns noch eine ganze Zeit mit dem zweiten Paar unterhalten, dass heute auch auf Bootstour war. Die beiden waren geschätzt noch keine 30. Sie kam ursprünglich aus Casablanca, Marokko, und er aus dem Norden von Frankreich. Jetzt leben beide zusammen in Paris. Sie war auf einer französischen Schule in Marokko und konnte wegen den daraus resultierenden Sprachprobleme nicht in Marokko studieren und ist deswegen nach Paris an die Sorbonne gegangen und dort geblieben. Er hatte wohl schon mehr Safarierfahrung seit seiner Kindheit. Trotzdem hatten sie die Kälte unterschätzt und für Afrika die Sommersachen eingepackt. Wir haben uns sehr lange unterhalten, bis die Sektfalsche leer und es stockdunkel war und der Mond schon aufging. Wenn hier mal jemand her kommt: die Bootsfahrt auf keinen Fall auslassen!

Unser Guide hat uns dann zum Abendessen geführt. Das Essen hier ist – wie schon erwähnt – richtig gut und zum Glück sind die Portionen nicht so groß. Eigentlich hätte ein Pinotage sehr gut zum Essen gepasst, aber ein Gast, der uns auch schon aufgefallen war, hat alle Vorräte gestern ausgetrunken. Der Shiraz war aber auch gut. Zum Abschluss gab es noch einen Espresso (die Maschine macht die Tassen viel zu voll) mit Amarula. Da kann man sich richtig dran gewöhnen, wenn man die Milch weglassen will. Nebenbei haben wir erfahren, dass unser Flug morgen erst um 16:20 Uhr am Nachmittag geht und wir noch viel Zeit haben. Abfahrt um 15:00 Uhr und da nur noch drei Zelte belegt sind, müssen wir nicht um 10 Uhr raus sein, sondern können uns noch mal duschen und umziehen nach dem Mittagessen. Sehr entspannt.



Bei unserem Digestif haben wir uns noch mit Roy und einem anderen Guide unterhalten. War spannend, da die ein wenig aus ihrer Kultur erzählt haben. Der zweite Guide hat sich selber als Khoisan bezeichnet, ein Elternteil Khoikhoi und einer San. Beide Bevölkerungsgruppen würden wir umgangssprachlich als „Buschmänner“ bezeichnen. Die Sprachen der beiden Stämme sind aber in vielen Wörtern unterschiedlich. Er hat den Verlust der Kultur beklagt. Die Buschleute dürfen, wenn überhaupt, nur noch außerhalb der Nationalparks jagen, obwohl das ein zentraler Bestandteil ihrer Kultur ist. Der Großvater hat noch gejagt und dann wurden das Fleisch von den erlegten Tieren zusammen mit heller Erde, die einen erhöhten Salzanteil enthält, in die Tierhaut eingeschlagen, in einer Grube ein Feuer entfacht und das Fleisch in der Tierhaut dort hineingelegt und zugedeckt. Wenn man nach ein paar Stunden wiederkam, war das Fleisch gar.
Weitere Informationen haben wir noch zu den Tieren an sich erhalten. Diese haben eine Komfortzone, eine Alarmzone und eine Verteidigungszone und man muss beim Annähern genau auf die Reaktion der Tiere achten, um zu wissen, in welchem Bereich man sich aufhält und wie weit man gehen darf. In der Komfortzone kann man sich aufhalten und die Tiere ignorieren dass man da ist. In der Alarmzone beobachten sie genau was man macht, sind angespannt und ändern ihr Verhalten. Kommt man noch näher wird man angegriffen, zur eigenen Verteidigung. Das muss man beachten und sollte nie zu nah an ein Tier herangehen/-fahren. Was anderes ist, wenn man sich nicht bewegt und das Tier von selbst an einem vorbei geht. Wenn man zu Fuß einen Löwen trifft, wissen wir aber nicht, wo die Komfortzone endet und ab wann man wohl (selbst Schuld!) gefressen wird.
Wir hätten gerne noch mehr gefragt (blöd, dass wir das nicht in den vorigen Camps schon gemacht haben), aber die beiden wirkten etwas geschafft heute Abend. Sie haben noch erzählt, dass ein Gast (der, der den ganzen Pinotage ausgetrunken hat) letzte Nacht noch bis 1 Uhr an der Bar war (bis der Pinotage endgültig alle war, fragt man sich unweigerlich) und sie mussten warten, dann es darf keiner unbegleitet herumlaufen in der Nacht. Da wollten wir nicht länger aufhalten und haben uns nach einem letzten Blick auf den erleuchteten Hauptbereich zu unserem Zelt bringen lassen und erst mal die Heizdecken angeschaltet und sind dann schnell ins warme Bett gegangen, denn wenn die Sonne untergeht, wird es hier, wie immer, sehr schnell kalt.

Dienstag, 02.06.2026
Wir haben ja schon immer darauf gewartet, dass man mal den Schatten von einem Flusspferd oder ähnlichem durch das Fliegengitter sieht. Heute Nacht wachte Katja auf und sah direkt einer großen Katze mit Leopardenmuster in die Augen, die direkt vor dem Fliegengitter saß (keine 2m entfernt) und ins Zelt geschaut hat. Sie hat auch auf die Bewegungen reagiert und geblinzelt, das war gut zu sehen, und ist aber dann doch nach einiger Zeit (zum Glück, Katja konnte dann auch wieder atmen) verschwunden. Die Zeltwände stellen jetzt keinen großartigen Schutz dar. Man stellt sich immer vor, wenn die eine Kralle ausfährt, dann ist da schnell ein Schlitz in der Plane oder im Fliegengitter. Später in der Nacht, hat man noch ein Tier über die kleine Holzbrücke, die zu unserer Tür führt, laufen gehört und irgendwas ist zwei Mal gegen die Tür gerumpelt. Zum Glück war das wenigstens eine richtige Holztür, mit Schloss. Das war dann schon ein bissel aufregend gewesen, wir sind ja mit solchen Situationen jetzt noch nicht wirklich vertraut. Puhhhh….
Aufstehen war wieder um 6 Uhr, dann schnell mit warmen Wasser im eiskalten Zelt waschen und diesmal haben wir auf Roy gewartet, der uns abholt. Wir haben ihm von den Erlebnissen der Nacht erzählt und er hat sich die Spuren auf dem Weg im Sand angeschaut. Dort gab es einen Fußabdruck von einem Pavian und einen Abdruck einer Katzenpfote, der zu einer Zibetkatze gehört. Diese sind scheu und nachtaktiv und man sieht sie nur sehr selten. Aber sie sind trotzdem gerne in der Nähe von Menschen. Umlaufend um unser Zelt war eine breiter Sockel. Da ist die wohl drüber gelaufen, hat sich hingesetzt und uns beim Schlafen zugeschaut. Wenn man denkt, die hockt auf dem Boden und schaut rein, dann wirkt das gefühlt viel größer. Roy hat sich schier totgelacht ob unserer Angst. Naja, der kennt sich halt auch aus…
Auch heute morgen war nur ein Müsli und ein Joghurt für uns drin, den wir wieder wegen der Malariatablette essen sollten. Auf die frisch zubereiteten Eiervariationen, Wurst, Käse etc. haben wir verzichtet, da es noch viel zu früh war. Danach ging es wieder auf Ausfahrt zusammen mit den Brasilianern, die während unsere Bootsfahrt weiter die Löwen beobachtet und den Leoparden gesucht haten. Man fragt sich, ob die hier nur einen haben, den sie für die Touristen angestellt haben… Zunächst gab es nur schöne Landschaft im Sonnenaufgang und ein paar Vögel zu sehen. Einmal sprintete eine Gazelle mit vollem Tempo über den Weg vor dem Auto vorbei. Roy ist dann gleich abgebogen und durch das hohe Gras gefahren, um zu schauen, wovor die Gazelle davongerannt ist, aber er konnte kein Raubtier entdecken.



Da die Brasilianer gestern nicht Boot fahren wollten, hat man sie wohl zum Mokoro gedrängt, bevor sie heute Vormittag zurückfliegen, um den Flug nach Hause zu erwischen. Beim Mokoro angekommen, hat ihnen Roy gesagt, wir wären dann gegen 9:15 Uhr wieder zurück, um sie abzuholen und sich dann mit dem Wagen zu treffen, der sie zum Airstrip fährt und das Gepäck dabei hat. Sie fanden die Zeit zu lang und wollten schon um 8:45 Uhr wieder zurück sein. Wir haben vermutlich innerlich die Augen verdreht, denn die Katzenfixierung der vier war echt anstrengend. Roy hat sich solche Mühe gegeben mit Details über das Leben der Tiere im Busch, immer wieder mit Knochen toter Tiere Zusammenhänge und Körperbau, wie auch den Aufbau von Hörnern erklärt, Pflanzen, Termitenhügel alles, aber die wollten nur Katzen sehen, alles andere war egal. Roy hat daraufhin mit Big Sam, der hier für das Mokoro zuständig schien, in deren Sprache gesprochen. Keine Ahnung was er ihm gesagt hat, aber es muss was in der Form gewesen sein, dass er nicht früher wieder zurück kommt. Wie die vier Brasilianer ausgestiegen waren, hat er nur was vor sich hingemurmelt wie „ich hoffe die finden den Leoparden“. Wir haben nicht näher nachgefragt, warum und was passiert, wenn „sie“ (die anderen Guides?) ihn nicht finden.





Auf einer Wiese nebenan stand ein Vogel, den uns Roy als „german bird“ (deutscher Vogel) gezeigt hat. Eigentlich ein saddle-billed stork (Sattelstorch), der einen auffälligen gelben Sattel auf dem Schnabel hat und damit in der Farbkombination Schwarz, Rot, Gelb daher kommt.



Wir sind dann alleine mit Roy weiter gefahren. Das erste was wir gefunden haben, waren die zwei Strauße, die es hier auf der Insel gibt. Herr Strauß war im vollem Balzgewand zu sehen heute. Dafür färben sich die Beine unterhalb der Knie pink ein und wenn das Pink am „leuchtesten“ ist (Roy sprach von Tanzsocken), vollführen die Straußenmänner einen Tanz, um die Dame zu beeindrucken. Muss wohl gestern Abend die Zeit gewesen sein, aber die pinken Streifen vorne am Bein waren immer noch sehr gut zu sehen.



Der zweite große Vogel war ein Southern Ground Hornbill (Südlicher Hornrabe). Ein Vogel der stark vom Aussterben bedroht ist. Wegen seiner schwarzen Farbe wird er von den Menschen gejagt, weil schwarze Tiere Unglück bringen (vergleiche schwarze Katzen bei uns). Sein großer Nachteil ist, dass er nur alle fünf Jahre ein Ei legt und ausbrütet und auch immer nur ein einziges. Die Jungen brauchen dann 9 Jahre um selber Nachwuchs zu bekommen. Mit der Reproduktionsrate ist es schwierig nicht auszusterben. Interessante Geschichte dazu, der Vogel frisst alles, was der Mensch nicht mag, wie Kleinsäuger (Ratte, Maus), Skorpione und Schlangen. Wenn er einer Schlange begegnet, breitet er seine Flügel aus, denn darunter hat er eine dicke, nicht durchblutete Lederhaut, in die die Schlange dann beißt und ihre Giftdrüsen leert, ohne dass das Gift in den Blutkreislauf des Vogels gelangt. Wenn die Schlange dann giftlos und damit harmlos und geschwächt ist, kann er sie einfach fressen. Dabei hilft ihm dann noch sein Schnabel, der sich nicht komplett schließen lässt. Man erkennt immer einen Spalt zwischen oberen und unterem Schnabel. Endlich mal was anderes als Löwen auf der Ausfahrt…



Wir haben auch die Löwen noch mal gesehen, zuerst die Mutter der beiden Geschwister, die ist aktuell schon wieder schwanger, danach dann auch die beiden Brüder, die alten Löwen. Vermutlich hat Roy gemerkt, dass wir bei den Löwen nicht mehr so ziehen und er ist eigentlich sehr schnell weitergefahren und hat sich gar nicht lange bei den Löwen aufgehalten. Irgendwie waren es auch immer noch die gleichen Löwen wie gestern und Großkatzen machen auch nicht viel was anderes wie unsere Hauskatzen: den größten Teil des Tages irgendwo rumliegen und schlafen oder zumindest dösen.



Zum Abschluss sind wir noch einer Elefantenherde begegnet, die einen kleinen Babyelefanten dabei hatten. Total goldig die kleinen.



Wir mussten dann wieder zurück zum Mokoro, um die Brasilianer abzuholen. Die waren noch nicht ganz wieder zurück, offensichtlich gab es keine Verkürzung der Ausfahrt und Roy wusste das schon. Danach ging es noch ein wenig durch die Landschaft, bis wir am Ende auf dem Kaffeepausenplatz angekommen sind, einem Platz bzw. einer Fläche mit sehr kurzem Gras in dem sich nichts verstecken konnte. Die Brasilianer haben den Wagen gewechselt und sind Richtung Airstrip abgefahren, Roy hat erst mal die Taschen ausgepackt und es gab Kaffee und Kekse. Leider hatten sie ihm nur Milch, aber keinen Amarula eingepackt. Wir haben uns noch ein wenig mit Roy unterhalten, er hat sich nicht ganz so konkret zu den Gästen, die nur an einem Tier interessiert sind geäußert wie On vor ein zwei Tagen, aber es dürfte das gleiche Problem für alle Guides sein, die ihre Kultur, Tiere und Natur als Ganzes vermitteln möchten.
Anschließend ging es wieder zurück ins Camp. Da keiner nach uns das Zelt benötigte, hatten wir ja noch schön viel Zeit. Wir haben noch ein paar Kleinigkeiten im Souvenirshop eingekauft, der eine Einheit mit der Rezeption bildete und damit irgendwie 24h geöffnet war. Unser Wohnzelt war vom Housekeeping inzwischen wieder aufgeräumt, das Bett gemacht und alles sauber. Wenigstens haben sie unsere Handtücher nicht noch durch frische ersetzt. Sie hätten auch gar nichts machen brauchen, schließlich waren wir nur noch kurz hier.
Zum Mittagessen gab es wieder Brot, Butter, drei Salate, frittierter Fisch mit Bratkartoffeln und drei Sorten Eis zum Auswählen. Was die hier jeden Tag zaubern und wie sie die Logistik hinbekommen, damit auch immer alles da ist, was man benötigt für die Gerichte, das ist schon bewundernswert. Die Teller sind sehr schön angerichtet. Es schmeckt nicht nur ausgezeichnet, es sieht auch noch so aus.





Wir hatten nach dem Mittagessen noch mal ein wenig Zeit zum duschen und ausspannen, bevor es auch für uns heißt, von hier Abschied zu nehmen. Es war wunderschön hier im Okavango-Delta. Wir hätten hier auch noch viel länger bleiben können, zumindest solange man keine Leute mit einer totalen Katzenfixierung im Auto sitzen hat. Ein letztes Mal konnten wir aber noch unsere schöne Terrasse nutzen, im Schatten sitzen und ein wenig in die Ferne schauen, bis wir alles packen und uns zur Tea Time einfinden mussten, um Richtung Airstrip aufzubrechen.



Zur Tea Time gab es Minipizzen, die waren sehr gut, aber so kurz nach dem Mittagessen hat man keinen Platz mehr im Magen für noch mehr Essen. Roy hat unser Gepäck in den Wagen geladen und wir haben uns von den herzlichen Menschen hier verabschiedet, die mit bis zum Wagen gekommen sind, um uns Lebwohl zu winken. Da noch Zeit war, hatten wir auch hier noch einmal eine kleine Ausfahrt, die auf dem Airstrip endete. Unser Flug hatte inzwischen auch „Verspätung“ und war auf 16:35 Uhr verschoben worden. Wenn man 15 Minuten überhaupt als Verspätung werten kann. Wir sind noch mal ein paar Bäume abgefahren, die Brasilianer waren zwar weg, aber anscheinend ging die Suche nach dem Leoparden noch weiter. Das Camp hatte noch vier Gäste auf einem weiteren Wagen. Da kam es sicher gelegen, wenn noch ein paar andere Fahrzeuge unterwegs sind, um Tiere aufzuspüren und zu melden. Mit uns saß noch ein weiterer Guide im Auto, der auf den gleichen Flug gebucht war wie wir. Wir haben die Elefanten noch einmal gesehen und auch das verletzte Flusspferd, dass unter einem Baum im Schatten stand. Ansonsten war es von Tieren her nicht so ergiebig. Normalerweise ist morgens und zum Sonnenuntergang mehr zu entdecken, unter tags, wenn es warm ist, suchen sich die Tiere auch lieber einen Schattenplatz und halten Siesta. So haben wir noch ein wenig die schöne Landschaft bewundern können und sind dann am Airstrip angekommen, in dem Moment zu dem auch der Flieger gerade landete (die verspätete Ladung war für 16:25 Uhr angekündigt, das war dann aber auf die Minute genau). Es stiegen zwei Passagiere aus, die nach Monachira wollten und die Roy dann direkt wieder mitnehmen konnte und wie stiegen ein, zusammen mit dem Guide, der jetzt seine zwei Wochen Pause hat.



Der Flug nach Maun dauerte nur ca. 15 Minuten und wir hatten noch mal einen letzten Blick von oben auf die Flussläufe, Seen und die grünen Inseln dazwischen.


