Freitag, 29.5.2026

Ein letzter Blick nach dem Start auf die Chobe Game Lodge und los ging es Richtung Delta.

Auf dem Weg nach Gomoti hatten wir mit dem Flieger zwei Zwischenstopps. Beim ersten sind zwei Passagiere ausgestiegen, beim zweiten sind zwei ausgestiegen und drei Mitarbeiter einer dortigen Lodge wollten ebenfalls mitfliegen. Zwei wurden mitgenommen, der dritte hatte wohl auch ein Ticket, aber es gab irgendein Problem, aber keine Diskussion… Er ist einfach auf dem Airstrip stehen gelassen worden. Das macht gleich einen guten Eindruck, wenn man weiß, dass das Ticket, das man selbst dabei hat, falsch ausgestellt ist. Nicht, dass uns in ein paar Tagen vielleicht ein ähnliches Schicksal bevorsteht. Aber der Flug selbst war toll, wir hatten einen sehr schönen Blick auf das Delta und mit der geringen Flughöhe bei den kurzen Hüpfern kann man da schon viel sehen.

Am Airstrip von Gomoti sind nur wir ausgestiegen, die übrigen drei Passagiere sind weitergeflogen nach Maun, das auch nur noch ca. 10 Flugminuten etwas weiter südlich liegt. Abgeholt wurden wir von On (so wie „Off“, wie er selbst sagte), dem Headguide der Lodge. Der Weg vom Airstrip zum Camp dauerte so ca. 30-35 Minuten und führte über eine abenteuerliche Holzbrücke, wie man sie aus schlechten Filmen kennt und durch[!] einen kleinen See, bei dem das Wasser ganz knapp nicht ins Auto schwappte. Sehr abenteuerliche Anfahrt, aber die einzige, die zum Gomoti Plains Camp führt.

Das Mittagessen, das hier als Brunch ab 11:30 Uhr serviert wird, hatten wir verpasst, aber wir hatten es heute Morgen in Chobe doch noch knapp zum Frühstück geschafft und so war das kein Problem. Wir sind kurz nach 14 Uhr angekommen und um 15 Uhr gab es schon wieder High Tea mit Kleinigkeiten zu essen. Auf Safari zu verhungern ist unmöglich. Die Löwen sollen vermutlich auch nicht an dürren Touristen herumnagen müssen.

Wir wurden zu unserem Zelt begleitet, das direkt als erstes am Weg neben dem Zentralbereich lag. „Hauptgebäude“ kann man nicht wirklich schreiben, denn erstens ist alles offen zum Fluss hin und zweitens bestehen die Gebäude nur aus Zelten, die auch schnell wieder abgebaut werden können. Es soll wohl nach Schließung einer Lodge nichts zurückbleiben, also muss alles entweder demontierbar oder biologisch abbaubar sein, innerhalb von 1,5 Jahren laut Beschreibung. Unser Zelt war ein Familienzelt, es hatte zwei Schlafbereiche mit jeweils einem großen Doppelbett, dazwischen einen Wohnbereich mit Sofa und Tisch und zwei Bäder, jeweils mit Toilette, zwei Waschbecken und einer Innen- und einer Außendusche. Wir haben nur ein Bett und ein Bad benötigt. Die Bäder/Toiletten haben allerdings auch keine festen Wände. In der Beschreibung der Lodge stand bei „Bad“ die Bezeichnung „one room“, was wohl so viel wie „Schlafzimmer, Wohnzimmer und Bad sind ein Raum“ bedeuten sollte. Man konnte eine Zeltplane herablassen als Sichtschutz, geschlossen worden wäre diese klassisch mit Reißverschlüssen.

Auch die „Tür“ zum Zelt war, wie beim eigenen Zelt auf dem Campingplatz, der Reißverschluss zum durchschlüpfen. Beim Verlassen des Zeltes musste man die drei Reisverschlüsse (einer senkrecht, zwei waagrecht ganz unten an der Plane nach links und rechts) mit einem kleinen Karabiner sichern. Die Paviane haben anscheinend gelernt den Reißverschluss zu öffnen, scheitern aber (noch?) beim Entfernen des Karabiners. Auch wenn es ein wenig Campinggefühl vermittelt, es ist schon Luxuscamping. Eine Wohnung mit zwei Zimmern, Küche, Bad hat nicht so viele Quadratmeter wie dieses Zelt. Außerdem gibt es Strom und fließend warmes und kaltes Wasser und eine richtige Toilette und Dusche. Ganz wichtig scheint die Nespressomaschine auf dem Zimmer zu sein, die es in jedem Camp und in jedem Hotel gab. Hier auch, aber es standen keine Kapseln daneben. Diese haben wir zusammen mit dem Zucker und der Milch im Tresor eingeschlossen gefunden. Wirkte so, als wären die Paviane daran interessiert. Wir haben das ganze dann auch mal darin belassen. Der Tresor war ansonsten etwas witzlos, weil er einfach im Regal stand, d.h. man konnte ihn einfach wegtragen oder woanders hinstellen. Mehr, als den Affen den Zucker vorzuenthalten, konnte der so oder so nicht.

Neben der Nespressomaschine, ist auch der Jura Kaffeevollautomat nicht aus dem Gemeinschaftsbereich wegzudenken. Schon in Namibia sind uns die Maschinen in den Camps begegnet und auch im Hotel in Windhoek. Hier gehört sie ebenfalls zur Grundausstattung und man ist überall stolz darauf eine zu besitzen. Internet gibt es aber nur halbwegs verlässlich im Zelt, im Hauptbereich nur bedingt, wenn man das Internet vom ersten Zelt noch mit etwas Glück empfängt, am Pool ist Digital-Detox-Zone. Laut Campbeschreibung ist dies aber auch so gewollt, um sich mit der Natur anstatt dem Internet zu verbinden.

Auch hier darf man im Dunkeln nicht alleine draußen herumlaufen. Die Zäune halten nur Elefanten ab, aber keine Raubkatzen und die Nilpferde kommen wenn dann sowieso von der Wasserseite herein. Die Tatsache, dass hier vor wilden Tieren gewarnt wird und man nur ein wenig dickeres Fliegengitter hat zur Außenwelt, ist schon ein merkwürdiges Gefühl. Wie schon die ganze Reise mussten wir auch hier wieder unterschreiben, dass wir das Camp nicht verantwortlichen machen und es unsere eigene Schuld ist, wenn wir gefressen werden.

Das Camp wird tagsüber mittels einer Solaranlage mit 600 Paneelen (geschätzte 300 m²) versorgt, nachts liefert ein Generator den Strom. Anscheinend fällt beim Umschalten für ein paar Sekunden der Strom aus. Haben wir aber nie bemerkt, da wir beide Abende zum Sonnenuntergang im Busch unterwegs waren. Statt eines Telefons gibt es auch hier, wie schon im Camp Sossus, ein Funkgerät, mit dem man sich mit dem Personal verständigen kann, wenn ein Tier bei einem im Zelt steht, man zu den zentralen Zelten eskortiert werden möchte oder sonst ein Notfall ansteht. Dazu gab es noch eine Akkutaschenlampe für alle Fälle. Das Zelt hatte in jedem Abschnitt Licht, Lichtschalter hingen in den Ecken von der Decke.

Nachdem wir uns eingerichtet und umgezogen hatten, gab es auch schon High Tea mit ein paar herzhaften Snacks.

Dabei hat uns On mit ein paar Informationen über die Gegend versorgt und das Verhalten auf den Ausfahrten verdeutlicht (nicht aufstehen, keinen Lärm machen, nicht aussteigen, wenn man einen Busch benötigt, dann Bescheid sagen, damit er einen sicheren Busch suchen kann etc.). Es gibt in dem Camp neben den Ausfahrten noch die Möglichkeit einen Ausflug in einem der traditionellen, schmalen Boote (Einbaum, heute Glasfieber) „Mokoro„, die durch einen „Poler“ mit einer langen Stange angetrieben werden, ähnlich den Kahnfahrten im Spreewald, zu unternehmen. Da wir nur zwei Nächte hier sein werden, wurde uns nahegelegt, das nicht hier zu machen, sondern ggf. im nächsten Camp. Die Mokorofahrten wären eher was für die Erfahrung, sehen würde man dabei nichts, da sollten wir lieber bei den Ausfahrten bleiben. Zu manchen Jahreszeiten gibt es auch „Walking Safaris“. Aber die werden zur Zeit nicht durchgeführt, weil das Gras zu hoch ist und man nichts sieht. Vor allem nicht den Löwen, bis er einen frisst und dann wäre man ja selbst schuld 🙂 Da sind Autos doch angenehmer. Wir kennen das Gelände jetzt nur mit hohem Gras, ob das zu Fuß herumlaufen und wilde Tiere aufspüren, ohne Schutz von einem Fahrzeug, wirklich Spaß macht, können wir nicht näher beschreiben, aufregend dürfte es aber schon sein.

Bei der ersten Ausfahrt heute Nachmittag/Abend waren wir alleine im Auto mit On. Das war sehr gut, denn wir konnten sagen, was wir gerne sehen wollten. Da man nichts erzwingen kann und oft die besten Begegnungen mit Tieren spontan passieren, haben wir gesagt, wir nehmen einfach alles was kommt, Vögel wären mal ganz interessant, da wurde bisher noch nirgends so richtig darauf eingegangen. Und schon ging es los, wieder durch den See und über die Brücke. On kennt sich auch sehr gut mit der örtlichen Vogelwelt aus. Auf dem „Zimmer“ (im Zelt) gab es ein Heftchen mit allen Tieren und Pflanzen, die man theoretisch sehen könnte, zum Teil braucht man aber auch ganz viel Glück. Hier kann man notieren, was man gesehen hat, was ganz gut ist, denn die Namen kann man sich auf die Schnelle gar nicht alle merken. Heute Nachmittag gab es tatsächlich hauptsächlich Vögel zu sehen. Was aber nach Tausenden von Impalas eine sehr willkommene Abwechslung gewesen ist. Gerade auch die Vogelwelt hier im Okavangodelta hat viele sehr schöne, bunte Arten zu bieten. Einer der Vögel hätte es fast zum botswanischen Nationalvogel geschafft, da er beim Fliegen sein buntes Gefieder zeigt und fast so aussieht wie die botswanische Nationalflagge. Viele der Vögel hatten wir noch gar nicht gesehen oder man kennt diese nur aus Tierfilmen oder aus dem Zoo.

Gegen Sonnenuntergang liefen uns dann erst noch eine einsame Giraffe mit einer dicken Backe (also tatsächlich einer sehr dicken Backe, die muss große Zahnschmerzen gehabt haben) über den Weg. Anschließend haben wir noch mehr Giraffen gesehen, die in dem schönen Licht der Nachmittagssonne noch schöner aussehen und es lassen sich gute Bilder der großen Tiere machen. So groß, dass man mit dem Teleobjektiv ein Problem bekommt, wenn die zu nah ans Auto herankommen. Dann passen die einfach nicht mehr ins Bild.

On hat sich eine sichere Stelle neben einem See gesucht und eine kleine Bar vorne an seinem Geländewagen aufgebaut. Es gab natürlich wieder einen Gin and Tonic, schließlich sind wir in einem Malaria-Risiko-Gebiet, da muss man jede Möglichkeit der Prävention nutzen. Wir sind natürlich aber auch durch unseren lieben und besten Hausarzt, den man sich wünschen kann, bestens versorgt und auch beraten worden. Auch On hatte alles dabei. Während auf den vorherigen Safaris der Gordons Gin dominiert hat, hatte On einen Okavango-Gin dabei, mit südafrikanischem Fitch&Leedes Tonic. Eine richtig gute Kombination. Es gab auch die Zitronenscheibe für in den Drink, dafür waren extra eine Zitrone, ein Brett und ein Messer zum Aufschneiden mit in der Kühlbox. Zum Knabbern gab es gefüllte Teigtaschen, getrocknete Würstchen (verm. Kudu oder ähnliches) und Pekannüsse. Da wir nichts zu Mittag gegessen hatten, kamen die Snacks gerade recht. Nachdem wir ausgetrunken und zusammengepackt hatten, ging es wieder zurück zum Camp. Zum Glück hatte On Decken dabei, denn wenn die Sonne unter geht, wird es schlagartig auch echt kalt.

Da wir ein ganzen Stück entfernt waren, wurde es auf dem Rückweg richtig dunkel. On hat dann einen Handscheinwerfer ausgepackt und auf dem Weg zurück nach Tieren der Nacht, vor allem Raubtieren gesucht. Die Hoffnung ist, dass einen die Tiere in dem Moment anschauen, wenn man sie kurz anleuchtet und die Augen das Licht reflektieren. Dabei, so haben wir gelernt, muss man darauf achten die Tiere nicht zu lange anzuleuchten, um nicht die Beutejagd zu beeinflussen. Leuchtet man ein Beutetier zu lange an, ist dieses geblendet und erkennt den Angreifer nicht mehr und der Jäger hat ein leichtes Spiel. Wenn man einen Jäger zu lange anleuchtet, erkennt die Beute diesen zu früh und der Jäger geht leer aus. Hier sollte man nicht zu stark in den natürlichen Kreislauf des Lebens eingreifen. Wir haben allerdings keine Großkatzen gefunden, nur Impalas und eine Eule, die auf einem Baum saß.

Im Camp zurück angekommen wurden wir mit feuchten Handtüchern begrüßt und lernten auch den Campmanager Steven und seine Frau kennen. Wir hatten zwar das erste Zelt nebenan, aber auch hier durfte man nach Sonnuntergang nicht alleine zum Zelt oder zurück gehen. Daher ist das Umziehen (man soll sich für abends ja eben was Schickeres zum anziehen mitnehmen, haben sie geschrieben, ja, ja) auch wieder ausgefallen. Es gab zunächst einmal einen Drink von der Bar im schönen Loungebereich, um sich ans Lagerfeuer zu setzen. Dafür war ein Stuhl(halb)kreis um eine Feuerschale mit Blick auf den Fluss auf einer aufgeschütteten Sandfläche aufgestellt worden. Hier hat Steven mit einem grünen Laserpointer eine Einführung in die Sternbilder gegeben. Da es einen Tag vor Vollmond war, sah man nur die hellen Sterne, leider nicht die Milchstraße, die wir noch in Doro Nawas und Camp Sossus sehen konnten. Aber es sind immer noch mehr Sterne zu sehen, als bei uns ohne Mond. Jetzt sind wir auch informiert, wie man mittels Kreuz des Südens und den zwei Pointern den Südpunkt am Himmel bestimmt. Bei uns im Norden steht zufällig genau der Polarstern als Zirkumpolarstern im Norden und bewegt sich nicht. Im Süden gibt es genau an der Stelle, um die sich alle Sterne drehen, nichts. Daher muss man ein paar Linien mit den gut erkennbaren Sternbildern ziehen, um „True South“ bestimmen zu können.

Zum Abendessen gab es neben Brot und Butter eine Karotten-Ingwer-Suppe und geräuchertes Wildcarpaccio und als Hautspeise Hühnchen. Zur Nachspeise ein Eis, dass zwar aus drei Zeilen Beschreibung in der Speisekarte bestand, aber dann zum Glück kleiner war als es sich angehört hat. Zum Abschluss noch einen Espresso (man wird gefragt nach einfach oder doppelt… Der einfache Espresso passt so grad in eine normale Kaffeetasse. Keine Ahnung, wie ein doppelter serviert werden würde) mit einem südafrikanischen Brandy, nochmal kurz am Feuer.

Es ging dann zurück zum Zelt, es war zwar noch nicht so spät, noch keine 21 Uhr, aber heute morgen mussten wir in Chobe schon um 5 Uhr aufstehen. Hier dürfen wir bis 6 Uhr schlafen. Das ist dann so richtig Urlaub, wenn man mal ganz lange ausschlafen kann. Die Nacht ist hier richtig laut. Es gibt hier richtig viele Frösche, die quaken (manche machen auch ein klackerndes Geräusch) und Flusspferde, die auch grunzen und schnauben und die man fressen und schmatzen hört. Es ist ja kein Zimmer mit Wänden, sondern zum Fluss hin haben wir nur das dicke Fliegengitter, durch das man durchschauen kann auf die Wiese vor dem Zelt und den Fluss. Die Flusspferde gehen nachts an Land, aber wir haben jetzt keines vor unserer Tür gesehen.

Samstag, 30.5.2026

Gegen halb drei Uhr wurden wir jäh aus dem Schlaf gerissen. Irgendwas war unter dem Holzboden von unserem Zelt und hat dort randaliert. Es war ein richtig lautes Kratzgeräusch zu hören. Eigentlich hörte es sich so an, als würde irgendwas sich durch den Holzboden nagen wollen. Man hat auch die Vibrationen gespürt, wenn man auf der Stelle drauf stand, das Tier war ganz schön aktiv unter unseren Füßen. Wir waren natürlich hellwach und wussten nicht welches Tier sich unter uns befindet und was es da macht und ob es sich versucht durch den Boden nach oben zu nagen oder nicht. Also irgendein Tier, das man nicht kennt, wollten wir nicht in unserem Zeit haben, über draußen kann man noch reden. Wir haben dann durch Klopfen auf dem Boden, drüberlaufen und rumtrampeln versucht auf uns aufmerksam zu machen, damit das Tier weiß, dass wir da sind und es sich noch mal überlegt, was es jetzt vor hat. Nach einiger Zeit hat es dann aufgehört und es wurde wieder ruhig und wir konnten versuchen wieder einzuschlafen, was gar nicht so einfach ist, wenn man weiß, dass man als Trennung zwischen Wildnis und sich selbst nur eine dünne Zeltplane bzw. ein Fliegengitter hat. Am nächsten Morgen meinte On, es könnte ein Stachelschwein, ein Honigdachs oder ein Warzenschwein gewesen sein.

Der Wecker hat uns pünktlich um 6 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Inzwischen war es richtig kalt geworden, es waren vielleicht noch so 8-10 Grad (drinnen wie draußen). Duschen haben wir auf die wärme Mittagszeit verschoben und uns so viele Lagen wie möglich angezogen. Kaffee gab es ab 6:30 Uhr, da wurde es schon langsam hell und wir konnten unbegleitet zum Zentralplatz laufen, an dem schon wieder ein Feuer in der Feuerschale brannte. Daneben stand ein Gusseisentopf mit Porridge und ein Tisch mit allen möglichen Dingen, die man sich dort hineinmischen möchte. Süßes und Gesundes, sowie Whiskey und Amarula (kein Witz). Für die, die kein Porridge möchten, gab es noch Brot, Obst, Joghurt und Müsli.

Nach dem Morgenkaffee, der ausdrücklich nicht als Frühstück deklariert war, haben wir unsere neuen Mitfahrer für die heutige Tour kennengelernt. Drei junge Frauen aus Shanghai, mindestens eine davon wohnt in London. Etwas untypisch für Chinesen war die sehr zurückhaltende und leise Art, von den Fotos und Selfies für Instagram und/oder WeChat einmal abgesehen. Die waren wieder eher typisch, das liegt aber ggf. auch an der Generation. Schon 2018 in China hat man uns erklärt, dass es einen Wandel in der chinesischen Art des Reisens gibt. Während die ältere Generation auf Gruppenreisen setzt und vor allem Hauptstädte besucht, setzt eine Trendwende bei der jungen Generation ein, hin zu Individualreisen. Wir hatten im späteren Verlauf der Reise noch einmal ein Gespräch mit einem Lodgemitarbeiter darüber, dass sie verhältnismäßig wenige chinesische Besucher haben. Das liegt vermutlich daran, dass sich Safaris (die Lodges haben ggf. nur 20-24 Betten insgesamt) schlecht als Gruppenreisen mit Hauptstädte kombinieren lassen. Kann sich aber mit der Generation, die jetzt unter 30 Jahre alt ist und lieber alleine, zu zweit oder max. mit ein paar Freunden verreist, alles ändern.

Die Chinesinnen haben die zwei hinteren Bänke im Auto genommen und uns die erste Reihe gelassen. War ganz freundlich, denn hinten musste man ins Auto klettern, ganz vorne gab es eine kleine Klappleiter am Einstieg. Und dann ging es auch schon los, durchs erste Wasser und über die Brücke. Am anderen Ende der Brücke hatten Arbeiter begonnen Sandsäcke zu füllen, um die Straße vor dem Wasser zu schützen. Normalerweise kommt gegen Ende April das Wasser aus Angola über den Okavango in das Delta und flutet die tieferen Lagen und die trockenen Flussbetten. Dieses Jahr erleben wir hier aber eine Ausnahmesituation. es gab bereits zur Regenzeit März/April/Anfang Mai außergewöhnlich große Regenmengen, so dass das Okavangodelta bereits vor dem Eintreffen der Flut gefüllt ist. Normalerweise würde jetzt erst die Flut aus Angola, gespeist von den Regenfällen, die dort ca. fünf Monate zuvor niedergegangen sind, das Delta auffüllen. Nun trifft aber die Flutwelle aus dem Norden auf ein bereits gefülltes Delta. Da kann es noch zu Problemen kommen und die Schutzmaßnahmen für den Fahrweg, die gerade laufen, die sind vermutlich nur der Anfang.

Wir sind Richtung Süden gefahren, in ein Gebiet, das allgemein von allen für Safaris genutzt werden kann. Gomoti Plains selbst ist eine „private concession“, da dürfen nur die Autos von unserem Camp fahren. Vorteil: man darf Nachtfahrten durchführen und, wenn man ein Tier gefunden hat, stehen nicht 20 Safariautos drum herum, wie wir das in Chobe erlebt haben. Nachteil: mit wenigen Autos muss jemand die Tiere erst einmal finden. In dem allgemeinen Gebiet sind viele Autos unterwegs und die Guides tauschen sich bei jeder Begegnung über Spuren und Funde aus. Damit hat man mehr Chancen auf bestimmte Tiere und das wollten wir nun ausnutzen.

Zunächst haben wir Zebras, Kudus und viele weitere Vögel gesehen. Darunter einen, der seinen Schnabel nicht richtig schließen kann, was aber zum fangen und knacken von Schlangen wohl von Vorteil ist. Der Vogel frisst anscheinend alles, was der Mensch i.A. nicht so gerne mag: Schlangen, Skorpione, Mäuse, Ratten u.s.w. Sollte man sich als Haustier mal überlegen.

Es gab auch noch ein paar Flusspferde auf dem Weg zu sehen. Wir haben gelernt, dass Gruppen von Tieren meist aus weiblichen Tieren bestehen, mit meist nur einem dominanten Männchen. Sieht man einzelne Tiere, handelt es sich oft um Männchen, die den Kampf um eine Herde verloren haben und alleine durch den Busch ziehen müssen. Vor diesen muss man sich besonders in Acht nehmen. Während eine Gruppe Schutz bietet und die Tiere entspannter sind, müssen Einzelgänger selbst und alleine für ihren Schutz sorgen, d.h. die greifen schon mal prophylaktisch an.

Nachdem On ein paar Spuren im Sand gesehen hat, hat er nach Raubkatzen im Gebüsch gesucht. Während in Chobe und in Namibia die Autos noch auf den bestehenden Wegen fahren mussten und diese nicht verlassen durften, kann man hier querfeldein fahren, egal ob da Sand, hohes Gras oder Sträucher sind. Die Sträucher haben keinen dicken Stamm und lassen sich ganz einfach überfahren und die Autos halten das problemlos aus. Also ist On systematisch die Ebene abgefahren, hat aber nichts außer Vögeln dabei aufgescheucht.

Ein paar Begegnungen mit anderen Fahrzeugen später hat On den Tipp bekommen, es gäbe da einen Leoparden, der gerade versucht sich ein Warzenschwein als Frühstück zu sichern. Da wurde es dann richtig abenteuerlich. Es ging dann nicht nur durch die Steppe, sondern in einen kleinen Wald hinein. Da das Auto kein Dach hatte, musste man hinten ganz schön aufpassen und sich vor den Ästen in Acht nehmen, die knapp quer über die Karosserie ragten. Da musste man sich ein paar mal in den Innenraum ducken, um nicht einen Ast an den Kopf zu bekommen. Aber es hat sich gelohnt, wir konnten zuerst das Warzenschein sehen und dann auch den Leoparden. Das Warzenschwein war schon schwer verwundet, lag auf dem Boden und konnte sich kaum mehr bewegen. Aber als der Leopard versucht hat schneller an sein Frühstück zu kommen, ist das Warzenschwein noch einmal aufgestanden und hat den Leoparden abgewehrt. Die Guides haben das ganz gut drauf ihre Autos so zu positionieren, dass man einen guten Blick auf die Tiere bekommt, aber auch so, dass sie aus dem Pulk wieder heraus kommen. Es wird immer wieder umgeparkt und Platz gemacht, damit alle Autos einmal einen guten Blick auf das Geschehen und die Tiere werfen können. Da jetzt erst mal nichts weiter zu erwarten war, hat On vorgeschlagen weiter zu fahren und lieber am Nachmittag noch einmal vorbeizukommen, um nachzuschauen, wie sich das Geschehen weiter entwickelt hat.

Auf der Suche nach weiteren schönen Motiven ging es auch noch durch ein richtig tiefes Wasser, bei dessen Durchfahrt das Wasser tatsächlich bei uns hinten in den Wagen lief und man die Füße hochnehmen musste, damit die Schuhe trocken blieben. Ein Pickup mit Arbeitern kam auch durch das Wasser gefahren. Der Fahrer ist nach der Durchfahrt erst einmal halb neben den Weg gefahren, als wollte er uns durchlassen. Als er dann aber die Tür aufgemacht hat, hat man gesehen, warum er das Auto auf einem Sandhügel neben der Straße leicht schräg abgestellt hat: aus dem Innenraum kam ein ganzer Wasserschwall durch die offene Tür herausgelaufen. Bei On war die Fahrerkabine wenigstens solange wasserdicht wie das Wasser nicht über die Tür schwappt.

An einem kleinen See gab es erst mal eine Kaffeepause, bzw. Tee für unsere netten chinesischen Begleiterinnen. On hatte eine Flasche Amarula eingepackt bekommen und uns vorgeschlagen statt Milch diesen zu verwenden im Kaffee, wir müssten ja nicht mehr fahren. Eine sehr guter Vorschlag, daran könnte man sich gewöhnen, zusammen mit Kaffee gibt das einen sehr guten Geschmack. Leider muss man zu oft morgens noch Autofahren oder arbeiten zu Hause. So wird es die Kombi nicht wirklich oft geben können.

Zurück ging es noch mal durchs tiefe Wasser und an ein paar frühstückenden Flusspferden vorbei zu den Überresten einer Giraffe, die vor vier Tagen von zwei jungen Löwenmännchen gerissen wurde. Nun lagen dahinter zwei Löwenmütter und deren Nachwuchs hat sich abgemüht an der Giraffe herum zu nagen. Es war schön den Kleinen beim spielen zuzusehen und wie sie an der Karkasse herumgenagt haben. Seid froh, dass die Geruchsfotografie oder anstelle der Sprachnachricht, die Geruchsnachricht noch nicht erfunden wurde. Der Geruch von hier ist normal durch die Pflanzen geprägt und richtig angenehm, wenn nicht gerade ein Stück Fleisch vier Tage lang bei Zimmertemperatur vor sich hin altert. Wir haben dem Treiben aus mehreren Parkpositionen zuschauen können, bis wir dem nächsten Fahrzeug den Platz überlassen haben und Richtung Mittagessen aufgebrochen sind.

Auf dem Rückweg gab es aber auch noch eine Herde Zebras, eine Gnuherde („Wildebeest“), Warzenschweine (unverwundet) und wieder viele Vögel und Strauße zu sehen.

Durch die günstige Lage unseres Zeltes konnten wir uns schnell umziehen und duschen, bevor es zum Brunch ging. So aufgefrischt konnte man sich ganz dem Essen widmen und erst mal einen Rock Shandy und einen Malawi Shandy als Aperitif trinken. Beide sind (so gut wie) alkoholfrei, typisch für das südliche Afrika als Getränk und wir konnten die hier entspannt gegeneinander verkosten. Beide bestehen aus Eiswürfeln und einigen kräftigen Spritzern Angostura-Bitter. Der Unterschied zwischen den beiden Drinks ist, dass für den Rock Shandy zu gleichen Teilen eine Art Zitronenlimonade mit Sodawasser und für den Malawi Shandy gleiche Teile Ginger Ale und Sodawasser gemischt werden. Der Unterschied ist geschmacklich am Ende sehr gering, der Malawi Shandy ist wegen dem Ingwergetränk eine Idee schärfer, ob man blind sagen könnte, welchem man gerade trinkt? Vermutlich nicht, der Angostura ist einfach zu dominant, aber beide Varianten sehr erfrischend und schmackhaft.

Das Essen hier ist jetzt als Brunch ausgeschrieben und es handelt sich tatsächlich um beides. Auch die Mengen sind ein Frühstück + ein Mittagessen. Brot und Butter bekommt man auf den Tisch gestellt, dazu gab es eine Creme aus getrockneten Tomaten. Danach kommen zwei Salate, die in Schüsseln zum Teilen auf den Tisch gestellt werden. Wir haben uns (unvorsichtiger Weise) ein „Gomoti Benedict“, also ein Egg Benedict mit Avocado, bestellt und zweimal ein Hühnchenschnitzel im Dukkah-Mantel gebacken. War viel zu viel, ein Schnitzel zum teilen reicht locker, wenn man das Gomoti Benedict nicht weg lassen will.

Nach dem Essen hatten wir ein wenig Freizeit für einen Blick auf den Poolbereich (mit eigenem Toilettenzelt) und ein wenig Ruhe, bevor es um 15 Uhr schon wieder Tee und was zu essen gab.

Wir konnten aber beim besten Willen nichts mehr essen. Danach begann die Nachmittagsausfahrt, die uns zum Glück anstelle des Mokoro nahegelegt wurde.
Die Arbeiter an der Straße waren gut vorangekommen und hatten einen schönen Damm mit Sandsäcken errichtet, um den Weg vor dem Wasser zu schützen.

Wir sind auf direktem Weg zuerst Richtung Leopard gefahren, um zu sehen, wie dort inzwischen die Situation zwischen Warzenschein und Leopard aussieht. Auf der Fahrt stand plötzlich eine große Herde Wasserbüffel auf und neben dem Weg. Nachdem wir in Chobe nur zwei Wasserbüffel unter einem dichten Baum im Schatten erahnen konnten, standen nun viele Tiere unmittelbar vor uns mit freier Sicht. Beeindruckende, große Tiere und nach diversen Aussagen auch sehr gefährlich. Männchen und Weibchen lassen sich an den Hörnern unterscheiden. Die männlichen Tiere haben eine deutlich dickere und hellere Hornplatte zwischen den Hörnern vorne am Schädel.

Beim Leopard angekommen, ging es wieder durch die Bäume in das Dickicht hinein. Dort haben wir zuerst das tote Warzenschein entdeckt, das immer noch an der gleichen Stelle lag. Es konnte sich wohl noch mit letzter Kraft am Vormittag wehren, aber sich nicht mehr fortbewegen und der Leopard hat das Duell dann doch gewonnen. Hier stand auch noch ein Safari-Wagen einer anderen Lodge. Der ist dann weitergefahren, um uns die Sicht freizugeben und da lag dann der Leopard direkt vor uns im Gras. Er wirkte sichtlich genervt von all dem Trubel hier und ist dann aufgestanden und hat versucht weiter hinten im Buschwerk Ruhe zu finden. Die Safari-Wagen (so wie wir auch) haben ihn aber verfolgt. On hat ihn wiedergefunden und er hat dann nach kurzer Zeit einem Guide eines anderen Camps leise erklärt, wie er an den Leoparden heran kommt, wenn wir jetzt weg fahren. Wir hoffen, der Leopard hat irgendwann in Ruhe sein Beute auch genießen können.

Wir sind noch ein wenig herum gefahren und dann war auch schon Zeit für den Sundowner. Gin and Tonic für uns (wir hatten das mit der Malariaprophylaxe schon erwähnt?), Wasser für die Damen aus China (die Kühlbox war gut gefüllt mit allen möglichen Getränken, Wein, Bier, Brandy, Vodka, Whiskey etc.). Es folgte die übliche Fotosession zum Sonnenuntergang. Das Rot ist richtig intensiv und hält sehr lange an. In den 70er Jahren war die Fototapete im Wohnzimmer in Mode, gerne auch mit Sonnenuntergängen. Man hat das Gefühl diesen Sonnenuntergang schon einmal auf einer solchen Fototapete gesehen zu haben.

Danach ging es auf einen längeren Rückweg, wieder mit Suchscheinwerfer nach Jägern der Nacht, aber diesmal gab es für uns nicht einmal eine Eule, die sich bequemt hat, sich für uns an den Wegesrand zu setzen. Der Wasserstand steigt langsam, das merkt man deutlich, wenn man immer wieder an den gleichen Stellen vorbei kommt, da drückt das Wasser richtig herein in die Flutgebiete des Deltas. Die Durchfahrt durch das Wasser kurz vor dem Camp bei Nacht wird immer aufregender. Leider haben wir keine Bilder, es war auch schon sehr dunkel, um so mehr hat man gesehen, wie die Motorhaube vom Wagen komplett unter Wasser taucht und die Scheinwerfer unter Wasser den See oder den Fluss hier ausleuchten.

Im Camp angekommen, gab es erst einmal ein feuchtes Handtuch gegen den Staub. Uns wurde dann gleich bedeutet wir sollen uns bitte direkt zum Pool begeben, hier gäbe es den Aperitif und anschließend das Abendessen. Der Bereich vor dem Pool war mit einer Menge Kerzen und Laternen versehen, die ein schönes Licht in der Dunkelheit ergeben haben. Es war dort auch eine illuminierte Bar aufgebaut, mit allen möglichen Getränken und Spirituosen, außerdem stand hier nun ein großer Grill in dem schon das abgebrannte Holz glühte. Außen herum waren die Tische aufgebaut. Eine tolle Stimmung. Zu Beginn wurde Brot und Butter serviert und eine Kürbissuppe. Danach konnte man sich am Grill holen, was man wollte. Es gab Rind, Bratwurst und „gezupfte Ziege“, die ein hiesige Spezialität sein soll. Die Ziege war das Highlight. Als Beilagen gab es noch gegrillte Maiskolben, diverse Gemüse und etwas Grünes, das als „Afrikanischer Spinat“ bezeichnet wurde, aber eher aussah und eine Konsistenz hatte von kleingeschnittenen Grünkohlblättern, aber mit Mangoldgeschmack. Dazu gab es diverse Weine zur Auswahl. Als Nachspeise wurde ein Malva Pudding serviert. Zum Abschluss haben wir uns einen Amarula auf Eis genehmigt, auch wenn man den anscheinend eher zum Frühstück trinkt oder das Porridge damit genießbar macht.

Während des Essens gab es auch noch eine Gesangseinlage der Belegschaft. Dass gesungen und getanzt wird, ist uns schon öfters begegnet. Auch hier hat man das Gefühl, die Menschen machen das einfach gerne und alle machen mit und kommen selbstständig dazu, wenn sie hören, dass irgendwo getanzt wird.

Die Idee am Pool eine Vollmondparty zu veranstalten mit gutem Essen und Trinken war sehr schön. Wir haben uns satt und zufrieden zu unserem Zelt begleiten lassen und sind auch gleich ins Bett gefallen, morgen geht es ja schon wieder weiter ins nächste Camp.

Sonntag, 31.05.2026

Der Abflug war für den späten Vormittag vorgesehen. Die drei netten Chinesinnen haben sich heute für das Mokoro-Erlebnis entschieden und konnten länger ausschlafen. Wir mussten schon wieder früh raus, denn wir mussten noch packen. Der große Vorteil von den Flug-Safaris ist auf jeden Fall, dass man nur wenig Gepäck mitnehmen kann und dann halt waschen lassen muss. Die Wäsche wird immer schön gebügelt und gefaltet am Abend auf das Zimmer/ in das Zelt gelegt, ideal zum platzsparenden einpacken. Das bisschen Restwäsche ist schnell wieder in der Tasche verstaut. Heute ging es noch einfacher, denn wegen der Kälte in der Früh hatten wir drei Jacken an, auf dem Herflug waren noch zwei davon in der Tasche. Damit konnte man den Reißverschluss ganz einfach zuziehen.

Der Plan war, dass wir noch eine kleine Morgenausfahrt machen und dann einfach auf dem Flugfeld aufhören. On hatte unsere Taschen und Rucksäcke gut verstaut, damit sie nicht nass werden bei den Flussdurchquerungen. Beim Losfahren aus dem Camp hat man schon gesehen, dass ein Weg mit Fahrspuren, den wir gestern Abend noch gefahren sind, mit Wasser vollgelaufen war. Daran sieht man, wie schnell das Wasser aus dem Norden hier reindrückt und On meinte, dass es passieren könnte, dass sie das Camp ggf. für ein paar Tage schließen müssten, wenn das Wasser weiter steigt. Hoffen wir mal, dass es gut geht. Der Plan für die Ausfahrt heute war einfach „Landschaft und was uns über den Weg läuft“. Bis jetzt war das eigentlich immer der beste Plan. Die Landschaft in der aufgehenden Sonne war einfach schön anzuschauen. Selbst wenn man jetzt keine besonderen Tiere finden würde, reicht einfach die unendliche Weite, die Flüsse und Seen in denen sich die Morgensonne spiegelt, keine Zäune, keine Häuser, nur Landschaft. Aber wir sind hier in einem der artenreichsten Gebiete unterwegs und zumindest die Vogelwelt ist uns treu und zeigt sich von seiner besten Seite. On fährt uns zu seinen Lieblingsplätzen, die er auch nach Jahren als Guide immer gerne ansteuert, nur um sich die Natur anzuschauen. Er hat uns erzählt, dass für ihn die schlimmsten Gäste, die sind, die sich nicht auf die Landschaft einlassen wollen und auch nicht an der Tierwelt interessiert sind, sondern nur an einem Tier. Meist handelt es sich um Leoparden oder Löwen und alles andere ist ihnen total egal. Einfach schnell weiterfahren, gar nicht lange aufhalten, will man gar nicht anschauen. Dabei ist gerade hier im Delta die Stille und die Natur das Faszinierende. Eigentlich steht man mitten in einer Wüste, die nur durch hunderte oder über tausend Kilometer entfernte Regenfälle am Leben erhalten wird.

Wir sind zunächst einem einzelnen Elefanten begegnet, hatten aber keine Zeit Bilder zu machen, denn wir mussten mit dem Auto das Weite suchen, weil er gedroht hat und begonnen hat uns anzugreifen. Wieder das Problem mit den einzelnen, aus der Gruppe ausgestoßenen Tieren, die auf sich allein gestellt, direkt angreifen, um sich zu verteidigen, bevor der andere angreift. Aber wir hatten auch Glück und haben auf dem Weg durch eine Art Waldstück Roan Antilopen aufgespürt, die gerade den Weg querten. Diese Art ist die zweitgrößte Antilope hier in Afrika. Das ist anscheinend ein ganz seltener Anblick, aus zwei Gründen: erstens gehören die hier gar nicht her. Die Roan Antilopen bewohnen eigentlich eine sehr trockene Steppe, trinken kein Wasser und beziehen das Wasser, das sie zum Leben brauchen, aus Knollen, die sie aus der Erde ausgraben. Dass die hier zwischen Bäumen herumlaufen, in einem sehr wasserreichen Gebiet, ist wohl eine absolute und sehr seltene Ausnahme. Der zweite Grund für den seltenen Anblick ist, dass die unheimlich scheu sind. Normal bekommt man gar kein Foto von denen geschossen, weil die sofort wegrennen. Diese hier waren im Wald und waren neugierig oder unerschrocken und sind brav stehen geblieben, damit wir sie fotografieren konnten. Das war richtig nett, uns so ein seltenes Erlebnis noch kurz vor der Weiterreise zu bieten.

Zwei von geschätzt nur noch 30000 wunderschönen Moorantilopen (Letschwe) sind uns auch noch begegnet. Was für ein Morgen!

Etwas später haben wir noch den Nationalvogel von Botswana in einem Teich gefunden. Der Kori Bustard, zu Deutsch Riesentrappe, ist der größte flugfähige Vogel der Welt mit bis zu 20kg Körpergewicht. Der ist zwar groß, aber grau und wirkt jetzt nicht besonders attraktiv und man fragt sich unweigerlich, warum man einen großen, grauen Vogel zum Nationalvogel gewählt hat und nicht einen farbenfrohen wie den Lilac-Breasted Roller (Gabelracke), der im Flug ein wenig aussieht wie die Flagge von Botswana und sich echt nur schwer im Flug fotografieren lässt. On hat uns aufgeklärt: Der Kori Bustard war früher ein besonderer Vogel, der nur vom Stammeshäuptling gegessen werden durfte. Das erklärt natürlich die Wahl.

Auf dem Weg zum Airstrip sind wir noch an weiteren schönen Seen vorbeigekommen, haben eine Giraffe und ein paar Zebras getroffen, die zusammen mit Gnus eine Schutzgemeinschaft gebildet haben gegen Raubtiere und noch einen recht großen Vogel, einen der stark bedrohten Ohrengeier.

Am Airstrip angekommen, standen mitten auf der Landepiste eine Herde Zebras. Die musste On erst mal vorsichtig von der Bahn vertreiben, damit der Flieger überhaupt landen konnte.

Die Flieger fliegen erste einmal im 90° Winkel mitten über den Airstrip, um zu schauen, dass auch nichts im Weg steht und man sicher landen kann. On hat uns noch angeboten einen Kaffee zu machen, aber es wäre kaum Zeit gewesen, denn der Flieger war schon im Landeanflug. Im Flieger saßen bereits fünf Personen, außer uns stieg keiner zu und es stieg auch hier keiner aus. Wir haben uns von On verabschiedet, einen wirklich guten Guide und ein unheimlich sympathischer Mensch. Es hat uns richtig leid getan, jetzt schon wieder nach nur zwei Nächten weiter zu müssen. Aber Monachira erwartet uns und wir waren auch gespannt, wie es dort sein würde. Normal buchen einen die Reiseveranstalter zuletzt ja ins beste Camp ein.

Als Reiseandenken haben wir jeder eine Trinkflasche geschenkt bekommen, die wir mitnehmen sollten. Bei Machaba Safaris bekommt jeder eine persönliche Trinkflasche zur Verfügung gestellt. Diese war immer frisch gefüllt mit Wasser im Fahrzeug dabei und am Ende darf man die als Andenken mit nach Hause nehmen. Oder wenn man noch in weitere Machaba Camps reist mit dorthin, denn man bekommt die Flasche immer nur beim ersten Camp überreicht. Eine Metallthermosflasche in Safari-Grün. Eigentlich eine sehr gute Trinkflasche, wir hatten aber schon unsere eigenen Flaschen im Rucksack, jetzt musste noch eine Flasche mehr darin Platz finden. Hat funktioniert, wir haben es geschafft diese mit bis nach Hause zu nehmen und haben jetzt eine Erinnerung, aus der wir trinken können.

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